Glück und Zufriedenheit lassen sich beeinflussen. Übungen dazu kann man erlernen. Oft geht es um die richtige Bewegung und die richtige Ernährung. Im Kurs, gemeinsam mit anderen Menschen, kommen noch weitere Faktoren hinzu: Gemeinschaft, Spaß – und Unbeschwertheit. Die Zeit vergeht dann wie im Flug. Wenn die Kursinhalte auch noch „hängenbleiben“ und somit langfristig nachwirken, profitieren alle Beteiligten.
Ich hab’ mich leicht und unbeschwert gefühlt.
Eine Teilnehmerin schreibt, dass ihr der Bewegungskurs großen Spaß gemacht hat
In der Kontaktgruppe des Sozialpsychiatrischen Diensts der Diakonie in Kirchheim hat das Zusammenspiel perfekt funktioniert – und die Kurse haben für manchen Aha-Effekt gesorgt, wie Kontaktgruppenleiterin Dorothee Ostertag-Sigler berichtet. Zustande gekommen war das Angebot über eine Anfrage bei der AOK nach Ernährungstipps: „Wir bieten da auch Workshops an“, habe es geheißen. Angesichts einer hundertprozentigen Kostenübernahme durch die Kasse musste die Gruppenleiterin nicht lange überlegen.
Bei der Ernährung ging es nach einem detaillierten theoretischen Teil erst im Folgetermin ums gemeinsame Zubereiten und Probieren von Speisen. Unter dem Motto „Besser essen, besser fühlen“ hat Natalie Mazingue Zusammenhänge zwischen Nahrung einerseits sowie körperlichem und seelischem Wohlbefinden andererseits erklärt. Es ging um das Problem des Frustessens, aber auch um die Tatsache, dass bestimmte Medikamente Heißhungerattacken auslösen können. Dass viele Menschen eher Lust auf Süßes als auf Rohkost haben, liege daran, dass der Verzehr von Süßigkeiten Serotonin freisetzt.
Schokolade bewusst genießen
Der Absturz nach dem großen Serotonin-Schub könne aber umso größer sein – so lautet die Warnung. Und die dazugehörige Übung bestand im bewussten Genießen eines Stücks Schokolade. Unter Anleitung konnten die Teilnehmer ihrem Stückchen mit allen Sinnen nachspüren. Das Ergebnis hat nicht nur Dorothee Ostertag-Sigler verblüfft: „Das war so gut, dass hinterher keiner mehr ein zweites Stück Schokolade wollte.“
Im praktischen Teil habe es „sehr gesundes Essen“ gegeben, erzählt die Leiterin der Kontaktgruppe. „Das war für schwäbische Mägen und Geschmäcker teils gewöhnungsbedürftig.“ Das gemeinsame Kochen habe aber unglaublich viel Spaß gemacht, und auch der Lernerfolg habe sich eingestellt: „Viele haben verstanden, dass man selbst etwas tun kann, dass Gemüse besser ist als Obst, weil es weniger Zucker enthält, und dass bei einer längeren Kur nur mit Haferflocken und Hülsenfrüchten Verdauung und Fitness besser werden und außerdem das Wohlbefinden steigt.“
Ähnliche Lehren waren aus den Kursen „Gehirn trifft Körper“ mit dem einstigen Fußball-Profi Oliver Otto zu ziehen. „Bewegung ist einfach wichtig“, resümiert Dorothee Ostertag-Sigler. „Wenn das ohne Leistungsdruck möglich ist, haben auch wirklich alle Spaß an der Bewegung.“ Während sonst im Sport zwei Teams sich und ihre Leistungen im direkten Wettbewerb gegeneinander messen, ging es in den Kursen darum, sich gegenseitig zu helfen, zu unterstützen und zu motivieren, um gemeinsam ein sportliches Ziel erreichen zu können. „Wir sind dabei auch ein Stück weit ins Schwitzen gekommen – ohne es zu merken.“
Fingerübungen fürs Gehirn
Nicht alles hatte mit den ganz großen körperlichen Anstrengungen zu tun. Und trotzdem waren es Bewegungsabläufe, die Körper und Hirn förderten: „Fingerübungen sind richtig gut fürs Gehirn – um beide Gehirnhälften in gleicher Weise anzuregen. Dann fließen die Neurotransmitter besser.“ Und das wiederum hat ganz unterschiedliche positive Auswirkungen – auf die Stimmung, auf die Stressbewältigung oder auch auf den Schlaf. Mitunter kam bei den Übungen auch nur das Gehirn in Bewegung, etwa bei der anspruchsvollen Aufgabe, das Alphabet rückwärts aufzusagen.
Als Fazit der Kurse verweist Dorothee Ostertag-Sigler auf die schriftliche Rückmeldung einer Teilnehmerin, die alles aussagt – auch wenn sie sich in diesem Fall rein auf den Bewegungsteil bezieht: „Es war ein besonderes Erlebnis. Beim Basketball haben wir uns gegenseitig unterstützt. Beim Alphabet haben wir über vergessene Buchstaben gelacht. Ich hab’ mich leicht und unbeschwert gefühlt.“ Letzteres ist das Ziel, das die Kontaktgruppe möglichst immer erreichen will – seit 36 Jahren.

