Erstens kommt es anders – und zweitens als man denkt: Die Stadt Kirchheim wollte die Sommerpause nutzen, um eine Brandlast in der abgehängten Decke des Stadthallen-Foyers zu beseitigen. Mit Schuljahresbeginn zum 15. September hätte auch die Stadthalle ihre Pforten wieder öffnen sollen. Inzwischen haben allerdings Asbest-Funde einen Strich durch diese Rechnung gemacht, mit der Folge, dass die Stadthalle bis Ende des Jahres für keine Veranstaltung mehr zur Verfügung steht.
„Das Foyer ist der erste Rettungsweg für Veranstaltungen in der Stadthalle“, sagt Kirchheims Erster Bürgermeister Achim Rapp. „Wenn wir die Brandlast nicht beseitigen würden, hätte wirklich Gefahr für Leib und Leben bestanden. Unverzügliches Handeln war deshalb notwendig.“ Das eigentliche Problem kam allerdings – wie so oft – kurz nach Beginn der Arbeiten: „Man hofft immer, dass man genau Bescheid weiß. Aber erst, wenn man einen Kanal öffnet, weiß man auch, was drin ist.“
So kam es eben dazu, dass sich die Arbeiten nun unerwartet in die Länge ziehen, weil in der Decke eben auch Asbest zu beseitigen war. Achim Rapp gibt bei diesem Reizbegriff aber sofort Entwarnung, indem er betont: „Untersuchungen der Raumluft haben ergeben, dass zu keiner Zeit eine Gefahr bestand, die vom Asbest ausgegangen wäre.“ Frank Bauer, der Leiter der städtischen Kulturabteilung, ergänzt: „Solange man Asbest nicht anbohrt oder anschneidet, geht auch keine Gefahr davon aus.“
Die Sanierung hat es nun aber erfordert, das Material anzupacken. „Wir sind da auf keinen Fall blauäugig rangegangen“, sagt Jörg Weimer vom Sachgebiet Hochbau. „Aber in dem Ausmaß war das vorher leider nicht erkennbar.“ Die Asbestentfernung soll nun in zwei Bauabschnitten bis Ende Oktober erfolgen. Anschließend kann die eigentliche Deckensanierung weitergehen, einschließlich Elektroinstallation und Malerarbeiten.
Veranstaltungen werden verlegt
Ein ganz anderes Problem spricht Frank Bauer an: „Die Stadthalle lässt sich nicht wirklich ersetzen.“ Zwar werde die eigentliche Halle gar nicht saniert – also weder der große noch der kleine Saal –, aber ohne Foyer gibt es bei Veranstaltungen eben auch keinen geeigneten Zugang zur Halle. Bis Ende des Jahres geht es jetzt um 27 Veranstaltungen, die verlegt werden müssen. „Da suchen wir auch nach kreativen Lösungen.“
Konzerte – ob es den Kulturring betrifft oder die Stadtkapelle – lassen sich zum Beispiel in die Martinskirche verlegen. Für Podiumsdiskussionen, die mit Ministerpräsident Winfried Kretschmann und mit Kultusministerin Theresa Schopper geplant sind, sollten sich ebenfalls geeignete Ausweichquartiere finden lassen. Bei Theateraufführungen sieht das schon ganz anders aus, wenn die Bühnentechnik der Stadthalle nicht genutzt werden kann. Und da kommt dann die besondere Kreativität zum Tragen: „Beim Gastspiel des Theaters Lindenhof drehen wir das Prinzip vielleicht um und organisieren vom Kulturring aus Busfahrten nach Melchingen.“
Auch lange vereinbarte Termine mit anderen Veranstaltern müssen bis Ende des Jahres abgesagt werden. Rechtlich ist die Stadt Kirchheim dabei auf der sicheren Seite, wie Frank Bauer betont: „Weil Gefahr für Leib und Leben besteht, kommen wir aus den jeweiligen Mietverträgen raus.“
Kosten stehen noch nicht fest
Die Kosten für die Sanierung lassen sich noch nicht ernsthaft beziffern. Bürgermeister Achim Rapp spricht von 140.000 Euro, die für die Brandschutzsanierung eingeplant waren. „Durch die Asbestsanierung wird sich das wahrscheinlich verdoppeln.“ Mehr lasse sich noch nicht sagen.
Jörg Weimer ist indessen zuversichtlich, dass sich die Zeiten einhalten lassen. „Es braucht noch viele Gespräche zur Feinabstimmung. Aber zum jetzigen Zeitpunkt gehe ich davon aus, dass die Stadthalle für den Neujahrsempfang Anfang 2026 wieder zur Verfügung steht.“
Wer dann in die Stadthalle kommt, könne sicher sein, dass keine Gefahr mehr besteht: Die Schadstoff-Fasern werden sachgerecht entsorgt, und auch die Luft wird mehrfach abgesaugt und gefiltert. Erst nach entsprechenden Messungen, durch die nachgewiesen werden muss, dass keinerlei Belastung mehr besteht, könne die Freigabe der Halle – das heißt eigentlich nur des Foyers – erfolgen. Für die Stadthalle selbst braucht es ja gar keine Freigabe. Bei den Sanierungsarbeiten ist gewährleistet, dass die Halle als solche nicht kontaminiert wird.

