Es ist vollbracht: Das Kirchheimer Weindorf konnte am Donnerstag tatsächlich auf dem Rollschuhplatz eröffnet werden. Und wer dort einen Sitzplatz ergattert, merkt auch nichts von einer Baustelle. Selbst der Kran, der im Anschluss ans Weindorf doch noch für den Neubau des Verwaltungsgebäudes benötigt wird, ist so gut „umbaut“ worden, dass er wirkt, als gehöre er schon immer zum Weindorf.
Wer allerdings so lange auf dem Rollschuhplatz sitzen bleibt, dass die Gefahr besteht, schon leicht einen sitzen zu haben, der sei gewarnt: Grüne Teppiche kaschieren zwar den Schotterbelag, aber nur fürs Auge und auch nur oberflächlich. Darunter lauern Gefahren, sollte man nicht mehr ganz trittfest sein: Der Fuß lässt sich eben nicht so leicht täuschen wie das Auge. Er spürt jede Unebenheit.
Das Wunder vom Rollschuhplatz
Oberbürgermeister Pascal Bader schaute zur Eröffnung des Weindorfs aber nur auf das Ergebnis – und das kann sich wirklich sehen lassen. „Gestern Baustelle – heute Weindorf“, sagte er über das Wunder, das die Wirte Robert Ruthenberg und Marius Tim Schlatter gemeinsam mit ihren Teams auf dem Rollschuhplatz gewirkt haben. „Ihr habt das super toll hinbekommen.“
An einen anderen Weindorf-Wirt wollte er aber auf jeden Fall auch noch erinnern: „Michael Holz war über viele Jahre hinweg ,Bürgermeister’ des Weindorfs, in unserem ,fünften Kirchheimer Teilort’.“ Das Amt dieses speziellen Bürgermeisters auf Zeit ist aber mit dem Tod des Amtsinhabers erst einmal erloschen. Die Amtskette wurde deshalb auch nicht neu überreicht. Wer sich aber an Weindorfwirt Micha erinnern möchte, hat dazu in der Weindorfzeitung ausreichend Gelegenheit: 16 Fotos zeigen ihn mit allerhand Wegbegleitern – gleich auf der ersten Seite nach dem Deckblatt, die betitelt ist mit „In Gedenken an Micha Holz“.
Ganz in seinem Sinne ist es mit Sicherheit, dass es jetzt – nach einem baustellenbedingten Interimsjahr auf dem Marktplatz – wieder ein Weindorf auf dem Rollschuhplatz gibt. Ebenfalls im Sinne von Michael Holz dürften die Worte sein, mit denen Oberbürgermeister Bader den Zweck des Weindorfs aus seiner Sicht zusammengefasst hat: „Es tut uns allen gut, hier zusammenzukommen und Gemeinschaft zu genießen.“


















Dass zusätzlich auch Wein und Speisen zu genießen sind, gehört selbstverständlich dazu. Pascal Bader lobte deshalb auch das gesamte Rahmenprogramm einschließlich Gourmetsonntagen und Getränkeverkostungen – bei denen es sich nicht ausschließlich um Wein handeln muss.
Lieber keinen Kirchheimer Wein
Die Tradition des Weinanbaus in Kirchheim verortete der Oberbürgermeister bis ins beginnende Hochmittelalter. Allerdings erinnerte er zur Qualität des Kirchheimer Weins auch an die Barockzeit, indem er Herzogswitwe Magdalena Sibylla von Hessen-Darmstadt erwähnte, die im Kirchheimer Schloss lebte und darum bat, doch lieber Wein aus dem Remstal zu erhalten.
Seine Schlussfolgerung: „1905 endete der Weinbau in Kirchheim. Und vielleicht ist das auch ganz gut so.“ 1989 dafür gab es bereits ein Wochenende lang das erste Kirchheimer Weindorf – und deshalb rief Pascal Bader den Besuchern 36 Jahre später zu: „Genießen Sie das Weindorf, und verbinden Sie es vielleicht mit einem Stadtbummel oder mit einem Besuch im Sommernachtskino.“

