Kirchheim

Balkone werden mit Parkblick inszeniert

Wohnungsbau In Kirchheim sollen zwischen Schloss und Herrschaftsgärten mehrgeschossige Gebäude entstehen. Am Kreisverkehr sieht der Bebauungsplan sogar ein sechsstöckiges Eckhaus vor. Von Andreas Volz

Die Gebäude am linken Ufer sollen fünf neuen Wohngebäuden weichen. Das zumindest ermöglicht ein Bebauungsplan, dessen Aufstellun
Die Gebäude am linken Ufer sollen fünf neuen Wohngebäuden weichen. Das zumindest ermöglicht ein Bebauungsplan, dessen Aufstellung der Kirchheimer Gemeinderat beschlossen hat.Foto: Jörg Bächle

Die Kirchheimer Herrschaftsgärten dürften ihr Aussehen stark verändern: Wo bisher zwischen dem neuen Bürgerpark und der Alleenstraße samt Schloss noch eine idyllisch-verwilderte Uferböschung liegt – mit eher spärlicher Bebauung –, plant ein Investor den Bau von fünf mehrgeschossigen Wohngebäuden, von denen vier völlig gleichförmig in Reih und Glied daherkommen. Großzügig ausgelegte Balkone gehen in Richtung Westen und geben den Blick auf den Park frei, also auf das ehemalige Gelände des Pädagogischen Fachseminars. Deshalb hat das Projekt auch den Namen „Lauter-Terrassen“.

Zum Plangebiet gehören aber nicht nur die neuen Wohngebäude, sondern auch der Bürgerpark, der als Grünfläche festgesetzt ist. Deshalb heißt es in der Sitzungsvorlage des Gemeinderats: „Der Bebauungsplan dient der Schaffung von innerstädtischem Wohnraum und der Sicherung der Parkanlage.“ Diese „Sicherung“ für den Park könnte vielleicht auch in ganz anderer Hinsicht erfolgen: Die geplante Bebauung dürfte für den Park nämlich ziemlich sicher so etwas wie eine soziale Kontrolle darstellen: Wer in einer Wohnung mit gehobenen Ansprüchen lebt, wird wohl ein Auge darauf haben, was auf der anderen Seite des Gewässers vor sich geht.

Die „Schaffung von innerstädtischem Wohnraum“ dagegen ist ganz eindeutig zu verstehen: Vier Gebäude an der Alleenstraße sollen über drei Vollgeschosse und ein zurückgesetztes Geschoss auf der Dachterrasse verfügen. Noch größer würde das fünfte Gebäude ausfallen, das – der Planung zufolge – direkt am Kreisverkehr entstehen soll: Es verläuft mit zwei unterschiedlichen stumpfen Winkeln über Eck und soll nicht nur dadurch eine dominante Wirkung erzielen, sondern auch durch seine sechs Geschosse.

Zum Parken ist eine zweigeschossige Tiefgarage vorgesehen, die von allen fünf Gebäuden aus zu erreichen ist. Weitere Ziele der Planung bestehen darin, die Straßenkante entlang der Alleenstraße zu „fassen“, und zu einer „verträglichen Nachverdichtung im Innenbereich“ zu gelangen. Die Nachverdichtung wird mit dem Projekt auf jeden Fall erreicht. Inwieweit sie auch verträglich ist, darüber dürfte es unterschiedliche Ansichten geben. Auch im Gemeinderat waren die Stimmen unterschiedlich. Die Grünen-Fraktionsvorsitzende Sabine Bur am Orde-Käß sprach von einer „Aufwertung an dieser Stelle“ und von einer „richtig guten Sache“, die anspruchsvolles Wohnen mitten in der Stadt ermögliche.

Andreas Banzhaf (Freie Wähler) sah die Planung des Pforzheimer Büros PWS Architekten ebenfalls als gelungen an, meinte aber, dass der sechsgeschossige Eckbau „vielleicht doch ein bisschen zu mächtig“ wirken könne. Die Frage sei, wie sich das in die Umgebung einfügt. Der CDU-Fraktionsvorsitzende Dr. Thilo Rose meinte gar, dass ihn dieser Baukörper zunächst „nachdenklich“ mache. Hier gelte es das Modell abzuwarten, um sich ein genaueres Bild davon machen zu können.

Letztlich hat der Gemeinderat den Bebauungsplan als solchen aber doch einstimmig abgesegnet. Wie die Bebauung wirklich aussehen soll, ist damit noch nicht endgültig festgelegt.

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