Hobby
Und ewig lockt die Weiche

Wer neu oder erneut ins Thema Modelleisenbahn einsteigen will, muss vieles beachten. Hierzu ein kleiner Ratgeber – mit Augenzwinkern, aber ernst gemeint. 

Das H0-Segment „Industrieviertel“ ist fertig – und es ist eher ein Fall für Modellbahner, nicht für Spielbahner. Foto: Peter Dietrich

Den 2. Dezember haben verschiedene Verbände zum „Internationalen Tag der Modelleisenbahn“ erklärt, die Idee dazu kam vom früheren Eisenbahn-Romantik-Moderator Hagen von Ortloff. Wer an diesem Tag fragt, wie der Hobbyeinstieg an besten gelingt, sollte bloß nicht überhastet in den Laden stürzen und irgendeine Anfangspackung kaufen. Ohne Strategie läuft nämlich gar nichts. Und erst recht nicht ohne ein paar ganz grundsätzliche Entscheidungen fürs Leben. Die da unter anderem wären:

Spiel- oder Modellbahner?

Spielbahner, das ist für manchen ernsthaften Modellbahner ein schlimmes Schimpfwort. Wer seinen ICE über Straßenbahnradien rasen lässt, womöglich noch ohne Oberleitung, wer auf seiner Mini-Anlage die Bergbahn neben dem Seehafen unterbringt, der ist ein hoffnungsloser Spielbahner. Ihm bleibt nur die Rache mit einem ebenbürtigen Schimpfwort für alle, denen zu große Genauigkeit die Freude an einem der schönsten Hobbys der Welt nimmt: „Du Nietenzähler!“

Empfehlung: Modellbahner mit weitem Herz werden. Sich so weit wie möglich am Vorbild orientieren. Aber fröhlich mit den Kompromissen leben, die der Platz, der Geldbeutel oder die Lebenspartnerin erfordern.

Welche Spurweite?

Es gibt Normal-, Breit- und Schmalspur. Wobei die Definition, was normal ist, bei der Bahn viel einfacher ist als in der Psychologie: 1435 Millimeter. Alles darunter ist Schmalspur, alles darüber, etwa in Spanien und Irland, Breitspur. Die meisten Modelle sind in Normalspur. Schmalspurbahnen nach Schweizer Vorbild oder wie in Sachsen sind eher für Fortgeschrittene. Aber oft wunderschön.

Empfehlung: Vorerst normal bleiben. Die Schmalspur ab dem dritten Anbau ergänzen. Vorsicht: In Urlaubsregionen mit Schmalspurbahnen herrscht akute Ansteckungsgefahr!

Fortschritt bei der Stadtgestaltung und beim Bahnsteig von Gleis 1. Foto: Peter Dietrich

Welche Nenngröße?

Weil die Spur 0, Maßstab 1:45, für die normale Wohnung zu groß war, kam 1935 in etwa die halbe Portion davon, zuerst 00, dann H0 genannt, Maßstab 1:87. H-Null gesprochen! Wer H-O sagt, fliegt sofort raus und muss ein Jahr mit dem Hobby aussetzen. H0 ist am verbreitetsten. Wer nicht weiß, was er noch im Keller liegen hat, bei dem rostet dort höchstwahrscheinlich H0. Darunter gibt es, immer kleiner werdend, die Nenngrößen TT, N und Z. TT vor allem im Osten Deutschlands. Darüber gibt’s auch noch ein paar Spurweiten. Die sollen hier wegfallen. Wer für sie genügend Geld und Platz hat, kann sich vorher ein Handbuch leisten.

Empfehlung: Bei einigermaßen Platz, Kindern oder Haustieren Spur H0 oder vielleicht TT. Wer Wert auf vorbildgerechte lange Züge legt, N. Wer gerne mit Pinzette und Lupe arbeitet, Z.

Welche Epoche?

Für Spielbahner: Egal, weiter zur nächsten Frage. Modellbahner sollten sich hingegen entscheiden, welche Zeit ihre Anlage in etwa darstellt. Besonders beliebt ist die Epoche 3, weil da Dampf-, Diesel- und Elektroloks parallel fuhren – so grob von 1945 bis 1970. Wer mehr auf moderne Zeiten steht, dem bleibt ein Ausweg: ICE und parallel eine Museumsbahn. Mit dieser Begründung gibt es für fast alles die Absolution.

