Rathaussturm
Verkürzte Nächte und halbe Hallen

Die Kloster-Deifel stellen Kirchheims Oberbürgermeister vor das Narrengericht. Der „Streit“ zwischen Pascal Bader und Zunftmeister Holger Böhm soll bei einem versöhnlichen Bier beigelegt werden.

Kirchheims Oberbürgermeister Pascal Bader verteilt – als Sterntaler verkleidet – die passenden Süßigkeiten, um die Kinder zu bes
Kirchheims Oberbürgermeister Pascal Bader verteilt – als Sterntaler verkleidet – die passenden Süßigkeiten, um die Kinder zu bestechen: Beim Narrengericht sollten sie für ihn auf Freispruch plädieren. Foto: Carsten Riedl

Vergebens leisteten sie Gegenwehr – das Team der Stadtverwaltung hat im Kampf ums Kirchheimer Rathaus am Ende klar gegen die Kloster-Deifel verloren. Was war der Grund? Waren die „Kriegsziele“ vielleicht sogar identisch? Die Kloster-Deifel wollten den Oberbürgermeister aus dem Rathaus zerren, um ihn vor das Narrengericht zu stellen. Und die Mitarbeiter der Stadt? Die hatten wohl ein ähnliches Interesse: „Die sind froh, dass sie mich los sind“, sagte der Rathauschef zum Kloster-­Deifel-Zunftmeister Holger Böhm.

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Der Aufzug von Pascal Bader sollte vor der Verhandlung Mitleid wecken: Ganz unschuldig gab er sich – verkleidet als Sterntaler. Holger Böhm hätte ihn lieber als Pleitegeier gesehen, aber der Oberbürgermeister fand zielsicher die Schnittmenge zwischen Pleitegeier und Sterntaler, als er endlich sein Märchen erzählen durfte: „Unsere Lage ist wie bei Sterntaler. Die war so großzügig, dass sie alles verschenkt hat. Und wir sind jetzt an der Stelle, an der alles weg ist und an der wir darauf warten, dass es Taler regnet.“

Parkgebühren bringen Taler

Eine Möglichkeit fürs Talerregnen hatte Holger Böhm aber bereits gefunden: die Parkgebühren für die Tiefgaragen, bei denen die Stadt Kirchheim nicht nur den Sonntag zum Werktag erklärt, sondern auch gleich die Nacht verkürzt habe, was den günstigeren Tarif betrifft. Pascal Baders Antwort lässt nichts Gutes erwarten für die Parkplatzsuchenden, eher für den Stadtsäckel: „Ich war diese Woche in Stuttgart. Dort musst du für die Parkgebühren ja einen Kredit aufnehmen.“

Für den Kirchheimer Rathauschef naht Unheil: Die Kloster-Deifel setzen zum Sturm auf seinen Dienstsitz an. Foto: Carsten Riedl
Für den Kirchheimer Rathauschef naht Unheil: Die Kloster-Deifel setzen zum Sturm auf seinen Dienstsitz an. Foto: Carsten Riedl

Zum Autoverkehr gehört auch Tempo 30, wobei der Zunftmeister dabei nicht auf den Geldsegen durch Blitzersäulen einging. Vielmehr übergab er zwei Nummernschilder an den Oberbürgermeister: „KIT-OB 30“ stand auf dem einen, angelehnt an die bevorzugte Höchstgeschwindigkeit des OB. Das andere Schild hatte die 30 durch eine Narrenkappe ersetzt. Immerhin lobte Holger Böhm den Rathauschef für dessen Einsatz um das KIT-Kennzeichen: „Als Kirchheimer will ich ja auf gar keinen Fall mit einem NT durch meine Stadt fahren.“

An einer anderen Stelle habe sich der Oberbürgermeister verrechnet, hielt ihm Holger Böhm vor: „Warst du da krank, als es in der Schule um die Einnahmen-Ausgaben-Rechnung ging? Du kannst doch nicht ein Hotel für 1,75 Millionen Euro kaufen, um es dann für 1,49 Millionen Euro wieder herzugeben!“ Pascal Bader erwähnte die defekte Klospülung, die zum Wasserschaden geführt hatte, und machte so die „Klo-Ster-Deifel“ verantwortlich: „Ihr habt mir hier vor zwei Jahren ein Klo hingestellt – und das ist seither gelaufen und gelaufen.“ Den Schwarzen Adler habe er gar nicht wegen dem Gebäude kaufen wollen, sondern wegen dem Weinkeller.

Vor einem überdachten Schwimmbecken, das auf der Bühne in der Marktstraße aufgebaut war, ging es aber nicht ums Hallenbad, sondern um eine neue Sporthalle. Pascal Bader hatte eine Lösung parat, auf die ihn die Olympischen Spiele gebracht hatten: „Da hat man gesehen, dass Basketball ja viel populärer ist, wenn man es mit drei gegen drei spielt. Das wäre auch gut für uns. Da brauchst du ja nur eine halbe Halle.“

Zahlungsaufschub beim Bier

Letztlich halfen dem Oberbürgermeister seine Ausflüchte rein gar nichts: Holger Böhm verurteilte ihn zur Ausrichtung des Zunftmeister-Umtrunks am Rand des großen Umzugs Ende Januar 2027. Die Zusatzstrafe: „Gib mir nachher ein Bier aus.“ Pascal Bader bat um einen Tag Zahlungsaufschub: „Komm’ einfach zu meinem Neujahrsempfang am Freitag in die Feuerwache. Da gibt’s auch Bier – und da lade ich dich ein.“