Kirchheim. Das Konzept der Demenz-WGs scheint zu überzeugen: Manfred Kurz, Geschäftsführer der beiden WGs des Kirchheimer Vereins „Gemeinsam statt einsam“, hatte allein in der vergangenen Woche fünf Anfragen nach freien Plätzen. Trotzdem seien solche WGs auch finanziell nicht immer auf Rosen gebettet: „Immer wieder müssen WGs schließen, weil ihnen das Geld ausgeht.“
Auch „Gemeinsam statt einsam“ hatte eine schwierige Phase zu überstehen, weil der Verein seine zweite WG – im Steingau-Quartier – eröffnet hat, als die Corona-Pandemie den Einzug der Bewohner stark verzögert hat. Die Kosten für die Räumlichkeiten waren trotzdem zu tragen, obwohl die Einnahmen fehlten.
Verständlich, dass der Vereinsvorstand, der gemeinsam auch als Arbeitgeber für rund 40 Mitarbeiter fungiert, die vielfältigen Aufgaben nicht mehr allesamt im Ehrenamt übernehmen wollte oder auch weiterhin konnte: „Wir haben die Geschäftsführung als Dienstleistung eingekauft“, sagt die Erste Vorsitzende Jana Appel. Im Gegensatz zum Gründungsvorstand sind in der aktuellen Vereinsführung nur noch wenige Angehörige vertreten. „Wir würden uns da mehr Angehörige wünschen“, stellt Jana Appel fest. „Wir stehen aber alle voll hinter dem Konzept, für dessen Umsetzung wir auf gute hauptamtliche Kräfte angewiesen sind.“
Zum Konzept gehört es, gezielt auf die individuellen Bedürfnisse der Bewohner eingehen zu können. Das ist unter anderem wegen der überschaubaren Zahl von acht Pflegebedürftigen möglich. Auch dadurch können sich die Bewohner in der WG sehr viel stärker zuhause fühlen als in einem Heim mit zehn Mal so vielen Plätzen. Deshalb bezeichnete Sozialminister Manne Lucha das WG-Prinzip bei seinem Besuch im Kirchheimer Steingau-Quartier als „die verlängerte Häuslichkeit“.
Auch Sterben ist in diesem Fall kein Tabu-Thema. Der Verein „Gemeinsam statt einsam“ und seine beiden Demenz-WGs arbeiten eng mit dem Hospiz zusammen, sodass die Bewohner durchaus auch in ihrem häuslichen WG-Umfeld sterben können. Auch das ist für den Sozialminister eine Parallele zur häuslichen Pflege.
Das familiäre Umfeld wird im Gespräch von allen Seiten gelobt – nicht zuletzt auch von Angehörigen, die beteuern, dass sie sich keine bessere Pflegesituation vorstellen können. Für Geschäftsführer Manfred Kurz, der „gemeinsam mit einem tollen Leitungsteam“ für die Organisation verantwortlich ist, stellt die flexible und individuelle Pflege den Kernpunkt dar: „In einem Pflegeheim ist alles bis ins kleinste Detail geregelt – nur nicht das Leben.“ Dieses Leben mit seinen jeweils persönlichen Bedürfnissen gelte es aber vor allem zu respektieren.
In seinem Berufsleben hat Manfred Kurz vielfältige und ganz unterschiedliche Erfahrungen in der Altenhilfe gesammelt – sei es in WGs, in Pflegeheimen oder in Sozialstationen. Und schon kommt er wieder auf das Thema „Regulierungswut“ zu sprechen: „Es macht Spaß für eine WG tätig zu sein, weil hier nicht ganz so viele Regelungen greifen.“
Weniger Spaß macht es ihm, wenn es plötzlich heißt, dass Hilfe beim Kochen oder beim Putzen unter die Rubrik „Betreuung“ fällt, sodass Alltagsbegleiter dafür nicht mehr qualifiziert seien. Manne Lucha kann also einige Anregungen von seinem Besuch mitnehmen.

