Trauer
Volkstrauertag in Kirchheim: „Frieden ist niemals garantiert“

Nicht nur der Vergangenheit zu gedenken, sondern auch den Frieden der Gegenwart zu schützen, dazu rief Oberbürgermeister Pascal Bader bei der Gedenkfeier auf dem Alten Friedhof in Kirchheim auf.

Gedenkfeier zum Volkstrauertag auf dem Alten Friedhof, am Mahnmal für die zivilen Opfer spricht Laetitia König (BePart!) und es werden 21 Rosen niedergelegt, für jede Opfergruppe eine

Am Volkstrauertag wird jener Menschen gedacht, die Opfer von Kriegen, Konflikten oder Anschlägen geworden sind; und an Menschen erinnert, die Verfolgung, Unterdrückung und Gewaltherrschaft erleben mussten. Dass dieses Gedenken leider kein reiner Rückblick ist, sondern eine aktuelle Notwendigkeit, machte Oberbürgermeister Pascal Bader in seiner Rede deutlich. Laut Zahlen des schwedischen Friedensforschungsinstituts Sipri habe die Zahl der weltweiten Kriege im Jahr 2024 einen Höchststand seit 1946 erreicht. Das Institut erfasste 61 Konflikte in 36 Ländern, bei denen mindestens eine der Kriegsparteien ein Staat war.

Gedenken reicht nicht, wir müssen handeln.

Laetitia König, „Be Part!“

„Die Botschaft des Volkstrauertags ist keine historische Pflichtübung“, sagte Bader, „sie ist ein Auftrag, der sich jeden Tag neu stellt.“ Auch die grausamen Kriege auf dem Balkan in den 1990er-Jahren mahnten: „Frieden ist niemals garantiert. Er muss bewahrt, geschützt und immer wieder neu errungen werden. Frieden ist eben kein Naturzustand – er ist eine Aufgabe.“ Auch innerhalb einer Gesellschaft: In einer Zeit, in der Angst und Verunsicherung zunehmen, werde versucht, aus diesen Ängsten Kapital zu schlagen: „Worte werden schärfer, die Bereitschaft zum Kompromiss sinkt, Gräben vertiefen sich.“ Dieser Tag des Gedenkens solle bewusst machen, wohin Ausgrenzung, Hass und Entmenschlichung führen können. Bader dankte all denen, die sich aktuell für den Frieden einsetzen, die sich für Versöhnung aussprechen und diese durch ihre Vermittlung zwischen Konfliktparteien unterstützen. „Versöhnung braucht Zeit.“

Pfarrer Werner Ambacher zitierte Psalm 46 – in diesem alttestamentlichen Psalm ist es Gott selbst, der kriegsbeendend Bogen zerbricht und Spieße zerschlägt. Inmitten der Gewalt gebe es „das Vertrauen und die Sehnsucht, dass Gott eingreift, dass er gründlich aufräumt und gründlich abrüstet“. Beim Propheten Jesaja sei die Vision zu lesen, wie Gott Menschen aus vielen Völkern zusammenbringt, als Lernende, und wie sie aus ihren Waffen Werkzeuge des Friedens machen. „Es ist mühevolle Arbeit, den Krieg zu verlernen.“ Doch es gelte Jesu Zusage aus der Bergpredigt: „Selig sind die Friedensmacher:“

Eindrücklich waren die drei Kurztexte, die Ha Vi Vu, Jana Hekeler und Anton Krämer vom Ludwig-Uhland-Gymnasium vortrugen. Ha Vi Vu las einen Text von Hans-Peter Kraus: 64 lange Jahre hat eine Frau ihren im Krieg gefallen Mann überlebt, so lange Jahre war sie alleine. „Keine Frau sollte 64 Jahre ohne ihren Mann bleiben müssen, diese Verbrecher.“

Musikalisch wurde die Gedenkfeier von der Stadtkapelle und vom Liederkranz Kirchheim unter Teck gestaltet. Im Auftrag der Stadt Kirchheim und des Bundesverteidigungsministers wurden Kränze niedergelegt. Es folgte ein gemeinsamer Gang zum Mahnmal für die zivilen Opfer. Dort forderte Laetitia König von der Kirchheimer Initiative „BePart!“: „Gedenken reicht nicht, wir müssen handeln.“ Sie erinnerte als Vorbild an Otto Mörike, der als Stadtpfarrer von Kirchheim und entschiedener Nazi-Gegner Zivilcourage zeigte. „Lasst uns daran arbeiten, dass Hass und Gewalt in unserer Stadt keinen Raum bekommen.“ Anschließend fügten Teilnehmer dem Mahnmal 21 Rosen hinzu, für jede Opfergruppe eine. Wer immer es kann, sollte die 21 Inschriften des Mahnmals einmal in Ruhe auf sich wirken lassen – auch außerhalb des Volkstrauertags.

Gedenken in den Teilorten

Auch in Lindorf gab es eine Gedenkfeier mit einer Ansprache von Pfarrerin Karin Goetz. Beim Gedenken in Ötlingen sprach Ortsvorsteher Siegfried Stark und es wurde ein Friedensbaum gepflanzt. In Jesingen legten Pfarrer Christoph Schilling und Ortsvorsteherin Gabriele Armbruster mit den Konfirmandinnen und Konfirmanden einen Kranz am Ehrenmal nieder. Bei der Gedenkfeier in Nabern sprach Ortsvorsteher Henrik Peter und legte einen Kranz nieder.