Empfehlung: Was gefällt. Oder das, worauf sich Vater und Sohn einigen können.

Teppichbahn oder Anlage?

Dank trittfester Gleise mit Schotterbett ist die Teppichbahn heute viel attraktiver als früher. Und jeden Tag eine neue Eisenbahn. Ein festes Brett, noch besser ein feste Anlage in Rahmenbauweise, erlaubt aber die Ausgestaltung mit Dörfern und Straßen, Bergen und Tunnels. Allerdings ist gute Planung nötig. Manche Modellbahner tüfteln jahrelang am optimalen Gleisplan, beginnen aber nie zu bauen.

Empfehlung: Mit der Teppichbahn beginnen. Im Idealfall sofort. Und parallel dazu die Planung der Traumanlage starten. Dazu mindestens fünf Bücher oder Hefte à la „55 allerbeste Gleispläne“ kaufen. Auch Altmeister wie Bernd Schmid als Vorbild nehmen. Wer ganz hoch hinaus will, braucht Josef Brandl als Vorbild, das ist Fünf-Sterne-Modellbahnküche. Wer Natur so perfekt nachbilden möchte, sollte aber wie er zuerst Gärtner werden.

Welche Jahreszeit darstellen?

Im Vorteil ist, wer in Altbau oder Loft wohnt. Der kann so hoch hinauf fahren, dass er mehrere Jahreszeiten unterbringt. Von den Gletschern zu den Palmen. Alle anderen müssen sich entscheiden. Die Uhrzeit ist zum Glück schon entschieden. Egal, ob der Bausatz für Bahnhöfe, Kirchen und Häuser von Auhagen, Faller, Piko oder Vollmer kommt, die Uhren zeigen stets 16.55 Uhr.

Empfehlung: Frühling oder Sommer, für die Bergstation hinten oben, falls vorhanden, Winter. Mit einem mindestens 20 Zentimeter breiten Übergang. Für Spielbahner: Fünf Zentimeter.

Welches Stromsystem?

H0-Bahner mussten sich früher zwischen Gleich- und Wechselstrom entscheiden. Wechselstrom, das war Märklin mit den Punktkontakten und dem Schleifer. Gleichstrom, das waren alle anderen, etwa Fleischmann und Roco. Für manche eine Glaubensfrage, wie bei den Fotoprofis die Frage nach Nikon oder Canon. Heute ist die Frage eher: Analogst du noch oder digitalst du schon? Digitale Loks, mit eingebautem Decoder, fahren auch auf alten analogen Anlagen. Aber die analoge Lok vom Dachboden nicht im Digitalsystem, sie rast nur, weil immer der volle Saft anliegt.

Empfehlung: Digital. Wer auf Bänke mit mindestens zehn Trafos und Kabelsalat steht, analog.

Kleiner Fortschritt beim Modellbahnbau: Das Industriegebiet hat eine Abrundung mit einer Garagenwerkstatt bekommen, und die Feuerwehr schaut nach, was mit dem Kamin der Maschinenfabrik nicht stimmt. Foto: Peter Dietrich

Drum prüfe, wer sich ewig bindet

„Wer das erste Gleis ins Kinderzimmer wirft, hat gewonnen.“ Diese Erkenntnis der Modellbahnfirmen gilt noch immer. Aber abgeschwächt, denn vieles lässt sich kombinieren, auch dank Digitaltechnik. Bei H0-Wagen genügt schon ein Wechseln der Radsätze. Nein, nicht Sommer- und Winterreifen, sondern Zwei- und Dreileiter.

Empfehlung: Egal von welchem Hersteller, in welcher Nenngröße und mit welchem System, erst einmal ganz viele Anfangspackungen kaufen. Nirgendwo gibt es mehr fürs Geld. Danach wird das Hobby nämlich noch teurer.

Noch Fragen?

Dann ab zum Modellbahnstammtisch oder etwa zu den Modellbahnfreunden Teck. Die Clubs freuen sich über jeden Neueinsteiger und helfen gerne. Für jedes Modellbahnthema gibt es irgendwo einen hilfsbereiten Spezialisten, man muss ihn nur finden.