Keine sechs Wochen mehr, dann hätte es eigentlich in vollem Gange sein sollen – das 35. Kirchheimer Weindorf auf dem Rollschuhplatz. Wie es wirklich kommt, steht aktuell noch nicht fest. Nur eins ist sicher: Der Rollschuhplatz steht nicht zur Verfügung, einerseits wegen der Baustelle des neuen Verwaltungsgebäudes und andererseits wegen der Baustelleneinrichtung. Am Traditionsstandort wäre es derzeit sogar schwierig, auch nur einen einzigen Bistrotisch aufzustellen.
Was gibt es an Alternativen? Zunächst einmal sehr viele: Kirchheims Oberbürgermeister Pascal Bader nennt auf Nachfrage den Ziegelwasen,
den Freihof, den Postplatz, den Schlossplatz oder den Rossmarkt. Sogar bemerkenswert unkonventionelle Vorschläge waren im Gespräch – die Alleenstraße zwischen Altem Haus und Hindenburgstraße zu sperren und dort die Weinlauben aufzubauen.
Aus unterschiedlichsten Gründen wurden alle diese Alternativen der Reihe nach wieder verworfen. Pascal Bader nennt den springenden Punkt fürs Weindorf: „Es braucht ja eine gewisse Größe und eine gewisse Dauer.“ Wichtig sei auch die Nähe zum Sommernachtskino, das normalerweise zeitgleich auf dem benachbarten Martinskirchplatz beginnt. Beide Veranstaltungen treten nicht wirklich in Konkurrenz zueinander, sondern befruchten sich eher noch gegenseitig.
Gerade diese Nähe zur Parallelveranstaltung, aber auch zur Innenstadt allgemein würde bei den verbleibenden Alternativstandorten fehlen: auf dem Güterbahnhofsgelände oder aber an der Hahnweide. Nur eine Möglichkeit verbleibt demnach: der Marktplatz. Der würde räumlich passen, allerdings gibt es dabei eine Schwierigkeit mit der Zeit. Das Stichwort, auf das der Oberbürgermeister verweist, heißt „Freizeitlärmrichtlinie“. Demnach gibt es nur eine bestimmte Anzahl von Tagen im Jahr, an denen öffentliche Veranstaltungen wie das Weindorf auf gewissen Plätzen möglich sind.
Weil der Marktplatz aber auch für viele andere Events genutzt wird, bleiben auf dem „Freizeitlärmrichtlinien-Konto“ für 2024 nur noch neun Tage übrig. Für Pascal Bader ist klar, dass es die Reduzierung der Zeitdauer auf die Hälfte der sonst üblichen 18 Tage nicht einfacher macht für das Weindorf. Andererseits hofft er, dass sich die Details in den Gesprächen zwischen Stadtverwaltung und Weindorf-Betreiber Robert Ruthenberg noch klären lassen – zur Zufriedenheit aller Beteiligten: „Ich fände es gut, wenn’s funktioniert. Es wäre wirklich schade, wenn wir dieses Jahr komplett auf das Weindorf verzichten müssten.“
An diesem Punkt ist sich der Oberbürgermeister definitiv einig mit Robert Ruthenberg. Um weitere Einigung zu erzielen, sind aber noch diverse Verhandlungen nötig – über das Security- und Sicherheitskonzept beispielsweise, über die Standorte von Containern oder von Toiletten, und über die genaue Terminierung. An den Terminen sind schließlich auch die Nachbarn interessiert – und die Marktbeschicker, die während des Weindorfs und während des Auf- und Abbaus auf ihre gewohnten Standorte verzichten müssten. Da kommt es sogar auf die einzelnen Wochentage an.
„Wir brauchen die Innenstadt“
Für Robert Ruthenberg steht fest: „Wir brauchen die Innenstadt fürs Weindorf. Am Güterbahnhof oder an der Hahnweide könnte es vielleicht am Wochenende einigermaßen laufen, aber nicht unter der Woche.“ Insofern bleibt als einzige Alternative der Marktplatz. Sollten die übrigen Bedingungen passen, wäre Robert Ruthenberg bereit, in den sauren Apfel zu beißen und die verkürzte Zeitdauer in Kauf zu nehmen.
Klar ist aber auch: Es wird kein Weindorf geben, wie es die Gäste vom Rollschuhplatz gewöhnt sind: „Wir würden Lauben aufbauen, aber nicht in dem Umfang wie sonst.“ Das würde sich wegen ein paar vergleichsweise weniger Tage nicht lohnen. Ob mehrheitlich Zelte oder Sonnenschirme gegen Wind und Wetter schützen sollen, würde sich dann noch zeigen. Jedenfalls dürfte der Erfolg eines verkürzten Weindorfs auf dem Marktplatz sehr stark vom Wetter abhängig sein.
Wie auch immer das Experiment ausgeht, es wird richtungsweisend sein für die nähere Zukunft des Weindorfs: Frühestens 2026 könnte der Rollschuhplatz wieder zur Verfügung stehen.

