Kirchheim. So viel Einigkeit gibt es nicht bei jedem Thema im Kirchheimer Gemeinderat: Wer auch immer zur Verschiebung des Hallenbadneubaus das Wort ergriffen hat – immer war großes Bedauern herauszuhören, Bedauern darüber, dass es keine andere Möglichkeit gibt, als auf bessere Zeiten zu warten. Mittelfristig jedenfalls ist das Projekt baden gegangen. So viel zumindest war allen klar. Viel Lob gab es auch für das Hallenbad der Gemeinde Dettingen.
Den Anfang machte SPD-Stadtrat Stefan Gölz, der konstatierte: „Immer waren die Zeiten schwer und die Aufgaben enorm. Aber jetzt stellen wir hier gemeinsam fest, wie hoch die Hürden für ein neues Hallenbad sind.“ Immerhin stehe den Kirchheimern seit 2011 das Dettinger Hallenbad zur Verfügung: „Dettingen hat in diese Immobilie werterhaltend investiert. Deshalb ist dem Bad jetzt auch die volle Funktionalität bescheinigt worden.“
Sabine Lauterwasser (Grüne) sprach sich ebenfalls für die weitere Kooperation mit Dettingen aus: „Wenn wir am Standard des Neubaus so viele Abstriche machen, dass wir vielleicht doch noch die Mittel dafür hätten, dann würde er kaum größer ausfallen als das Dettinger Hallenbad.“ Jetzt gehe es darum, der Realität ins Auge zu sehen und das eigene Hallenbad in eine Art Winterschlaf zu versetzen. Dann heiße es: „Abwarten und vorbereitet sein.“
Seitens der FDP/KiBü beklagte Jens Hildebrandt die „Versäumnisse der Vergangenheit“, weil Kirchheim jahrzehntelang nicht ins Hallenbad im Paradiesle investiert habe. Beim Hallenbad gehe es um mehr als nur ums Schwimmen, es erfülle auch eine wichtige soziale Funktion. „Dass ein neues Hallenbad im Augenblick finanziell nicht darstellbar ist, darf deshalb nicht das Ende der Überlegungen sein.“ Er regte folglich eine Überdachung des Freibads an.
„Leider können auch wir derzeit einem Hallenbad-Neubau nicht zustimmen“, meinte Natalie Pfau-Weller (CDU). „Angesichts der Finanzsituation wäre das verantwortungslos, weil es zu große Einschränkungen an anderer Stelle mitbringen würde.“ Den Vertrag mit Dettingen zu verlängern, sei die richtige pragmatische Lösung.
Für die Freien Wähler spendete Ulrich Kübler „ein großes Lob an die Gemeinde Dettingen“, deren Hallenbad „gut in Schuss“ sei. Er machte auf das generelle Phänomen aufmerksam, dass Projekte der Stadt meistens viel länger dauern als gedacht, bis sie auch tatsächlich umgesetzt seien. Zudem seien sie bis dahin oft auch doppelt so teuer als anfangs angenommen. Gleichfalls generell sprach er eine Empfehlung an die Kommunalpolitik aus: „Ein Hallenbad taugt nicht für einen Wahlkampf“ – ob es nun um eine Oberbürgermeisterwahl gehe oder um eine Gemeinderatswahl.
Wird es gar nichts mehr?
Deutlich desillusioniert stellte Gerd Mogler (CIK) die rhetorische Frage: „Schaffen wir es 2035, schaffen wir es 2040?“ Seine Antwort klang noch sehr viel mehr nach Resignation: „Ich persönlich glaube nicht mehr daran, dass wir überhaupt noch ein Hallenbad stemmen können.“
An dieser Stelle griff Oberbürgermeister Pascal Bader noch einmal in die Diskussion ein: „Auch wenn sich das Projekt vorerst nicht umsetzen lässt, wollen wir es dadurch nicht für alle Zeiten beerdigen.“ Der Möglichkeit, einen Teil des Freibads zu überdachen, erteilte er aber dennoch eine klare Absage: „Das hat aus unserer Sicht keinen Sinn.“ Es würde nur Unmengen an Heizenergie verbrauchen, und außerdem gäbe es auch gar keine Umkleiden. Wenn es funktionieren sollte, müsste die Stadt über beide Becken ein Dach bauen – zuzüglich Umkleidetrakt. Das wäre dann ja in etwa das Hallenbad, für das kein Geld zur Verfügung steht.

