Bildung
Schülerinnen und Schüler aus Kirchheim freuen sich auf das „Desaster“

An der Konrad-Widerholt-Förderschule in Kirchheim spielt ein Theaterprojekt eine zentrale Rolle für die Entfaltung von Kreativität.

Christian Laubert gibt bei den Theaterproben an der Konrad-Widerholt-Förderschule die Richtung vor.  Foto: Rainer Kellmayer

Ergänzend zur schulischen Wissensvermittlung nimmt an der Kirchheimer Konrad-Widerholt-Förderschule die Ausbildung und Stärkung der Persönlichkeit von Schülerinnen und Schülern breiten Raum ein. Ein Schwerpunkt bei der ganzheitlichen Förderung junger Menschen ist die Entfaltung ihrer Kreativität: In besonderen künstlerischen Projekten entwickeln sie Ideen, lernen zu improvisieren und sich in eine Gruppe einzufügen.

Mehrfach arbeitete die Schule in den letzten Jahren mit dem Stuttgarter Staatsballett zusammen – Kooperationen, die den Schülern Spaß machten und sie in ihrer persönlichen Entwicklung einen Schritt weitergebracht haben.

 

Die Schüler wachsen immer wieder über sich hinaus.
Monika Bosler-Keppler, Konrektorin KW-Schule
 
 

Auch Theateraufführungen stehen immer wieder auf der Agenda. Aktuell setzen sich die Klassen 5 bis 6a mit einem besonderen Projekt auseinander. Der Titel ist Programm: „Desaster! Das schaffen wir?!“ Seit September letzten Jahres freuen sich die Schülerinnen und Schüler auf den Montagvormittag. Dann probt der Theaterpädagoge Christian Laubert mit den Nachwuchsschauspielern: Es wird diskutiert, improvisiert und gemeinsam ein spielerisches Konzept entwickelt.

„Die Schüler lernen theaterpädagogische Elemente kennen und wachsen immer wieder über sich hinaus“, sagt Konrektorin Monika Bosler-Keppler, die das Projekt initiiert hat. Anfangs sei die Probenarbeit noch etwas chaotisch gewesen, aber allmählich kristallisiere sich ein klares Konzept heraus. Der Prozess ist dynamisch: Aus 30 Spielszenen wurden elf ausgewählt. Das Theater dreht sich um abstürzende Flugzeuge, eine Notoperation, Aktionen im Schwimmbad oder ein zu scharfes Chili-Essen im Restaurant.

Christian Laubert gibt den szenischen Rahmen vor, der den Akteuren jedoch viel Raum zur eigenen Entfaltung lässt. „Wir entwickeln den Text gemeinsam aus den Figuren heraus“, erklärt Laubert. Es wird viel experimentiert und getestet, wobei die Schülerinnen und Schüler ihrer Fantasie freien Lauf lassen dürfen. Vieles hänge von der Tagesform ab, sagt Laubert, doch plötzlich spüre man: „Jetzt geht’s!“ Diese Erfolgserlebnisse beflügeln die Akteure und motivieren sie bei der weiteren Ausarbeitung der Szenen. Damit es nicht allzu chaotisch wird und sich in der Textfindung allmählich ein roter Faden entwickelt, protokolliert die Assistentin Corinna Reschka alle Textbausteine auf einem Laptop.

Ein weiteres wesentliches Element ist die klangliche Untermalung der Aktionen durch Sergio Vesely. Mit Gitarre, Akkordeon und verschiedenen Perkussions­instrumenten gibt der Musiker den schauspielerischen Aktivitäten den nötigen Pfiff. Dabei verwendet er musikalische Muster, improvisiert seine Klangaktionen jedoch weitgehend angepasst an die Situation.

 

„Projekt ist sehr spaßig“

Die Schülerinnen und Schüler sind mit Feuereifer bei der Sache. „Das Projekt ist sehr spaßig“, sagt der elfjährige Fynn, und seine Klassenkameradin Mejdin ergänzt: „Chris­tian Laubert macht das super mit uns.“ Alle fiebern der anstehenden Präsentation vor Publikum entgegen: „Es ist toll, Aufführungen zu machen“, freut sich Nachwuchsschauspielerin Lenia schon heute auf die Premiere.

Neben dem Spaß am kreativen Tun misst Rektorin Susanne Schöllkopf den künstlerischen Angeboten an ihrer Schule besondere Bedeutung zu: „Kunst ist in meinen Augen der zentrale Schlüssel für jegliche Bildungsprozesse.“ Die Schulleiterin ist gespannt auf die Uraufführung von „Desaster!“ am Mittwoch, 24. April, um 19 Uhr im Foyer der Konrad-Widerholt-Förderschule.

 

Unterstützung der persönlichen Entwicklung

Schule Die Förderung der Kinder ist an der Konrad-Widerholt-Schule breit angelegt. Bei der ganzheitlichen schulischen Bildung werden die Schüler in ihrer persönlichen Entwicklung vielfach unterstützt. Regelmäßig gibt es Theater- und Ballettaufführungen, die von den Kindern gestaltet werden. Zudem bietet die Schule Projekte rund um den Holzbackofen, Fassadengestaltung oder den Wald an. Ju-Jutsu-Kurse und eine Schülerband komplettieren das Angebot.

Theaterpädagoge Der in Kirchheim aufgewachsene Christian Laubert studierte Theologie, Geschichtswissenschaften, Germanistik und Pädagogik. Er war als Regieassistent und Dramaturg an verschiedenen Theatern tätig. Seit 2001 arbeitet der 61-Jährige selbstständig als Autor, Regisseur und Theaterpädagoge. 2004 gründete er mit Kollegen das Freilandtheater in der fränkischen Stadt Bad Windsheim. kell