Sommernachtskino-Bilanz
Vom „Kirchenasyl“ zum Stühlestapeln

Beim Sommernachtskino auf dem Kirchheimer Martinskirchplatz war für allerlei Abwechslung gesorgt – bis hin zum Obdach als Rettung vor einem schweren Gewitter kurz vor Filmbeginn.

Volles „Haus“ bei wolkenlosem Himmel und angenehmen Temperaturen: So hat das Sommernachtskino begonnen. Foto: Andreas Volz

Knapp 16.000 Gäste sind an 25 Abenden auf den Martinskirchplatz „gepilgert“, um sich einen Film im Kirchheimer Sommernachtskino anzuschauen. „Das ist ein guter Wert“, zieht Kino-Betreiber Reimund Fischer zufrieden Bilanz. „Der bisherige Rekord liegt bei 18.000 Zuschauern. Da hatten wir aber auch drei Mal einen Eberhofer im Programm.“ Etwas Vergleichbares gab es dieses Mal nicht – hätte es aber geben können: „Wenn wir das ,Kanu des Manitu’ bekommen hätten, dann wären die 18.000 auf jeden Fall drin gewesen für uns.“

Das nächste Jahr wird aufregend, weil wir alles neu planen und konzipieren müssen.

Reimund Fischer über den Ersatzstandort, den er bis Ende des Jahres finden muss

Trotzdem zählt Reimund Fischer fast das gesamte Programm auf, wenn es um die Frage geht, welche Filme gut oder gar besonders gut gelaufen sind. Begehrt waren „Die leisen und die großen Töne“, „Mission: Impossible“, „Der Buchspazierer“, „Der Pinguin meines Lebens“ oder auch „Der Salzpfad“. Das lag ziemlich sicher an den Filmen, denn das Wetter hat in den ersten drei Wochen generell mitgemacht: Es hat genau die Art von lauen Abenden geliefert, die einen Besuch im Sommernachtskino zum außergewöhnlichen Erlebnis werden lassen.

„Die Abschlusswoche hat auch noch mal richtig gut angefangen“, stellt Reimund Fischer fest. „Die Barbaren – Willkommen in der Bretagne“ am Montag und „Formel 1 – Der Film“ am Dienstag standen hoch in der Publikumsgunst. „Aber dann kam ein Einbruch, weil das Wetter unbeständiger und kühler wurde.“

Ein Erlebnis der etwas anderen Art gab es für das Publikum am Freitag, als „Die nackte Kanone“ auf dem Programm stand: Etwa eine Stunde vor Filmbeginn war ein Gewitter über Kirchheim aufgezogen, das sich auch wirklich über Kirchheim ausgetobt hat. Wenn das der Fall ist, schrillen die Alarmglocken beim gesamten Kino-Team, weil dann „Gefahr im Verzug“ ist. Durch den nahen Blitzeinschlag besteht Gefahr für Leib und Leben der Gäste.

Die Kirche schützt vor Blitzen

Das ist der Grund, warum das Team einen Schlüssel für die Martinskirche hat. Regen allein würde nicht genügen. Da müsste schon Hochwasser auf dem Kirchplatz sein, damit sich das Publikum auf die Empore der Martinskirche retten könnte. Aber das Gewitter als solches ist Grund genug für das kurzfristige „Kirchenasyl“. Wer sich einen Regenschutz übergezogen hatte, behielt ihn sogar in der Kirche an und wartete – wie alle anderen auch – geduldig auf die Nachricht, dass das Gewitter vorüber ist und auch der Regen bereits nachgelassen hat. Die besondere Pointe: Kaum war der Film vorüber, setzte schon wieder leichter Regen ein.

„Kirchenasyl“ bei Donner und Blitz: Nach dem Gewitter konnte der Film am Freitag starten. Foto: Andreas Volz

Am Sonntag dann die erwartbare Reaktion während des Abspanns: Die Leute verließen ihre Sitze nicht nur, sie stapelten die Stühle auch auf. Das vielfache Klacken der Plastikstühle ist das hörbare Zeichen dafür, dass die Open-Air-Saison auf dem Martinskirchplatz zu Ende ist. „Da waren alle voll dabei beim Stühlestapeln“, sagt Reimund Fischer schmunzelnd, „ich glaube, das macht ihnen richtig viel Spaß.“

Gute Kooperation mit Partnern

Ihm selbst hat auch das „Kinder-Kirche-Kino“-Programm viel Spaß gemacht, weil beide Nachmittage ausgesprochen gut besucht waren. Beim Gottesdienst zum Film „Heldin“ und beim anschließenden Weißwurstessen zeigte sich ebenso, wie gut, erfolgreich und reibungslos die Zusammenarbeit zwischen Kino und Kirche funktioniert.

Generell lobt der Kino-Betreiber die Kooperation mit den unterschiedlichsten Partnern – mit den Sponsoren, mit der Gastronomie und mit seinem gesamten Team. In allen diesen Bereichen ist die Zusammenarbeit seit Jahren perfekt eingespielt.

Das „Sommernachtskino-Fundbüro“ hat seine Aufgaben auch erfolgreich erledigt und von Hausschlüsseln bis hin zu Geldbeuteln alles zurückgeben können – bis auf einen Autoschlüssel, nach dem bislang noch niemand gefragt hat. Allerdings gibt es auch umgekehrt die Fälle, in denen jemand hoffnungsfroh nach Papieren fragt, die möglicherweise im Sommernachtskino liegengeblieben sein könnten, dort aber nicht gefunden wurden.

Drei Standorte stehen zur Wahl

Ein Rückblick ist aber immer auch Vorschau: „Wir gehen mit Begeisterung das nächste Jahr an“, meint Reimund Fischer und lässt sich dabei auch nicht von den Unwägbarkeiten der Standortwahl abschrecken „Das wird aufregend, weil wir alles neu planen und neu konzipieren müssen – wo auch immer wir unterkommen.“ Drei Standorte stehen in der engeren Wahl, wobei die Stadt Kirchheim ein großes Interesse daran hat, dass das Sommernachtskino als Publikumsmagnet möglichst innenstadtnah unterkommt, wenn der Martinskirchplatz in den kommenden beiden Jahren wegen der Kornhaussanierung baustellenbedingt nicht zur Verfügung steht.

Kurz nach Filmende am Sonntag sind alle Stühle aufgestapelt. Foto: Andreas Volz

„Gegen Ende des Jahres wissen wir, wo wir unser Ausweichquartier aufschlagen können, und das geben wir dann auch zeitnah bekannt“, sagt Reimund Fischer. Was er dagegen jetzt schon mitteilen kann, ist das Zeitfenster: „Wir beginnen am 3. August und hören am 27. August auf.“ Das ist dann ein echtes Novum, weil das Kino an einem Montag startet und an einem Donnerstag endet. Dadurch wird es möglich, die Wochenenden zu nutzen für den Auf- und den Abbau.