Ausflugstipp
Freilandmuseum Schwäbisch Hall:  Das tägliche Bad gönnen sich nur die Gänse

Für einen Besuch im weitläufigen Hohenloher Freilandmuseum Schwäbisch Hall-Wackershofen muss man Zeit mitbringen – und eher noch einen zweiten Termin einplanen. Es lohnt sich auf jeden Fall.

­­Im „Gasthof zum roten Ochsen“ lässt sich auf mehr als 300 Jahre Wirtshausgeschichte zurückblicken.         Foto: Andreas Volz

Es ist schon sehr idyllisch, wenn sich an einem heißen Sommertag die Gänse nach dem Bad im Teich aufplus­tern. Weidenzäune oder auch ein Ziehbrunnen ergänzen die ländliche Szenerie. Das Hohenloher Freilandmuseum Schwäbisch Hall-Wackers­hofen erzählt Geschichten, die mit seinen Gebäuden verbunden sind – und mit den Menschen, die einst darin gelebt haben. Und schon gibt es einen Vergleich zu den Gänsen: Den Luxus des regelmäßigen Badens gab es früher eher nicht. Deshalb ist der „Käshof“ aus Käsbach bei Crailsheim, in dem sich ein eigenes Bad befindet, das größte Wohngebäude auf dem gesamten, weitläufigen Museumsgelände.

Mutige Hofbesitzer

Spannend ist auch die Geschichte der Bewohner des Käshofs gegen Ende des Zweiten Weltkriegs: Die damaligen Hofbesitzer, Gottlieb und Wilhelmine Kaiser, haben Verfolgten des NS-Regimes Unterschlupf gewährt – unter Einsatz des eigenen Lebens. Die Geschichte kam ans Licht, als der Hof Anfang der 1990er-Jahre an seinem eigentlichen Standort abgebaut wurde. „Zum Glück gab es noch Zeitzeugen, die man befragen konnte“, sagt Museumsleiter Michael Happe. Wer sich in diesen Teil der Geschichte vertiefen möchte, kann also noch die Originalstimmen der Zeitzeugen hören.

Es ist aber eine Grundsatzfrage, die sich allen Besuchern des Freilandmuseums in Wackershofen stellt: Geht es um eine möglichst große Übersicht über alle einzelnen Museumsbereiche, oder geht es darum, einige wenige Geschichten im Detail zu erfassen? Um es vorab zu sagen: Wer fast alle Häuser einmal von innen sehen will, braucht mehr als einen Tag.

„Träger unseres Museums ist ein gemeinnütziger Verein“, gibt Michael Happe Einblicke in die Geschichte des Museums. Mitglieder des Vereins sind unter anderem die Stadt Schwäbisch Hall, ebenso der Landkreis Schwäbisch Hall sowie der Hohenlohekreis und der Landkreis Heilbronn. 1978 wurde der Verein gegründet, und 1983 wurde das Freilandmuseum eröffnet – mit damals 13 Gebäuden. „Über die Jahre hinweg hat sich das Museum entwickelt“, meint Michael Happe in bescheidener Zurückhaltung. „Wir sind angewachsen auf knapp 80 Gebäude.“ Die 45 Hektar Fläche rechnet er um in ungefähr 60 Fußballfelder.

Eine Besonderheit in Wackers­hofen: Die Gebäude des Weidnerhofs mussten nicht abgebaut werden. Sie standen immer schon an derselben Stelle. Der Weidnerhof ist also nicht nur Teil des Freilandmuseums, sondern auch ein Teil von Wackershofen.

An den Weidnerhof schließt sich das Hohenloher Dorf an, das Herzstück des Museums. Dort stehen die meisten Gebäude, und auch einige der stattlichsten. Da wäre das Gasthaus „Zum roten Ochsen“, das auch als Museumswirtschaft dient. Gegenüber ist ein altes Schulhaus zu finden. Es gibt ein Handwerkerhaus und mehrere Bauernhäuser. Einige kleinere Häuschen geben Einblicke in das Leben von Armen und Tagelöhnern, und selbst ein „Stationsgefängnis“ darf nicht fehlen.

Zwielichtige Gestalten

Das Steigengasthaus führt in einen besonders ländlichen Bereich: Um die Steige besser bewältigen zu können, waren die Kutscher einst auf Pferde für den Vorspann angewiesen. Es gab außer der Gastwirtschaft auch Gäs­tezimmer und sogar einen Tanzsaal. Das „Geigenständle“ im Saal war der angestammte Platz der Musiker. Weil das Haus sehr abgelegen war und sich so der regelmäßigen Kontrolle der Obrigkeit entziehen konnte, gab es dort viele Legenden über zwielichtige Gestalten.

Sonntägliches Ausflugsziel

Gegenüber liegt das „Mühlental“, und von dort geht es weiter ins Weinbauerndorf, zu dem auch eine Besenwirtschaft gehört. Die „Waldberge“ bieten außer dem „Käshof“ eine Kapelle, ein Forsthaus sowie den „Sommerkeller“. Dort gibt es Bier, wie es sich für solche Keller gehört, in denen Bier mithilfe von Eis gekühlt lagern konnte. Einst waren die Keller beliebte sonntägliche Ausflugsziele.

