Kriminell geht es nicht zu beim Kirchheimer Ferienwaldheim im Doschler, dafür aber kriminalistisch: Unter dem Motto „Top Secret“ befassen sich die älteren Waldheim-Teilnehmer mit der Aufklärung fingierter Untaten – wie „Einbrüchen“ oder „Diebstählen“ auf dem CVJM-Gelände. Auf einer großen Tafel werden Verdächtige und Hinweise notiert. Fäden verknüpfen die möglichen Täter und die Indizien, sodass es am Ende wirkt wie in einem „echten“ Krimi oder Polizeifilm, sagt der Leiter Felix Vogl.
Auf Spurensuche im Doschler ist auch Natalie Pfau-Weller, Kirchheimer Stadträtin und Landtagsabgeordnete. Schnell wird das Gespräch bei ihrem Besuch politisch. Corona-Folgen? „Das Loch spüren wir“, sagt Felix Vogl. „Wer durch Corona das Ferienwaldheim verpasst hat, fehlt uns heute noch.“ Die „klassische Karriere“ führt nämlich von der frühen Teilnahme als Kind zur jahrelangen Teilnahme als Mitarbeiter.
Zwei aus seinem Team sind schon seit 21 Jahren ununterbrochen dabei: Begonnen haben sie als Siebenjährige im Waldheim für die Jüngeren, bevor sie über die ältere Altersklasse und das Waldheim-Plus-Programm in den Mitarbeiterstab gewechselt sind.
Im Doschler sind es so viele Jugendliche wie schon lange nicht mehr. 58 sind es insgesamt, davon fünf „Waldheim-Plusler“, die am Freitag am LUG erste Erfahrungen als Mitarbeiter sammeln sollen – am „real existierenden Kind“, wie es Waldheim-Gesamtleiter Klaus Onischke ausdrückt. Trotzdem geht es im Doschler überschaubarer zu als bei den Jüngeren am LUG: „Ich brauche hier kein Handy“, sagt Felix Vogl. „Wenn was ist, schreien die, und ich höre sie überall.“
Am LUG sind einige erfahrene Mitarbeiter ausgefallen – entweder weil sie ihr Engagement fürs Waldheim nach langen Jahren beendet haben oder weil sie wegen ihres Studiums keine Zeit haben. Deshalb hat Klaus Onischke einige Elfjährige an Felix Vogl „abgetreten“, der von einer „ganz anderen Herausforderung“ spricht. Sonst hatte er es immer nur mit Zwölf- bis 14-Jährigen zu tun.
„Ein fest eingespieltes Team“
Das Ehrenamt ist auch ein Thema für die Abgeordnete. Wie kann man es attraktiver gestalten? Welche Möglichkeiten der Anerkennung gibt es? Der Ehrenamtsabend im Sommernachtskino ist wegen Terminüberschneidung eher nicht so gut geeignet für das Waldheim-Team. Felix Vogl nennt aber eine ganz andere Motivation: „Wir sind ein fest eingespieltes Team, und trotz aller Arbeit, die wir da leisten, hat es für uns alle auch einen eigenen Freizeit-Charakter. Wir wohnen quasi zwei Wochen lang gemeinsam hier.“
Das Programm hält die Jugendlichen auf Trab. Auch ihnen soll das Waldheim in den Ferien eine Auszeit vom Alltag bieten, eine Zeit, in der man den ganzen Tag über auch ohne digitale Ablenkung auskommen kann. Stattdessen wird ein anderer Akku aufgeladen – einer, der ihnen hilft, ihre Aufmerksamkeitsspanne ein wenig verlängern zu können.
So lassen sich auch die streng geheimen Botschaften fast jeden Tag erfolgreich entschlüsseln. Gleich am Anfang wurden auf diese Art wichtige Regeln vermittelt – unter anderem, dass es im Waldheim weder Alkohol noch Drogen gibt. „Das war bei uns zwar noch nie ein ernsthaftes Thema“, berichtet Felix Vogl aus den vergangenen 15 Jahren, seit er in leitender Funktion dabei ist. „Aber man muss es trotzdem ansprechen. Energy Drinks beispielsweise sind durchaus ein Thema.“
Beim Besuch im Doschler-Waldheim bekommt Natalie Pfau-Weller aber den Beweis, dass es keine speziellen Drinks braucht, um energiegeladen durch den Tag zu kommen.

