Fest
Neue Kita in Kirchheim: „Langeweile gibt es nicht“

Die Stadt Kirchheim hat den Kindergarten Tannenbergstraße mit einer großen Feier offiziell eröffnet, nachdem die ersten beiden von fünf Gruppen den Neubau bereits im Sommer bezogen hatten.

Kirchheims Oberbürgermeister Pascal Bader hat den Kindergartenkindern in der Tannenbergstraße zur Einweihung sogar ein Geschenk mitgebracht. Foto: Markus Brändli

Mit großer Freude haben bislang 61 Kinder die neue Kindertagesstätte in der Tannenbergstraße in Besitz genommen – und zwar schon im Sommer. Jetzt aber gab es die offizielle Feier zur Eröffnung, und die Kinder sangen dazu voller Inbrunst: „Langeweile gibt es nicht!“ Außerdem haben sie einen Kernpunkt des pädagogischen Konzepts – das unter anderem Integration und Inklusion beinhaltet – in einem weiteren Lied zusammengefasst: „Jeder Mensch hat seine Nase mitten im Gesicht“, heißt es da, um auszudrücken, dass die vermeintlichen Unterschiede gar nicht so groß und vor allem nicht so entscheidend sind.

Dafür könnte man eine Menge Spielsachen kaufen.

Pascal Bader über die Baukosten von neun Millionen Euro für den neuen Kindergarten

Langeweile und tolle Spielmöglichkeiten im Innen- wie im Außenbereich hin oder her: Zunächst einmal mussten die Kinder die offiziellen Reden über sich ergehen lassen, wobei sie erstaunlich ruhig blieben. Von Oberbürgermeister Pascal Bader wurden sie immerhin direkt mit einbezogen: „Gut“ gefalle ihnen der neue Kindergarten, sagten sie unisono – auch wenn zumindest diejenigen, die aus dem Freiwaldau-Kindergarten hergezogen waren, zugeben mussten, dass sie ihren alten Kindergarten schon auch vermissen.

Die zwei Gruppen aus dem Freiwaldau-Kindergarten seien bereits vor den Sommerferien eingezogen, berichtete der Oberbürgermeister. „Die ältesten wären noch gerne länger hier in der Tannenbergstraße geblieben. Die wollten dann gar nicht mehr so schnell in die Schule wechseln.“ Für die Stadtverwaltung leitete er daraus den Auftrag ab, auch die Schulen zu sanieren, damit es dort ähnlich schön wird wie in den Kindergärten: „Wenn jetzt auch noch der Naturkindergarten in Jesingen eingeweiht wird, schnaufen wir erst einmal kurz durch – und gehen dann die Schulen an.“ Auch in die Qualität der Kindergartenbetreuung habe die Stadt investiert: „Wir haben die Kita-Sekretariate eingeführt und die pädagogischen Fachdienste eingerichtet.“

Planen und Bauen in einer Hand

Der Neubau in der Tannenbergstraße, der für insgesamt fünf Gruppen ausgelegt ist, habe neun Millionen Euro gekostet, führte Pascal Bader weiter aus: „Das ist unvorstellbar viel Geld, und dafür könnte man eine Menge Spielsachen kaufen.“ Trotzdem seien Stadtverwaltung und Gemeinderat froh, dass es gelungen ist, 500.000 Euro einzusparen gegenüber den eigentlich veranschlagten 9,5 Millionen Euro. Er führte diesen Erfolg auch auf das neue Verfahren zurück, Planen und Bauen in eine Hand zu geben – in diesem Fall in die Hand des Schweizer Holzbauunternehmens Erne. „Das hat wunderbar funktioniert, und nach diesen positiven Erfahrungen werden wir das Modell sicher noch öfters anwenden.“

Der Name steht in der passenden vor dem Gebäude: "Tannenbergstraße". Foto: Markus Brändli

Bürgermeisterin Christine Kullen stellte das Konzept der neuen Einrichtung vor und begann mit einer Aussage von Emmi Pikler. Die Selbständigkeit der Kinder soll demnach unterstützt und nicht unterdrückt werden. Es gehe darum, den Fähigkeiten der Kinder zu vertrauen, ihnen Raum für Eigeninitiative zu geben und sie dabei liebevoll zu begleiten – in ihrem jeweils eigenen Tempo.

Aus den vorhandenen beiden Gruppen des Freiwaldau-Kindergartens seien jetzt fünf geworden – darunter eine für Kinder unter drei Jahren und eine spezielle Inklusionsgruppe, für „Kinder mit Entwicklungsbesonderheiten“. Für sie gebe es geeignete Rückzugsräume, denn die Betreuung müsse sich in diesem Fall auch auf individuelle Ruhebedürfnisse einstellen. Zum Konzept gehöre aber auch, dass die Inklusionsgruppe voll und ganz in den fünfgruppigen Kita-Betrieb integriert ist.

Aktuell seien 61 Kinder in der neuen Tagesstätte. 36 davon kommen aus dem Freiwaldau-Kindergarten. Anfang nächstes Jahr sei die Vollbelegung mit 85 Kindern erreicht. Wichtig am Konzept sei auch die Kooperation mit der benachbarten Teck-Grundschule: „Bildung wird hier als Gemeinschaftsaufgabe verstanden – vom Kleinkind bis zum Schulkind.“ Außerdem soll an der Tannenbergstraße ein Familienzentrum entstehen, mit Möglichkeiten zur Begegnung und zur Beratung.

Kinder schauten beim Bauen zu

Eingebunden waren die Kinder bereits in den Bau ihrer neuen Heimstätte: Immer wieder gab es Baustellenbesichtigungen – und dabei war ja ziemlich schnell ziemlich viel zu sehen. Innerhalb kurzer Zeit wurde das Gebäude in Holzständerbauweise hochgezogen – mit vorgefertigten Bauteilen.

Sabine Richter, die als Leiterin des bisherigen Freiwaldau-Kindergartens jetzt die Leitung in der Tannenbergstraße übernommen hat, konnte davon berichten, dass sich nur ein Jahr nach dem Richtfest das Haus mit Leben gefüllt habe – „mit Kindern, Familien und Kolleginnen“. Im Anschluss an die Eröffnungsreden lud sie alle Festgäste ein, im zweistöckigen Gebäude auf Entdeckungsreise zu gehen und durch den Blick auf die verschiedenen Räume und deren Ausstattungen auch einen Einblick in die pädagogische Arbeit zu bekommen.