Kirchheim. Vicco von Bülow, alias Loriot, war ein Meister darin, den Alltag als Verbindung zwischen Tiefsinn und feinem Humor zu beschreiben. Einige seiner humoristischen Glanzstücke hat das Theaterensemble „Four the Länd“ in der Bastion gespielt: Klassiker, aber auch weniger bekannte Szenen. „Während meines Schulspielstudiums habe ich Loriot einmal persönlich getroffen“, erzählt Ensemblemitglied Karin Graf zu Beginn. „Ich saß in einem Café, da kam er und fragte, ‚Junge Dame, darf ich mich an Ihren Tisch setzen‘. Wir unterhielten uns kurz, dann saß er aber nur da, hat die Menschen beobachtet und Skizzen gezeichnet.“ Schon damals kam der Gedanke auf, Loriot-Szenen auf der Bühne zu präsentieren. Es dauerte bis 2024, als sich die Theatergruppe gründete und das Vorhaben umsetzte, zunächst noch in Stuttgart, jetzt auch in mehreren Vorstellungen in Kirchheim.
Karin Graf, Constantin Adams, Julia Neidhardt und Martin Stettner bilden das Ensemble. Neidhardt, Stettner und Adams hatten sich in der gemeinsamen Schauspielausbildung kennengelernt. Die einzelnen kleinen Stücke sind voll von Humor und Sarkasmus, beinhalten aber auch hochpolitische gesellschaftliche Fragestellungen, die, obwohl schon vor vielen Jahren geschrieben, an Aktualität nichts eingebüßt haben. So etwa gleich in der ersten Szene, als der Chef einer Panzerfabrik interviewt wird, der „mangels aktueller Nachfrage“ auf die Produktion von Marzipankartoffeln umgestiegen ist. Oder das Werbeinterview für einen neuartig gestalteten, kompakten Zwei-Personen-Luftschutzraum, der im Fall eines Atomkriegs in die Erdumlaufbahn geschossen werden kann, beim Wiedereintritt in die Erdatmosphäre nicht verglüht und Vorräte für wenige Tage dabeihat. Allerdings könne man nicht garantieren, dass die kleine Kapsel auch an einem Ort landet, der nicht verstrahlt ist.
Großartig die Szenen, in denen der erste autofreie Sonntag oder auch der Boykott der Olympischen Spiele 1980 in Moskau thematisiert werden. Im Stück „Kleinsparer“, in dem es um die Sorgen der Bevölkerung um ihr Vermögen geht, treten der Vertreter des Bundesfinanzministeriums und ein Bankvorstand auf, verlieren sich in irrelevanten Details, reden Fachchinesisch und machen deutlich, dass die Sorgen der Kleinsparer für sie völlig irrelevant sind.
Wunderbar auch die Dialoge zwischen Ehepartnern. Etwa zwischen einem alten Ehepaar, das es sich auf dem Sofa gemütlich macht und fernsehen möchte. Aber der Fernseher ist kaputt. Eigentlich finden beide das tagtägliche Fernsehprogramm unmöglich, aber sie kommen doch nicht davon los und haben sich längst vom Fernsehapparat abhängig gemacht. Ein Highlight zweifellos die letzte Szene, mit einem Paar in der Eheberatung. In typischer Loriot-Manier bringen beide ihre Marotten zur Geltung. Urkomisch der Versuch der Therapeutin, beiden mittels eines Modellkopfs näherbringen zu wollen, sich gegenseitig zu küssen.
Das Ensemble besticht durch seine Vielfältigkeit in den Charakterdarstellungen, und es beeindruckt durch die Präsentation der Dialoge. Für die Donnerstage, 13. und 27. November, sind weitere Vorstellungen angesetzt, jeweils um 20 Uhr in der Bastion. Restkarten sind bei Easy Ticket erhältlich. Zudem tritt das Ensemble mit seinem neuen Stück „Gott des Gemetzels“ im Württembergischen Automobilclub in Stuttgart auf, Premiere ist am Freitag, 21. November.

