Fachlehrkräfte konnten sich im Kirchheimer Schloss austauschen – und sie konnten der Landespolitik Einblicke geben in ihr Innenleben. Das Problem: Oft genug fühlen sie sich als Lehrkräfte zweiter Klasse. Höheres Deputat, geringere Besoldung, kaum Chancen auf einen Platz im Aufstiegslehrgang, das waren die Klagen, mit denen die Landtagsabgeordneten und -kandidaten aus Kirchheim und Umgebung konfrontiert waren.
Die Politiker hörten beim Fachlehrkräftetag des Verbands Bildung und Erziehung (VBE) nicht nur geduldig, sondern auch verständnisvoll zu. Ob sich aber trotz ihrer Beteuerungen, dass vieles anders werden muss, tatsächlich etwas ändern wird, steht weiterhin in den Sternen – und zwar völlig unabhängig vom Ausgang der Landtagswahl Anfang März: Keine Regierungskoalition dürfte über die notwendigen Mittel verfügen, um die Forderungen der Fachlehrkräfte erfüllen zu können.
Pädagogisch geschulte Praktiker
Zunächst einmal gab es reichlich Lob für die Lehrkräfte, die aus Seminaren wie in Kirchheim hervorgehen. Bei Sascha Hellmannsberger war dieses Lob nicht weiter verwunderlich, denn er leitet beim VBE Baden-Württemberg das Referat Fachlehrkräfte: „Die Arbeit der Fachlehrkräfte wird in der Politik immer noch zu wenig gewürdigt“, sagte er, um anschließend festzustellen: „Die Ausbildung zur Fachlehrkraft ist kein Notnagel, sondern ein bewährtes Modell. Fachlehrkräfte sind pädagogisch geschulte Praktiker.“ Der VBE fordere deshalb eine Angleichung ans Regelstundensystem – „nicht aus Bequemlichkeit, sondern aus Gerechtigkeit“.
Seminarleiterin Ute Recknagel-Saller ging in ihrem Grußwort auf die Praxisorientierung ein: „Unsere Fachlehrkräfte bringen Berufs- und Lebenserfahrung mit.“ Die Berufsausbildung, die sie bereits im Vorfeld absolviert haben, befähige sie, zusammen mit der dreijährigen Ausbildung am Seminar, in jeder Hinsicht zu „professionellem Handeln“.
Podiumsdiskussionsteilnehmer Andreas Schwarz – Vorsitzender der grünen Landtagsfraktion – erinnerte zunächst an den fraktionsübergreifenden Kampf um den Erhalt der Pädagogischen Fachseminare vor rund 20 Jahren. Die dringende Notwendigkeit für Fachlehrkräfte sieht er nach wie vor, gerade auch im Zusammenhang mit der Ganztagsschule. Im Pflichtfach „Informatik und Medienbildung“ an allen allgemeinbildenden Schulen sieht er ebenfalls große Einsatzmöglichkeiten für Fachlehrkräfte.
Kirchheims CDU-Landtagsabgeordnete Natalie Pfau-Weller zeigte viel Verständnis für Sorgen und Nöte der Fachlehrkräfte, ob es um Fragen der Besoldung oder um erlaubte Fächerkombinationen ging. Auch der Betreuungsschlüssel muss sich ihrer Meinung nach ändern, weil immer mehr Kinder und Jugendliche ihre Lehrkräfte vor große individuelle Herausforderungen stellen.
Ihr Nürtinger FDP-Kollege Dennis Birnstock sprach von einem Dilemma für die Politik, weil eine Entlastung beim Deputat den Personalmangel noch erhöhe. Er stellte aber auch fest: „Nur 30 Plätze in Aufstiegslehrgängen im aktuellen Schuljahr reichen sicher nicht aus. Das Motto ,Kein Abschluss ohne Anschluss’ muss auch für Fachlehrkräfte gelten.“
Für die SPD saß die Landtagskandidatin Tonja Brinks auf dem Podium. Aus ihrer Sicht muss auch an den Schulen der Grundsatz gelten, dass es für gleiche Leistung gleiches Geld gibt. Auch sonst müsse der Beruf für die Fachlehrkräfte attraktiver werden.
In der Diskussion brachten etliche Teilnehmer Beispiele aus ihrem Alltag ein – wie sie jahrelang auf Beförderungen warten, als IT-Betreuer kaum Entlastungen im Deputat erhalten oder auch als Kräfte für die Ganztagsbetreuung eingesetzt werden und dafür nur die Hälfte der Zeit angerechnet bekommen. Zur Ganztagsbetreuung stellte Gerhard Brand, der Bundes- und Landesvorsitzende des VBE, unmissverständlich klar: „Lehrkräfte lehren – und betreuen nicht.“ Dafür gebe es spezielle pädagogische Fachkräfte.
Gerade diese Fachkräfte seien es, die zu multiprofessionellen Teams an Schulen zählten. Sozialpädagogen, psychologische Berater oder auch medizinische Fachkräfte würden diese Teams ergänzen. „Wenn das Team aus dem Kollegium besteht, einschließlich Sonderpädagogen und Fachlehrkräften, handelt es sich nicht um ein multiprofessionales Team, sondern um eins, das ausschließlich aus Lehrkräften besteht.“

