Großer Bahnhof in Kirchheim: Gleich zwei Minister waren am frühen Morgen in den Freihof gekommen, um sich über das Pilotprojekt „Schulstraße“ zu informieren. Vielleicht könnte sich die Wollmarktstraße sogar in eine „Schulzone“ verwandeln. Der Unterschied: Die Schul-Straße ist zu gewissen Uhrzeiten für den Autoverkehr gesperrt – Schulbeginn, Mittagszeit und Schulende. Die Schul-Zone dagegen bleibt dauerhaft tabu für motorisierte Fahrzeuge. Ausnahme: Der Anlieger-, erst recht aber der Anwohnerverkehr bleibt auch in der Schulzone erlaubt.
Baden-Württembergs Verkehrsminister Winfried Hermann (Grüne) sprach von einem generellen Problem: „Im ganzen Land entstehen häufig gefährliche Situationen vor Schulen.“ Das liegt aber weniger am „normalen“ Durchgangsverkehr als vielmehr an den „Eltern-Taxis“ – wobei die Situation dem Verkehrsminister einigermaßen absurd vorkommt: „Eltern bringen ihre Kinder mit dem Auto zur Schule, damit die Kinder nicht von anderen Autos überfahren werden.“ Dem wollte er etwas Positives entgegensetzen: „Wir glauben, dass Kinder und Jugendliche gut zu Fuß sind oder auch gut mit dem Fahrrad fahren können.“ Sicherheit im Straßenverkehr erlange schließlich nur derjenige, der auch selbst aktiv daran teilnimmt. Zur eigenen Sicherheit könne jeder noch zusätzlich beitragen, sagte Winfried Hermann und zeigte seine reflektierenden Schnürsenkel.
Seine Kollege Thomas Strobl (CDU), Innenminister und stellvertretender Ministerpräsident, nannte ebenfalls das Thema Sicherheit im Straßenverkehr: „Das ist auch für die Polizei ganz wichtig, gerade zu Beginn eines Schuljahrs“, sagte er zu den vielen Kindern und Jugendlichen der Freihof-Grundschule und der Freihof-Realschule, die sich bereits im Vorfeld mit ihren Wünschen und Anregungen zu einer möglichen Schulstraße oder -zone eingebracht hatten. Der Schuljahresbeginn sei deshalb schwierig, weil dann nach der langen Sommerpause auf einmal wieder ganz viele Schüler auf den Straßen unterwegs seien – und weil im Herbst die Tage kürzer werden. Der Schulbeginn am Morgen wie auch das Schulende am Abend fallen dadurch häufig in die Dämmerung: „Gerade an Schulen dürfen Autofahrer dann auch einmal langsamer fahren als erlaubt.“
Das Wenden als Problem
Auf die Verkehrssituation in der Wollmarktstraße hatte die Schulleiterin der Freihof-Grundschule, Andrea Bizer, eingangs verwiesen, stellvertretend für beide Schulen im Kirchheimer Freihof: „Die Gefahr durch den Hol- und Bringverkehr ist bei uns ein Thema in jeder Elternbeiratssitzung.“ Die einseitige Sperrung der Wollmarktstraße habe einerseits eine Entlastung gebracht, andererseits aber auch die Situation verschärft: „Es fahren trotzdem noch viele Autos ein, und die müssen dann vor dem Schultor wieder wenden.“
Kirchheims Oberbürgermeister Pascal Bader hatte die Verkehrssituation in der Wollmarktstraße ebenfalls als „nicht optimal“ bezeichnet. Deshalb gehe es jetzt darum, die Ergebnisse des Fußverkehrswegechecks umzusetzen und eine Schulstraße oder gar eine Schulzone einzurichten. Auf Nachfrage von Schülerseite versprach er: „Wir wollen das schon im nächsten Jahr umsetzen.“
Wünsche der Schüler
Vor Ort – also direkt auf der Wollmarktstraße – stellten die Schüler beider Schulen im Anschluss an die Gesprächsrunde ihre Gedanken vor, die sie sich zur künftigen Schulstraße oder -zone gemacht hatten. Gedacht ist an Schranken oder an Poller, sodass die Anwohner die Straße auch weiterhin nutzen können. Beides könne vielleicht über eine automatische Nummernschild-Erkennung per Kamera aktiviert werden. Ein weiterer Wunsch dürfte sich mit Einrichtung einer Schulstraße von selbst erfüllen lassen: Die Parkplätze vor dem Schulhof könnten dann überflüssig werden, sodass sie sich in zusätzliche Fahrradabstellplätze verwandeln ließen.
Die Grundschüler dagegen hegen noch ganz andere Träume – die sich allerdings nicht zwangsläufig durch eine Schulstraße verwirklichen lassen: Statt Autos in der Wollmarktstraße hätten sie gerne einen Eiswagen, der regelmäßig vorbeikommt.
Da scheint der Wunsch Winfried Hermanns doch realistischer zu sein. Die Kirchheimer Wollmarktstraße soll ein Pilotprojekt für das gesamte Land darstellen. Das war auch der Grund für den „großen Bahnhof“. Der Aussicht des Verkehrsministers dürften sich alle Beteiligten angeschlossen haben: „Ich hoffe, dass Kirchheim ein Vorbild für ganz Baden-Württemberg ist.“

