Zehn Menschen müssen es sein, damit im Judentum ein Minjan entsteht – das religiöse Quorum, das ein gemeinsames Gebet erst ermöglicht. Beim Benefizkonzert im Steingauzentrum wurde aus diesem Prinzip Musik: Zehn junge Musikerinnen und Musiker aus Israel standen als Jazzensemble „Minyan“ auf der Bühne. Veranstaltet wurde der Abend von der Jakob-Friedrich-Schöllkopf-Schule (JFS) und der Evangelischen Freikirchlichen Gemeinde (EFG) Kirchheim.
Das Ensemble besteht aus Jugendlichen der 11. Klasse der Thelma Yellin High School of the Arts in Giv’atayim bei Tel Aviv. Die Nachwuchsmusiker werden dort in der Jazz-Klasse des renommierten Posaunisten und Musikpädagogen Yossi Regev ausgebildet. Ihr rund 90-minütiges Programm hatten sie selbst erarbeitet. Auch die Arrangements und etliche Eigenkompositionen stammten von ihnen.
Uptown Funk als Opener
„Minyan“ eröffnete den Abend mit einem eigenen Arrangement von „Uptown Funk“, das den Charakter des bekannten Songs mitreißend auf den Punkt brachte. Die beiden Sänger erwiesen sich als souveräne Frontmänner und versierte Crooner. Das Ensemble bewegte sich mit großer Selbstverständlichkeit zwischen Funk, Soul, Latin und Modern Jazz. Dabei reichte der Klang vom kammermusikalisch-intimen bis zum kraftvollen Big-Band-Sound, geprägt von raffinierten Bläsersätzen, reichen Klangfarben und rhythmischer Präzision. Besonders überzeugend war die Fähigkeit der jungen Musiker, Bekanntes nicht einfach nachzuspielen, sondern sich musikalisch anzueignen: Steely Dans „Only a Fool Would Say That“ erschien in seinem lässig-coolen Jazzgewand beinahe wie ein neues Stück. Zahlreiche, teils virtuose Soli ließen aufhorchen. Bei aller technischen Souveränität überwog stets die Spielfreude – das Publikum dankte den israelischen Gästen mit stehenden Ovationen.
Seit 2008 pflegt die Jakob-Friedrich-Schöllkopf-Schule einen Schüleraustausch mit der Thelma Yellin High School. Dass der Austausch unter den gegenwärtigen Bedingungen fortbesteht, sei keineswegs selbstverständlich, betonte Kirchheims Oberbürgermeister Dr. Pascal Bader. Seit dem 7. Oktober 2023 seien Kontakte nach Israel schwieriger geworden – umso wichtiger seien persönliche Begegnungen. Auch Günter Öhrlich, Pastor der EFG Kirchheim, verwies auf die verbindende Kraft der Musik: „Dort, wo Menschen sich begegnen, entstehen neue Sichtweisen.“
Der Erlös des Konzerts ging an das im Steingauzentrum beheimatete Café Hope. Dreimal in der Woche bietet der gemeinnützige Verein einen Mittagstisch an. Doch das Café bietet noch mehr: Rund 50 Ehrenamtliche finden dort Gelegenheit, Verantwortung zu übernehmen und Gemeinschaft zu stiften.

