Hospiz
Was zählt im Leben wirklich?

Die Veranstaltung „Letzte Lieder“ gastiert am 21. Februar in Kirchheim. Text und Musik geben Auskunft über die letzten Dinge, die ganz unterschiedlichen Menschen am Ende ihres Lebens wichtig waren.

Mit einem Großaufgebot an Sprechen, Musikern und Technik warten die „Letzten Lieder“ auf, die am Samstag, 21. Februar, im Kirchh
Mit einem Großaufgebot an Sprechen, Musikern und Technik warten die „Letzten Lieder“ auf, die am Samstag, 21. Februar, im Kirchheimer Steingau-Zentrum Station machen – unter der musikalischen Leitung von Bezirkskantor Ralf Sach. Foto: Andreas Sach

Letzte Lieder – der Name ist Programm: Es geht um Lieder, aber auch um die letzten Dinge, die Menschen im Hospiz bewegen. Es geht um die Gedanken und die Geschichten von Menschen, die wissen, dass sie nicht mehr lange zu leben haben. Am Samstag, 21. Februar, macht die Veranstaltungsreihe, die in ganz Deutschland gastiert, Station in Kirchheim, im Steingau-Zentrum der Evangelisch Freikirchlichen Gemeinde. „Wir veranstalten das mit Unterstützung des Hospizdiensts Kirchheim“, sagt Pastor Günter Öhrlich.

Wir wollen ein Fest des Lebens feiern.

Ralf Sach über die „Letzten Lieder“, die Themen wie Sterben und Tod enttabuisieren

Initiator war der Journalist und Autor Stefan Weiller. Er hatte sich vor vielen Jahren auf einen Termin im Hospiz vorbereitet. Empfangen wurde er mit offenen Türen und dem Eindruck, dass dort das pralle Leben in vollem Gange ist. Seine Gesprächspartnerin war es, die ihm die Fragen stellte. Die entscheidende: „Sind Sie eigentlich glücklich mit Ihrem Leben?“

Bedrückend, humorvoll, bewegend

Das Thema hat Stefan Weiller nicht mehr losgelassen. Er hat es quasi zu seinem Lebensthema gemacht. Seither hat er unzählige Gespräche in Hospizen geführt. Die Geschichten dahinter sind bedrückend, sie sind humorvoll. Vor allem aber sind sie bewegend.

Die erste Gesprächspartnerin hatte von Gründen berichtet, warum sie die geplante Reise nach Skandinavien nicht antreten konnte. Die Kinder waren zu klein, das Haus noch nicht abbezahlt. Geblieben ist ihr von Skandinavien aber das schwedische Volkslied „Uti vår hage“ – „Auf unserer Wiese“. Die Frau hat zu Stefan Weiller gesagt: „Wenn Sie an mich denken oder über mich schreiben, dann denken Sie an dieses Lied.“

Bei den „Letzten Liedern“ geht es um viele Geschichten und um viele Melodien, immer wieder auch um andere. „Aber ,Uti vår hage’ spielen wir immer, das ist unsere Hymne geworden“, sagt Kirchheims Bezirkskantor Ralf Sach. Seit 2013 gibt es die „Letzten Lieder“, und es gibt sie nach wie vor. „Das hätten wir am Anfang nie gedacht. Wir waren von einer einzigen Veranstaltung ausgegangen – maximal drei bis vier.“

Er selbst wollte überhaupt nicht mitmachen: „Ich war mit Stefan Weiller eher flüchtig bekannt – und mich an so etwas wie ,Letzten Liedern’ zu beteiligen, war damals so ziemlich das Letzte, was ich wollte.“ Für Klavier und Orgel hätte er zuständig sein sollen, und dazu hatte er sich breitschlagen lassen: „Das Ende vom Lied: Ich bin der musikalische Leiter.“

Wichtig für Ralf Sach: „Es geht um viel mehr als um das Sterben und den Tod. Es geht ums Leben, um die Frage: Wie gehen Menschen mit ihrem Leben um, sobald sie wissen, dass es nicht mehr lange dauern wird?“ Die Antworten sind so vielfältig wie die Musik, die den Menschen wichtig ist. Die Bandbreite der Musik reicht von Schütz-Motetten bis Rammstein – von „Weißt du, wie viel Sternlein stehen?“ bis zur Stadion-Hymne „Für immer VfB“.

Es geht um Menschen aller Religionen und Konfessionen, auch um Agnostiker. Sie alle haben eines gemeinsam: Sie müssen mit der Sterblichkeit zurechtkommen – und zwar nicht in philosophischen Grundsatzdebatten über das allgemein-menschliche Schicksal, sondern mit der eigenen Sterblichkeit, mit dem Ende des eigenen Lebens, das unmittelbar bevorsteht.

Immer bleibt eine Hoffnung

Das bewegt auch den Pastor: „Wichtig ist die Enttabuisierung des Themas. Was diese Menschen erzählen, ist grundehrlich. Sie müssen kurz vor dem Sterben keinem mehr etwas vormachen.“ Auch wenn die „Letzten Lieder“ keine genuin christliche Veranstaltung sind, hört Günter Öhrlich trotzdem eine christliche Botschaft heraus: „Bei allem Schmerz und Leid bleibt immer eine Hoffnung.“ Diese Hoffnung kann ganz unterschiedlich sein und sogar sehr diesseitig ausfallen: Da gibt es zum Beispiel die Frau, die auch im Hospiz noch jede Woche ihren Lottoschein ausfüllt, weil sie das immer so gemacht hat.

Selbst darin steckt für Günter Öhrlich noch eine wichtige Botschaft: „Es geht immer auch um das Heute, um das gegenwärtige Leben.“ Ralf Sach ergänzt: „Mit den ,Letzten Liedern’ wollen wir ein Fest des Lebens feiern.“

Wer mitfeiern möchte, kann in Kirchheim bei der Buchhandlung Bandle in der Schülestraße, im Leseladen in der Wellingstraße oder auch unter www.efg-kirchheim.de/termine/letzte-lieder Karten erwerben. Und wenn die Veranstaltung am 21. Februar mit dem Einlass ab 18 Uhr beginnt, gilt als Motto die Zeile aus „Uti vår hage“: „Die Sonne geht unter, doch die Hoffnung geht auf.“