Halbzeit
Kino erfüllt die Erwartungen lückenlos

Das Publikum nimmt die Alleenschule als Ersatzstandort des Kirchheimer Sommernachtskinos gut an. Die lauen Abende sorgen zusätzlich dafür, dass fast immer alle Plätze belegt sind.

„Volles Haus“ auf dem Schulhof der Kirchheimer Alleenschule: Nicht nur wie hier am Eröffnungsabend zeigt sich dieses Bild im Som
„Volles Haus“ auf dem Schulhof der Kirchheimer Alleenschule: Nicht nur wie hier am Eröffnungsabend zeigt sich dieses Bild im Sommernachtskino fast vier Wochen lang in schöner Regelmäßigkeit. Foto: Andreas Volz

Was der Vegetation schadet, kommt dem Sommernachtskino bislang zugute: Die Hitze sorgt für angenehme Temperaturen bis weit nach Mitternacht, und auch die Trockenheit beschert dem Film-Festival auf dem Schulhof der Alleenschule hohe Besucherzahlen. Insofern fällt die Halbzeitbilanz aus der Sicht des Kino-Teams ausgesprochen positiv aus. An bislang 14 von 27 Kino-Abenden waren bislang weder Jacken und Decken noch Regenponchos oder -schirme notwendig. Die wenigen Regentropfen am vergangenen Samstag hat das Publikum eher als willkommene Erfrischung empfunden.

Kino-Betreiber Reimund Fischer bringt es scherzhaft auf den Punkt: „Die Regencapes verstauben bei uns im Büro.“ Das könnte sich in den abschließenden zwei Wochen zwar ändern, weil jetzt immer wieder auch Regen angesagt ist – allerdings selten in den ganz großen Mengen.

Große Mengen ganz anderer Dinge gab es dagegen zu zwei besonderen Anlässen: Bei der Fortsetzung von „Der Teufel trägt Prada“ sahen sich die Mitarbeiter des Cocktailstands einer „Dauerbelagerung“ gegenüber, waren doch am Eingang Gutscheine für ein kostenloses Mix-Getränk verteilt worden. Selbst Menschen, die mit dem bitteren Geschmack nichts anfangen konnten, stellten sich in die lange Schlange.

Ein ähnliches Bild jetzt am Sonntag, beim kostenlosen Weißwurstfrühstück nach dem ökumenischen Gottesdienst zum Film: Die „Speisung der Vierhundert“ ging vor allem dadurch auf, dass Pfarrer Jochen Maier erklärt hatte, dass es für jeden genau eine Weißwurst gibt, und dadurch, dass keine Selbstbedienung herrschte – die in den Vorjahren nicht immer zur gebotenen Selbstbeherrschung geführt hatte.

Suche nach der richtigen Rolle

Im Mittelpunkt des Gottesdiensts stand die Rückschau auf den Film „Ach, diese Lücke, diese entsetzliche Lücke“. Die Lücke im Leben des Schauspielschülers Joachim entsteht durch den Unfalltod seines Bruders. Nicht nur auf der Bühne sucht Joachim danach seine Rolle, hieß es im Gottesdienst. Aus der Situation Joachims, der mit seinem Weg immer wieder überfordert ist, leiteten Iris Sönning und Paul Kohnle in ihrer Predigt das allgemein-menschliche Problem ab, Ansprüchen und Erwartungen genügen zu wollen und müssen. Auch Rollenbilder spielen dabei eine große Rolle – innere und äußere, eigene und fremde.

Letztlich gehe es darum, die Lücken und Leerstellen selbst zu füllen, indem man die Erwartungen zwar allesamt reflektiert, aber eben nicht allesamt erfüllt. Sein, wie man ist, und authentisch leben, darauf komme es an: kein falsches Abarbeiten an falschen Rollen, und auch kein Übertünchen von Unzulänglichkeiten durch Überschwenglichkeit.

Vorverkauf wird immer besser

Im Überschwang, aber ohne jede Notwendigkeit, irgendetwas zu übertünchen, berichtet Reimund Fischer zur Halbzeit vom „besten Vorverkauf aller Zeiten“. Der Trend geht also dazu, sich die begehrten Tickets rechtzeitig im Vorverkauf zu sichern. Die Plätze sind zwangsläufig begehrter, weil durch den Standortwechsel eine Verknappung stattgefunden hat: Solange die Baustelleneinrichtung des Kornhauses den Martinskirchplatz belegt, muss die große Fangemeinde des Sommernachtskinos am Ersatzstandort mit 200 Plätzen weniger zurechtkommen. Voller Lob ist Reimund Fischer über die Zusammenarbeit mit der Stadt Kirchheim und mit dem Team der Alleenschule.

Das laufe ebenso „toll, unkompliziert und zuvorkommend“ wie mit der Kirchengemeinde, denn nicht nur mit dem Gottesdienst zum Film arbeiten Kino und Kirche eng zusammen. Auch das Programm „Kinder-Kirche-Kino“ hat sich fest etabliert: „Da haben wir vor ein paar Jahren mit 15 Kindern angefangen“, sagt der Kino-Betreiber, „und jetzt war die Martinskirche proppenvoll. Da waren locker über 300 Kinder da.“

Im Sommernachtskino bleiben demnach keine Lücken offen, schon gar keine entsetzlichen: Der Schulhof ist fast immer voll belegt. Das gilt nicht nur für den unverwüstlichen Eberhofer, sondern auch für Wiebke Lühmann, die am Mittwoch, 19. August, ihren Reisefilm „Same Sun – Mit dem Fahrrad durch Afrika“ persönlich vorstellt.