Interview
Eugène Mursky: Musikalische Reise unter dem Motto „Quasi una Fantasia“

Ende September gibt Eugène Mursky ein Konzert in Kirchheim. Mit dem Teckboten sprach der Pianist über Poesie und Drama in der Musik. 

Als Pianist von internationalem Renommee wurde Eugene Mursky vielfach ausgezeichnet. Foto: pr

Wenn Eugène Mursky auf Einladung des Kirchheimer Kulturrings Ende September in der Stadthalle die ersten Töne von Mozarts Fantasie c-Moll erklingen lässt, beginnt eine musikalische Reise unter dem Motto „Quasi una Fantasia“. Der in Taschkent geborene Pianist, der seine Ausbildung in Moskau, Hannover und Salzburg erhielt, gilt als brillanter Virtuose und Meister des subtilen Ausdrucks. Seit seinem fulminaten Sieg bei der World Piano Competition in London ist er auf den großen Bühnen Europas, Amerikas und Asiens zu Hause. Mit dem Teckboten sprach der Pianist über sein Kirchheimer Programm, das einen weiten Bogen spannt, über Poesie und Drama in der Musik – und darüber, warum Virtuosität allein nicht genügt.

Herr Mursky, Ihr Programm steht unter dem Motto „Quasi una Fantasia“. Was bedeutet das für Sie?

Eugène Mursky: Freiheit im Denken und Musizieren. Eine Fantasie folgt nicht strikt klassischen Formen, sondern erlaubt spontane Wendungen, Träume, Überraschungen – wie ein innerer Monolog am Klavier. Diese Spannung von Struktur und Poesie ist für mich als Künstler sehr inspirierend.

Sie eröffnen den Abend mit Mozarts c-Moll-Fantasie – einem Werk, das improvisiert anmutet, jedoch streng gestaltet ist. Was fasziniert Sie am Spannungsfeld von Freiheit und Form?

Mursky: Einerseits ist das Stück voller Überraschungen und plötzlicher Stimmungswechsel. Andererseits ist es kunstvoll konstruiert. Mozart zeigt, wie frei und präzise zugleich Musik sein kann.

In Chopins Fantasie f-Moll schwingt das polnische Lied „Litwinka“ mit, ein Protestgesang aus der Zeit der Aufstände um 1830. Wie nähern Sie sich einem Werk, das so stark von historischer und politischer Bedeutung durchdrungen ist?

Man spürt die Tragik und die Sehnsucht, die aus dieser Zeit stammen. Mir ist es wichtig, die Emotionen zu transportieren, nicht nur die historischen Bezüge. Chopin bleibt immer ein Poet, auch wenn er hier eine politische Dimension anklingen lässt.

Schuberts „Wanderer“-Fantasie gilt als eines der herausforderndsten Werke der Klavierliteratur. Betrachten Sie es als virtuoses Feuerwerk oder als poetisches Bekenntnis?

Beides. Es ist ein ungeheuer virtuoses Werk, das pianistisch enorme Anforderungen stellt. Aber im Kern geht es um Sehnsucht und das „Unbehaust-Sein“, wie Schubert es immer wieder thematisiert. Virtuosität ist nur das Mittel, um die poetische Dimension zu steigern.

Beethovens „Mondscheinsonate“ bricht mit der klassischen Sonatenform. Sehen Sie in ihr eher ein lyrisches Nachtstück oder ein verdecktes Drama?

Eher ein verborgenes Drama. Der erste Satz wirkt wie ein Traum, aber darunter spürt man eine innere Unruhe. Das eigentliche Drama bricht im letzten Satz hervor – fast wie ein Gewitter nach einer langen, stillen Nacht.

Die „Réminiscences de Don Juan“ von Liszt versprühen pianistische Brillanz und Theatralik. Wie schaffen Sie es, die musikalische Substanz nicht aus den Augen zu verlieren?

Das Stück ist ein virtuoses Feuerwerk – brillant, funkelnd, atemberaubend. Zugleich bringt Franz Liszt einige der schönsten Arien aus Mozarts „Don Giovanni“ zum Klingen. Es ist große Oper, übersetzt auf die Klaviertasten – voller Glanz und Leidenschaft.

Fünf Werke, fünf Klangwelten. Was möchten Sie Ihren Hörern mit dieser Dramaturgie vermitteln?

Eine Reise durch Fantasie und Poesie, durch Dramatik und Virtuosität. Ich möchte dem Publikum zeigen, wie vielfältig Musik sprechen kann – mal nachdenklich, mal leidenschaftlich, mal überwältigend.

Abseits des Konzertsaals: Wie sieht ein idealer Tag aus, an dem Sie nicht am Klavier sitzen – falls es so etwas überhaupt gibt?

Solche Tage sind selten, aber sie tun gut: Zeit mit meinen Kindern, ein Spaziergang, gutes Essen und Gespräche. Ruhe, ein Buch oder Musik, die ich nicht selbst spielen muss.

Das Klavierkonzert mit Eugène Mursky, findet am Samstag, 27. September, um 19.30 Uhr in der Stadthalle Kirchheim, Stuttgarter Straße 2 statt. Karten gibt es an der Abendkasse sowie im Vorverkauf bei der Kirchheim-Info, Max-Eyth-Straße 15.