Logistik
Nachhaltigkeit: Lidl wächst in die Höhe

Der Discounter will sein Zentrallager an der Kirchheimer Hegelstraße von Grund auf umgestalten. Die Zahl der Lastwagen, die dort täglich abzufertigen sind, soll dadurch von 385 auf 870 steigen.

Das Kirchheimer Lidl-Zentrallager – hier von der Hegelstraße aus gesehen – ist zu klein und soll deshalb deutlich vergrößert werden. An alter Stelle wächst zu diesem Zweck ein Neubau in die Höhe.      Foto: Carsten Riedl

Lidl will umbauen: Das Zentrallager in den Heimenwiesen soll vergrößert werden. Etwa die Hälfte des Bestands wird zu diesem Zweck abgerissen und anschließend wieder neu aufgebaut. Die Bebauung wächst dabei insgesamt in die Höhe – auf bis zu 19 Meter Firsthöhe. „Zur Wohnbebauung hin bleibt alles gleich, bis auf ein dreigeschossiges Parkhaus im Nordosten an der Hegelstraße“, erläuterte Gernot Pohl, der Abteilungsleiter für Städtebau und Baurecht, im Ausschuss für Infrastruktur, Wohnen und Umwelt.

Die Größenordnung des Um- oder Neubaus kommt auch in ganz anderen Zahlen zum Ausdruck, die Gernot Pohl erwähnte: Ist das Zentrallager bislang Umschlagplatz für rund 385 Lastwagen pro Tag, soll diese Zahl künftig auf bis zu 870 steigen. Be- und Entladung sind dabei räumlich strikt getrennt: Die Entladung erfolgt von Norden, also von der Hegelstraße her, die Beladung von Süden, also von der Straße Heimenwiesen. Das Kühlsortiment wird ausschließlich von Süden her bedient – von der Wohnbebauung abgewandt. Die jeweiligen Kühlanlagen erzeugen zusätzlichen Lärm, vor dem das neue Gebäude in diesem Fall den entsprechenden Schutz bieten soll.

Nachtruhe an der Hegelstraße

Die Zufahrt zu und von der Hegelstraße bleibt nachts geschlossen, um die Anwohner in dieser Zeit weder durch Lärm noch durch Licht zu belästigen. Zum Schutz vor Lärm und Licht gibt es rund um das Gelände verschieden hohe Schutzwälle und -wände. Die Höhe von Wällen und Wänden schwankt – je nach Standort – zwischen 5,50 und 13 Metern. Zusätzlich werden diverse Entsorgungsstationen eingehaust, was ebenfalls dem Schutz vor entsprechenden Emissionen dient.

Stadtrat Michael Attinger (Grüne) verwies darauf, dass gerade die Kühlung mit einem hohen Energieaufwand verbunden ist: „Aus Gründen der Nachhaltigkeit sollte diese Energie nach Möglichkeit genutzt werden, etwa zur Wärmeerzeugung.“ Stadtwerke-Geschäftsführer Martin Zimmert berichtete von Gesprächen, die in diesem Zusammenhang bereits stattgefunden haben: „Sollte da Energie übrigbleiben, für die es vor Ort keine direkte Verwendung gibt, ist die Firma nach meiner Erfahrung durchaus bereit, über Kooperationen zu sprechen.“

Marc Eisenmann (SPD) schlug vor, die Zeiten, in denen die Zufahrt Hegelstraße nachts geschlossen bleiben soll, in den Durchführungsvertrag aufzunehmen. Wenn sich die Zahl der Lastwagen mehr als verdoppelt und fast jede Minute ein Fahrzeug anrollt, stellte er zudem die Frage, wie sich das künftig auf den Verkehr auswirkt, insbesondere auf den Kreisverkehr zwischen Kruichling und Hegelesberg einerseits sowie zwischen Autobahn und Hegelstraße andererseits.

Verkehr geht nicht durch die Stadt

Ein großer Teil, vielleicht sogar fast der gesamte Lkw-Verkehr vom und zum Zentrallager sollte über diese Strecke fließen. Oberbürgermeister Pascal Bader erwähnte eine Vereinbarung mit Lidl, der zufolge Lastwagen aus nördlicher Richtung nicht über die Paradiesstraße fahren sollen, sondern über die Umgehungsstraße und die Autobahn: „Lidl weist Lieferanten und Speditionen auf diesen Umstand hin.“ Die Verwaltung werde diese Frage aber noch einmal eingehend untersuchen. Was die Nachhaltigkeit betrifft, bezeichnete Bader das Vorgehen in diesem Fall als achtenswert, im Bestand abzubrechen und neu zu bauen: „Es wäre für das Unternehmen sicher einfacher, an anderer Stelle gleich neu zu bauen.“ So aber werde eine weitere Versiegelung im Außenbereich verhindert: „Auch das ist nachhaltig.“

Den Auslegungsbeschluss für den vorhabenbezogenen Bebauungsplan haben die Ausschussmitglieder einstimmig gefasst, bei nur einer Enthaltung.