Seit bald zwölf Jahren präsentiert sich der vordere Teil der Kirchheimer Bruckmühle als „Schandfleck“ im Stadtbild. Über einige Jahre hinweg lag das unter anderem daran, dass Stadtverwaltung und Investor unterschiedliche Vorstellungen über den Ausbau des Gebäudes, des einstigen Kiosks und der dazwischenliegenden Freifläche hatten. Diese Differenzen sind längst ausgeräumt. Auch der Gestaltungsbeirat hatte wesentlichen Anteil daran, dass es zur Einigung kam: Seit zwei Jahren liegt bereits das Baugesuch bei der Stadt – und trotzdem tut sich nichts. Warum?
Wir könnten im Prinzip sofort loslegen.
Helmut Ruf über die Bereitschaft, mit der Sanierung der Bruckmühle zu beginnen
„Es gibt wasserwirtschaftliche Schwierigkeiten, daran hängt es gerade“, sagt Kirchheims Erster Bürgermeister Günter Riemer auf Nachfrage. Seitens der Stadt seien alle naturschutzrechtlichen Probleme gelöst worden. „Die verbleibenden Schwierigkeiten mit der Wasserwirtschaft verstehe ich nicht“, gibt er offen zu. Konkret gehe es um einen geplanten Balkon, der die Gastronomiefläche, die dort vorgesehen ist, vergrößern würde. Diese überhängende Fläche, unter der die Lauter fließen soll, ist der Knackpunkt – wegen der Gefahr eines möglichen Hochwassers. Zuständig sei in diesem Fall aber nicht die Stadt Kirchheim, sondern das Landratsamt.
Aus Sicht von Günter Riemer ist die Bruckmühle aber nur ein Teilaspekt des ganzen Areals: „Wir müssten eigentlich in den gesamten Postplatz Bewegung bringen. Da bräuchte es aus meiner Sicht einen Investorenwettbewerb – und in diesem Zusammenhang würde die Lauter eine viel zentralere Rolle spielen als bei der Bruckmühle.“ Zu Helmut Ruf, dem Investor für die Bruckmühle, sagt der Bürgermeister: „Er sagt ganz klar, dass er das Projekt in der Gerberstraße fertigstellen will.“
Warten auf den „Roten Punkt“
Daran lässt Helmut Ruf auch gegenüber dem Teckboten keinerlei Zweifel aufkommen: „Wir könnten im Prinzip sofort loslegen.“ Wenn es nur noch darum gehe, die Bruckmühle tatsächlich zu sanieren, sobald auch der letzte strittige Punkt geklärt ist, sieht er da kein Problem: „Das können wir.“ Wenn die Baufreigabe erteilt sei, also der „Rote Punkt“ vorliege, geht er davon aus, dass es noch rund 18 Monate dauern würde – „und dann ist die Bruckmühle ein neues Schmuckstück für Kirchheim.“
Auch sonst bestätigt er die Aussagen des Ersten Bürgermeisters und lobt die Zusammenarbeit in den redensartlich höchsten Tönen: „Wir haben ein tolles Einverständnis mit der Stadt. Günter Riemer legt sich da vorbildlich ins Zeug. Er ist ja selbst ein Fachmann im Wasserbau und kann die Verzögerungen bei der Genehmigung überhaupt nicht nachvollziehen.“ Helmut Rufs Einschätzung der Lage: „Die Stadt will. Aber das Landratsamt hat ein Problem wegen ein paar Zentimetern Höhe.“
Was die Gestaltung des Postplatzes betrifft, ist Helmut Ruf ebenfalls auf derselben Linie wie Günter Riemer: „Da muss die Stadt etwas entwickeln – für den gesamten Postplatz und auch für die Lauter.“ Die Hochwasserproblematik sieht er durchaus. Aber wesentlich gravierender als ein Balkon an der Bruckmühle sei in diesem Fall die vorhandene Bebauung auf der Brücke selbst. Dadurch könne die Lauter im Extremfall die Brücke nicht einfach überspülen.
Kein totes Kapital liegen lassen
Das gesamte Ambiente des Postplatzes hat der Investor ebenso im Blick: Das Umfeld sei aktuell leider nicht ganz so ideal für die geplante Ansiedlung einer Gastronomie an und in der Bruckmühle, meint er und drückt sich dabei noch dezent aus. Trotzdem ist er willens, das stockende Projekt in Gang zu bringen. Und dafür hat er gute Gründe: „Über Jahre hinweg war das Gebäude der Witterung ausgesetzt. Das hat den Zustand nicht verbessert.“ Außerdem handle es sich an dieser Stelle für ihn um totes Kapital: „Das weiterhin so liegen zu lassen, bringt mir viel weniger als die Sanierung. Die würde ich jetzt gerne zügig in Angriff nehmen.“
Für Kirchheim wäre es ein großer Vorteil, sollte sich 2025 in dieser Hinsicht etwas tun: Es muss nicht unbedingt noch ein weiteres Jahr ungenutzt verstreichen.