Die Abteilung „20. Jahrhundert“ befindet sich im Aufbau. Dort steht eins der ersten Fertighäuser. Ein Badezimmer und ein gesondertes WC im Erdgeschoss waren da schon selbstverständlich. Gegenüber befindet sich eine Wohnbaracke aus derselben Zeit, die aber bis in 21. Jahrhundert hinein bewohnt war. Dort gibt es noch kein WC, dafür aber ein Klohäuschen als separaten Anbau – nur von außen zugänglich. In Bälde kommt eine „Gemeinschaftsgefrieranlage“ hinzu, ein weiteres interessantes Kapitel der Nachkriegszeit.

Die „Technikabteilung“ wartet mit einem alten Bahnhof auf, der außerhalb des Museumsgeländes liegt. Der Traum, dieses Gebäude als richtigen Bahnhof für das Museum nutzen zu können, hat sich bislang aber nicht erfüllt, bedauert der Museumsleiter: „Wir sind froh, dass wir einen direkten Bahnanschluss haben. Aber leider hat uns die Bahn nur einen modernen Haltepunkt zugestanden.“

Dafür gibt es noch eine Außenstelle des Feuerwehrmuseums Schwäbisch Hall, was alleine schon einige Zeit in Anspruch nimmt. Lohnenswert ist schließlich noch die Beschäftigung mit einem ganz anderen Kapitel der Geschichte: Zwischen der Feuerwehrhalle und dem Museumseingang liegt die Zwangsarbeiter-­Baracke einer ehemaligen Fassfabrik. An einem heißen Sommertag fällt der Besuch dort nur kurz aus – weil die Luft zu stickig ist. Dieses Gebäude gibt also einen beklemmend authentischen Einblick in das Leben seiner Bewohner.

 

Wissenswertes zum Freilandmuseum

Das Hohenloher Freilandmuseum Schwäbisch Hall-Wackershofen hat vom 15. März bis zum 30. April sowie vom 1. Oktober bis zum 15. November jeweils dienstags bis sonntags von 10 bis 17 Uhr geöffnet. In der Hauptsaison vom 1. Mai bis zum 30. September schließt das Museum erst um 18 Uhr.

Zu erreichen ist das Freilandmuseum per Auto, wobei sich für das Navi nicht die eigentliche Anschrift, Dorfstraße 53, empfiehlt. Das Ziel „Moorwiesenweg“ führt direkt auf den Parkplatz. Von diesem Parkplatz aus lässt sich der Eingang zum Museum erreichen, indem man die Bahnlinie unterquert.

Per Bus und Bahn geht es ebenfalls ins Freilandmuseum: Beim Stadtbus ist die Linie 7 zu nehmen. Per Zug wird die Haltestelle „Wackershofen-Freilandmuseum“ von Zügen aus Schwäbisch Hall, aus Heilbronn und aus Crailsheim angefahren.

Essen und Trinken: Es gibt den Museumsgasthof „Zum roten Ochsen“. Er hat mittwochs bis sonntags von 12 bis 23 Uhr geöffnet, die Küche bis 20 Uhr. Der Sommerkeller in den „Waldbergen“ steht den Besuchern normalerweise samstags und sonntags von 10 bis 18 Uhr zur Verfügung. Die Besenwirtschaft im Weinbauerndorf schenkt sonntags Getränke aus und bietet Vesper an.

Tische und Bänke gibt es auf dem gesamten weitläufigen Gelände, sodass auch das eigene Vesper dort verzehrt werden kann. Im Sommer empfiehlt es sich vor allem unter der Woche, Obst mitzubringen. Die Wege sind mitunter weit, sodass man ziemlich durstig sein kann, bevor der „rote Ochsen“ die rettende Labung verheißt.

Spielgeräte für Kinder sind auf dem Gelände ebenfalls vielfach vorhanden. Bei einer Ruhepause haben also auch die kleineren Museumsbesucher ihren Spaß.

Bollerwagen stehen am Eingang bereit. Ob es nun Rucksäcke oder müde Kinder sind – sie lassen sich bequem und rückenschonend über das Museums-Areal ziehen.

Tiere finden sich auf dem gesamten Gelände. Gänse und Hühner bewegen sich einigermaßen frei zwischen den Gebäuden. Außerdem gibt es – teils in Ställen, teils auf abgezäunten Weiden – Schwäbisch-Hällische Landschweine, Limpurger Rinder, Coburger Fuchsschafe und Bunte Deutsche Edelziegen.

Zahlreiche Veranstaltungen gibt es die ganze Saison über. Was 2024 noch ansteht, ist die Veranstaltung „Anno Domini 1734“. Am Samstag und Sonntag, 31. August und 1. September, heißt es von 11 bis 18 Uhr „Die Post ist da“. Am letzten Wochenende im September steht das Backofenfest an. Lichterspiele gibt es am Samstag, 26. Oktober, von 18 bis 23 Uhr unter dem Stichwort „Nachts im Museum“. Am 9. und 10. November feiert das Museum Schlachtfest. Zum Abschluss der Saison bieten am 23. und 24. November Handwerker auf dem „Vorweihnachtlichen Markt“ ihre Waren feil.

Der Eintritt beträgt 12 Euro für Erwachsene. Wer Anspruch auf Ermäßigung hat, zahlt 10 Euro. Die Familientageskarte kostet 25 Euro.   vol