Ausflug
Fantasie im Ferienwaldheim: „Nicht alles ist rosa – aber es glitzert“

Das Ferienwaldheim für die Sieben- bis Elfjährigen war an den Bürgerseen. Ansonsten aber tauchen die Kinder am LUG in diverse Fantasiewelten ab – mit Piraten, Trollen, Einhorn und Feen.

Nadine Haupt ist im Ferienwaldheim für die Hobbygruppen zuständig. Auch an den Bürgerseen sagt sie an, was im Angebot ist - von Floßbauen über Entdeckungstouren bis zum Schmugglerspiel.   Foto: Andreas Volz

Wandern mit Kindern? Was sich nicht für alle nach einem großen Vergnügen anhören mag, ist im Kirchheimer Ferienwaldheim ganz normal. Diesmal war es – rein von der Entfernung her – eher ein größerer Spaziergang: Vom Waldheim-Standort Ludwig-Uhland-Gymnasium (LUG) ging es an die Bürgerseen. Das Wandern war in diesem Fall der Kinder Lust, mit dem Baden dagegen sah es anders aus: „Das ist von der Aufsicht her nicht möglich, im freien Gelände“, sagt Waldheim-Leiter Klaus Onischke. Es gebe zwar „erfreulich wenig Nichtschwimmer“ dieses Jahr, aber Sicherheit geht vor.

Badevergnügen ist trotzdem nicht komplett ausgeschlossen: „Einige Gruppen gehen auch mal ins Freibad. Aber mit der gesamten Truppe wäre auch das zu viel.“ Dabei sind es dieses Jahr deutlich weniger Kinder als sonst: 134 statt wie sonst 160 bis 165. Zwischen sieben und elf Jahre alt sind die Kinder am LUG. „Die Elfjährigen haben wir wählen lassen zwischen LUG und Doschler. Sie sind jetzt ungefähr 50:50 verteilt.“ Grund für die Reduzierung am LUG war die Mitarbeitersituation: Viele langjährige Team-Mitglieder konnten dieses Jahr aus unterschiedlichen Gründen nicht dabei sein.

„Unser Angebot ist jedes Jahr sehr beliebt, und unsere Wartelisten sind lang“, sagt Klaus Onischke über das Waldheim, das die evangelische Gesamtkirchengemeinde veranstaltet. „Wir haben dieses Jahr acht Lebenshilfe-Kinder bei uns, das ist schon fast wieder Vor-Corona-Niveau.“ Zwei dieser Kinder sitzen im Rollstuhl, sie nehmen aber trotzdem aktiv am Geschehen teil – selbst beim Federball sind sie voll integriert. „Sie sind bei ungefähr 70 Prozent unseres Programms dabei. Wir versuchen, so viel wie möglich möglich zu machen.“

Keine Grenzen für die Fantasie

Grenzen sollen im Idealfall gar nicht erst bestehen. Das passt zum aktuellen Thema „Fantasiewelten“: „Der Fantasie sind ja auch keine Grenzen gesetzt“, betont Klaus Onischke. Das konnte er nicht zuletzt selbst erfahren, weil er zunächst skeptisch war, ob dieses Thema sich auch für die Jungs eignet. Immerhin ist die zentrale Figur namens Hans ein Einhorn. „Aber es hat sich gezeigt, dass auch Jungs mit Feenflügeln unterwegs sein können“, freut sich Klaus Onischke über eine eigene Horizonterweiterung.

„Außerdem gibt es auch Riesen, Zwerge, Trolle oder Drachen. Und dann haben wir ja noch Piraten. Es ist also nicht alles rosa bei uns. Aber trotzdem glitzert es gewaltig. Schließlich braucht man auch für den Inhalt von Schatzkisten ziemlich viel Gefunkel.“

Josua steht im Mittelpunkt der biblischen Geschichten – und auch das ist mit dem Thema Fantasie vereinbar. Schließlich führt Josua sein Volk ins gelobte Land, in dem bekanntlich Milch und Honig fließen. Diese Fantasie ist fast zu schön, um wahr zu sein.

Für „Milch und Honig“ ist im Waldheim das Küchen-Team zuständig, und mit diesem Team am LUG, das auch die Gruppe der Älteren im Doschler bekocht, steht und fällt das gesamte Angebot, stellt Klaus Onischke immer wieder fest. Das ist dann wohl auch die einzige Grenze der Fantasie: Ein Ferienwaldheim ohne Küche kann er sich beim besten Willen nicht vorstellen. Generell lobt er alle, die sich ehrenamtlich im Waldheim engagieren: „Da haben wir wirklich ganz tolle Leute.“

Und so weiß er aus Erfahrung, wie das Ferienwaldheim nach zwei Wochen zu Ende gehen wird: „Wir brauchen zum Abschluss immer eine Großpackung Taschentücher – weil alle traurig sind, dass es schon wieder vorbei ist.“