Geschichte
Ein Unheil mit versöhnlichem Ende

Die Roadshow „Uffrur“, die in Gedenken an den Bauernkrieg vor 500 Jahren an 16 ehemaligen Schauplätzen mit interaktiven Vorführungen Station macht, begeisterte das Kirchheimer Publikum. 

Auf den Bühnen gab es zahlreiche musikalische Attraktionen. Hier der gemeinsame Chor von Alleenschule und Teck-Grundschule. Foto: Rainer Kellmayer

Im frühen 16. Jahrhundert stand Süddeutschland in Flammen: Kriegerische Auseinandersetzungen erschütterten die Region. Der Aufstand der Bauern gegen die Feudalherrschaft machte auch vor Kirchheim nicht Halt: Die Stadt unter der Teck – die Burg wurde 1525 von den aufständischen Bauern niedergebrannt – war Schauplatz dramatischer Ereignisse, die sich wie ein Flächenbrand ausbreiteten.

Im Gedenken und Erinnern an den Bauernkrieg vor 500 Jahren lässt die vom Württembergischen Landesmuseum in Kooperation mit dem Kapuziner Kreativzentrum Ravensburg entwickelte Roadshow „Uffrur! --- on the road“ die Geschichte an 16 ehemaligen Schauplätzen wieder aufleben. Am Sonntag machte die interaktive Show Station auf dem Kirchheimer Marktplatz.

Wie auf einem Jahrmarkt

„Die Ereignisse vor 500 Jahren waren ein Schrei nach Gerechtigkeit und einem Leben in Würde“, sagte Kirchheims Oberbürgermeister Dr. Pascal Bader bei der Eröffnung. Es war ein großes Spektakel für Jung und Alt, bei dem es in der Stadtmitte wuselte wie auf einem Jahrmarkt. Der Besucher betrat eine Welt, die geteilt war: Ein rotes Band trennte den Marktplatz in eine Seite für die Privilegierten und eine Seite für die Benachteiligten. Auf jeder Seite stand eine Bühne, auf der Kirchheimer Ensembles mit ihren Musikbeiträgen begeisterten. Und in der Mitte gab es, als verbindendes Element, einen fantasievoll geschmückten Pavillon, auf dem das turbulente Musiktheater in einer improvisierten Schenke über die Bühne ging.

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Das Theaterstück erzählte die Geschichte des Bauernkriegs und die Beweggründe der Menschen von damals: Authentisch, aufrüttelnd und mit viel Musik. Mit leidenschaftlichem Spiel und gekonnten Gesangseinlagen versetzten die Akteure das Publikum um 500 Jahre zurück.

Veronique Weber-Krapinski und Oliver Walter symbolisierten die wütenden Bauern, die sich gegen die Obrigkeit auflehnten. Den Gegenpol setzte Sascha Wolf als Geächteter: Er fürchtete um die Privilegien des Adelsstandes. Auch in seiner zweiten Funktion als Kirchenmann stand Wolf auf der Seite des Geldes.

Völlig in ihrer Rolle als Anne von Hochgeboren ging Elisabeth Schuller auf. Ausdrucksstark und mit famosem vokalem Einsatz spielte sie den Part der Adligen, und auch in ihrer Zweitrolle als Kaufmann stand sie ihren Mann. Jens Lamprecht, der Wirt der Schenke, führte humorig durch das Schauspiel. Doch trotz vieler Vermittlungsversuche konnte er das Unheil nicht aufhalten: Kriegerischer Lärm füllte den Marktplatz mit Kanonendonner, und Brandrauch kitzelte in den Nasen der Zuschauenden.

Am Ende gab es einen versöhnlichen Ausblick: Die Welt ist offen für den Menschen und das Gute. Diese Botschaft unterstrich der Haupt- und Jugendchor der Musikschule Kirchheim mit dem abschließenden Lied „Eine Welt“ eindrücklich.

Stadtverwaltung singt

Im Rahmenprogramm gab es Musikbeiträge, Spielstationen, Figurentheater und Picknickbereiche, in denen sich die Besucher stärken konnten. Unter der Leitung von Florence Awotula sangen der Haupt- und Jugendchor der Musikschule, und der von Nadja Adducchio dirigierte gemeinsame Chor von Alleenschule und Teck-Grundschule traf mit dem Lied „Die Gedanken sind frei“ den Nerv der Veranstaltung.

Bezüge zum Geschehen stellte auch ein Ensemble des Kirchheimer VHS-Orchesters her. Angeführt von Siegfried Hartauer spielten die Instrumentalisten Auszüge aus der Musik zum Bauernkrieg-Theater. Ein besonderer Gag: Das Orchester wurde unterstützt von einem Gesangsensemble der Stadtverwaltung, das mit engagiertem vokalem Einsatz prägnante Farbtupfer setzte. Auf der Platzseite des armen Volkes gab das Urban-Folk-Projekt mit Protestliedern dem Unmut der Unterprivilegierten ein Ventil.

Besonderen Spaß an dem Spektakel hatten die Kinder. Sie konnten ihre Fantasie bei Attraktionen wie einem überdimensionalen Kickerspiel, dem Puppentheater oder einem Katzen-Schachspiel ausleben. Und wenn sie im Heft genügend Stempel gesammelt hatten, gab es von den purpurgewandeten, auf hohen Stühlen rund um den Marktplatz sitzenden Kardinälen, ein Quartettspiel mit den Akteuren des Bauernkriegs.

Als das Fest mit einer fetzigen Aftershow des Jo Ambros Trios zu Ende ging, waren sich alle einig: Das war ein tolles Spektakel, das lange im Gedächtnis bleiben wird.

Eine Bildergalerie zum Spektakel gibt es hier