Umbau
Viel Lärm um eine große Baustelle

Kirchheims Gemeinderat segnet den vorhabenbezogenen Bebauungsplan für das Lidl-Zentrallager an der Hegelstraße ab. Anwohner beschweren sich über den Dauerlärm aus südlicher Richtung.

Derzeit wird die Halle des Lidl-Zentrallagers an der Hegelstraße entkernt. Danach beginnt der umfangreiche Um- und Neubau. Foto: Andreas Volz

Für die Stadt Kirchheim ist es offiziell ein Vorzeigeprojekt, für die direkten Anwohner dagegen ein Ärgernis: Das Lidl-Zentrallager an der Hegelstraße wird im Bestand umgebaut und aufgestockt. Aufgestockt werden sollen auch die Lärmschutzwände – insbesondere nach Norden, zur Kernerstraße hin. Die Anrainer des Zentrallagers, die zwischen Kernerstraße und Stuttgarter Straße wohnen, sollen dadurch besser vor dem Lärm geschützt werden, der beim Betrieb des Lagers zwangsläufig entsteht.

Umwelt und Verkehr, Lärm und Licht sind wichtige Schutzgüter für die Anwohner.

Marc Eisenmann über Faktoren, die auch nach Baustellenende noch zu überprüfen seien

Zum Lärm gibt es ein Gutachten. „Das Landratsamt erkennt dieses Gutachten als plausibel an“, erklärte Gernot Pohl, der Kirchheimer Abteilungsleiter für Städtebau und Baurecht, im Gemeinderat. Kühltransporte würden an der Südseite des Gebäudes abgefertigt, weil es dort keine angrenzende Wohnbebauung gibt. Außerdem sei die Einfahrt im Nordosten, von der Hegelstraße her, nachts gesperrt, wodurch die Belästigung durch Verkehrslärm vermieden werde. Die Höhe der Lärmschutzwände liegt zwischen fünf und 13 Metern, je nach Himmelsrichtung. Gernot Pohl kommt demnach zu dem Schluss: „Es gibt keine wesentliche Zunahme des Verkehrslärms.“

Keine zusätzliche Versiegelung

Kirchheims Oberbürgermeister Pascal Bader sieht einen großen Vorteil darin, „dass es um einen Um- und Neubau auf bestehendem Gelände geht“. Somit gebe es keine zusätzliche Versiegelung von Flächen an einem ganz neuen Standort. „Wichtig ist aber auch, dass es eine Lärmanalyse gibt – und dass daraus zusätzliche Maßnahmen abgeleitet werden, um den Lärm zu reduzieren.“

Auf beide Aspekte ging auch SPD-Stadtrat Marc Eisenmann ein, der im Namen des gesamten Gremiums sprach. Er sah einerseits die Notwendigkeit für das Unternehmen, das Zentrallager in Kirchheim zu modernisieren und an die gestiegenen Anforderungen an die Logistik anzupassen. Andererseits aber sei auf die Auswirkungen zu achten, die der Um- und Neubau auf die Anwohner hat: „Da geht es um Umwelt und Verkehr, um Lärm und Licht. Das sind die Schutzgüter für die Anwohner, die vor allem in der Kernerstraße leben.“

Bei allem Verständnis für den Lärmschutz nannte er auch „andere Beeinträchtigungen durch die Erhöhung der Schallschutzmauer“. Bei 13 Metern Höhe komme es nördlich der Mauer eben auch zu massiver Verschattung. „Der Gemeinderat hat sich die Entscheidung nicht leicht gemacht. Wir haben das alles sorgfältig abgewägt“, sagte er vor dem einstimmigen Satzungsbeschluss für den vorhabenbezogenen Bebauungsplan. „Wir sind der Meinung, dass das so machbar ist. Aber wir bitten darum, die tatsächlichen Auswirkungen auf die Anwohner auch nachträglich zu überprüfen.“

Anwohnerin klagt über Dauerlärm

Eine Anwohnerin, die sich beim Teckboten gemeldet hat, berichtet von Auswirkungen, um die es im Gemeinderat gar nicht gegangen war: die Auswirkungen der Baustelle, die mit dem Entkernen der bestehenden Halle bereits begonnen hat. Sie berichtet von nächtlichem Lärm, der dadurch entsteht, dass die zurückgegebenen Plastikflaschen auf dem Gelände gepresst werden, was ein permanentes geräuschvolles Knistern zur Folge hat. „Wenn die Quader dann die Rampe runterfahren, tut es heftige Schläge, sobald sie unten aufprallen.“ Sie hat zwar die Hoffnung, dass dieser Lärm irgendwann nicht mehr entsteht, sobald die Presse an ihren endgültigen, eingehausten Standort verlegt wird. Wann das aber der Fall sein soll, weiß sie nicht: „Uns wurde gesagt, dass sich die gesamte Baustelle über fünf Jahre hinzieht.“

„Begrünung könnte helfen“

Mit Lärm von nebenan sei sie aber permanent konfrontiert, die ganze Woche über, Tag und Nacht. Das komme nicht allein vom Lidl-Zentrallager, sondern auch von anderen benachbarten Betrieben: „Wir haben quasi 24 Stunden Lärm. Im Sommer ist das ein noch größeres Problem als im Winter. Wir leiden unter der Hitze, können aber wegen dem Lärm keine Fenster öffnen. Wir sind dem hilflos ausgeliefert.“ Was sie zusätzlich beklagt, ist die Fassade des Lagergebäudes: „Die ist nicht schallschluckend konzipiert. Im Gegenteil: Sie reflektiert den Schall und wirft ihn als Echo zurück. Wenn in der Ötlinger Halde, also im Norden, Schafe weiden, hören wir das Blöken von Süden her.“ Was sie zur Abhilfe vorschlägt, wäre eine Fassadenbegrünung, die dazu beitragen könnte, den Schall aufzunehmen, ohne ihn verstärkt zurückzuwerfen.

Eine Tafel an der Hegelstraße weist Fahrer für die Anlieferung von gekühlter Ware auf die geänderte Verkehrsführung während der Baustellenphase hin. Foto: Andreas Volz

Der Gemeinderat hätte also eine erste Aufgabe darin, sich nicht nur um die Auswirkungen des Gebäudes nach Fertigstellung zu kümmern, sondern auch schon um die Lärmbelästigung während der Bauphase.