Welches Wachthaus ist eigentlich das „historische“? Die Diskussion um das sanierte Wachthaus und insbesondere um die Position der Uhr kann ich nur bedingt nachvollziehen. Wer historische Aufnahmen des Wachthauses betrachtet, sieht: Das Gebäude hatte früher kein sichtbares Fachwerk. Es war verputzt – so, wie es sich nach der Sanierung heute wieder präsentiert. Auch die Uhr befand sich auf historischen Aufnahmen bereits im Giebel und damit dort, wo sie heute wieder angebracht ist.
Das Sichtfachwerk und die Uhr am Türmchen entsprechen dagegen einem späteren Zustand – einem Zustand allerdings, an den sich Generationen von Kirchheimern gewöhnt haben. Aber ist Gewohnheit automatisch historisch?
Natürlich kann man das Wachthaus mit sichtbarem Fachwerk schöner finden. Das ist Geschmackssache. Gerade wenn ein historisches Gebäude jedoch aufwendig und unter denkmalpflegerischen Gesichtspunkten saniert wird, finde ich es konsequent, sich an einem historisch belegten Erscheinungsbild zu orientieren – auch wenn dieses für viele zunächst ungewohnt aussieht.
Hinzu kommt: Das Wachthaus ist noch gar nicht vollständig fertiggestellt. Unter anderem fehlen noch die Fensterläden, die das Erscheinungsbild sicherlich noch einmal deutlich verändern werden. Vielleicht sollte man das Endergebnis erst einmal abwarten, bevor bereits wieder über Änderungen diskutiert wird.
Dass nun überlegt wird, die Uhr wieder an ihren bisherigen Platz am Türmchen zu versetzen, kann ich deshalb ebenfalls nicht nachvollziehen. Denn auch der heutige Standort im Giebel ist historisch belegt. Er entspricht lediglich nicht dem Bild, das die meisten von uns aus den vergangenen Jahrzehnten kennen.
Vielleicht sollten wir dem fertig sanierten Wachthaus erst einmal eine Chance geben und akzeptieren, dass „historisch“ nicht zwangsläufig das bedeutet, was wir persönlich seit Jahrzehnten gewohnt sind.
Wenn schon historisch, dann konsequent – und nicht nach Gewohnheit.
Veronika Gölz, Kirchheim
