Halbzeit im Sommernachtskino: Wenn sich am Dienstag, 19. August, die Dinosaurier aus der „Jurassic World“-Reihe auf der Leinwand tummeln, sind bereits zwölf Kino-Abend auf dem Kirchheimer Martinskirchplatz vergangen. Zwölf weitere folgen noch, bis zum Abschlusstag am 31. August. Kino-Betreiber Reimund Fischer zeigt sich hochzufrieden mit dem bisherigen Verlauf – kein Wunder, gab es doch seit dem Eröffnungsabend keinen einzigen Regentropfen, der seine Gäste vom Kino-Besuch abgehalten hätte. Im Gegenteil: In den Abendstunden vor Filmstart war es an manchen Abenden beinahe zu heiß. Aber in diesem Fall gibt es ja die Möglichkeit, sich in den kühlenden Schatten des Gastronomie-Bereichs hinter der Kirche zurückzuziehen.
Die Kirche ist aus allen Nähten geplatzt.
Reimund Fischer über den großen Erfolg des „Kinder-Kirche-Kino“-Festivals
„Der Vorverkauf boomt“, freut sich Reimund Fischer über den Erfolg des Filmprogramms – auch wenn damit manchmal schmerzliche Erfahrungen für besonders spontane Filmfans verbunden sind: Beim „Pinguin meines Lebens“ musste das Sommernachtskino-Team etliche Gäste, die sich an der Abendkasse angestellt hatten, ohne Ticket wieder nach Hause schicken. Wer also einen bestimmten Film unbedingt sehen möchte und für den entsprechenden Abend auch die richtigen Wetteraussichten erwartet, tut gut daran, sich rechtzeitig im Vorfeld eine Karte zu sichern.
Beim Aufzählen der Filme, die besonders hoch in der Publikumsgunst standen und stehen, tut sich Reimund Fischer schwer. Er könnte fast jeden Film nennen. Aber ein Beispiel zeigt, wie wenig es mitunter auf den jeweiligen Film ankommt: Erst seit Freitagabend steht fest, was zum „Best of Summer“-Abend am Donnerstag, 28. August, gespielt wird – die Filmkomödie „Alter weißer Mann“. Trotzdem waren zu diesem Zeitpunkt bereits 41 Tickets online verkauft. „Wenn die Leute Karten kaufen, ohne zu wissen, welcher Film läuft, ist das für unser gesamtes Sommernachtskino-Team eine ungeheuer große Motivation, auch in den nächsten Jahren so weiterzumachen wie in den vergangenen 23 Jahren“, sagt er.
Was ihn – unabhängig von den Abendterminen – wieder vollauf begeistert hat, ist der Zuspruch der kleinen Gäste beim „Kinder-Kirche-Kino“-Festival: „Da war die Martinskirche an beiden Tagen proppenvoll, die Kirche ist aus allen Nähten geplatzt. Und bei der anschließenden Führung mit Kirchturmbesteigung, die Pfarrer Maier angeboten hat, haben manche Kinder fast eine Stunde lang geduldig gewartet, bis sie an der Reihe waren – weil wir gar nicht alle gleichzeitig mit auf den Turm nehmen können.“
Die „Heldin“ im Gottesdienst
Kirche und Kino ergänzen sich ohnehin perfekt in Kirchheim – nicht nur wegen der Alliteration: Zur Sommernachtskino-Tradition gehört der ökumenische Gottesdienst auf dem Martinskirchplatz, an dem einer der gezeigten Filme im Mittelpunkt steht. Vikar Daniel Haardt hat am Sonntag über den Film „Heldin“ gepredigt und die Krankenpflegerin Floria Lind mit dem Superhelden James Bond verglichen: „Bond bewahrt immer sein perfektes Äußeres, in allen Situationen. Seine Technik ist immer auf dem neuesten Stand. Er ist auf fast jede Lage vorbereitet und strahlt eine ansteckende Sicherheit aus. Nie ist er ernsthaft überfordert oder ratlos.“
Ganz anders Floria Lind, die im Gegensatz zu James Bond zunächst eher wie eine Anti-Heldin aussieht: „Sie hat keine große Kulisse für ihre Heldentaten. Die spielen sich eher im Verborgenen ab. Eine High-Tech-Ausrüstung ist zwar vorhanden – aber nur, wenn es die Kasse auch übernimmt. Die Last durch die ständige Überforderung und das Wissen, niemals allen gerecht werden zu können, zermürbt sie. Und trotzdem ist sie immer für alle da – manchmal mit Worten, manchmal einfach mit ihrer Gegenwart und manchmal mit dem passenden Lied.“ Auch wenn sie oft am Rand der Verzweiflung ist, bleibe „eine leise, aber spürbare Selbstsicherheit“. Das ist dann doch eine gewisse Parallele zu James Bond.
„Sinn, Wertschätzung, Trost“
Und doch bleiben die großen Unterschiede: James Bond als strahlender Leinwandheld, Floria Lind als „reale Heldin des Alltags“. Für James Bond gebe es Lob und Anerkennung von höchster Stelle, für Floria Lind oft nicht einmal ein „Danke“. Der Lohn sei eben mehr als nur Geld: „Es geht um Sinn, um Wertschätzung, um Trost.“
Die öffentliche Wertschätzung hat seit dem kollektiven Beifallklatschen zu Beginn der Corona-Zeit wieder deutlich nachgelassen. Auf dem Martinkirchplatz gab es erneut Beifall – für alle Pflegekräfte, die zum Gottesdienst gekommen waren und für deren Perspektive es noch eine zusätzliche Gesprächsrunde gab.
Nach der Seele geht’s um den Leib
War durch Gottesdienst also für die Seele gesorgt, ging es im Anschluss auch noch um den Leib: Beim Weißwurstfrühstück gab es die Gelegenheit, über den Film, über den Gottesdienst, über das Leben, über das Kino und über alle möglichen weiteren Themen ins Gespräch zu kommen.

Die Frage, die in den nächsten beiden Jahren interessiert, lässt noch nicht endgültig beantworten: Es ist die Standortfrage, denn die Baustelleneinrichtung zur Sanierung des Kornhauses belegt in den kommenden beiden Sommern so viel Fläche des Martinskirchplatzes, dass es für das Sommernachtskino definitiv eine Ausweichfläche braucht. Um eine klare Antwort ist Reimund Fischer – wie so oft – nicht lange verlegen: „Es gibt auf jeden Fall einen Ersatzstandort in Innenstadtnähe. Wir sind noch am Abklären, welche von mehreren Möglichkeiten die sinnvollste sein könnte.“ Was ihn aber besonders freut, ist die aktuelle Saison, die schon zur Halbzeit Besucherzahlen wie selten aufweisen kann: „Das ist ein schöner Abschluss, wenn es heißt, bis 2028 Abschied vom Martinskirchplatz zu nehmen.“

