Kirchheim

„Der Wert der Musik ist nicht zu ersetzen“

Erinnerung Vor 50 Jahren trat Astrid ­Sawilla als erste Musikschulleiterin ihren Dienst in Kirchheim an. Zehn Monate später gab es acht Lehrer und 600 Schüler. Von Renate Schattel

Astrid Savilla liegt die Kirchheimer Musikschule noch immer am Herzen. Foto: pr

Astrid Sawilla, ­geborene Steinbrenner, begann ab Januar 1974 an der im Herbst 1973 neu gegründeten Musikschule in Kirchheim und wurde mit der Aufgabe betraut, die musikalische Früherziehung einzurichten. Schon ab März unterrichtete sie zehn Gruppen mit jeweils zwölf Schülerinnen und Schülern im Spital, das damals noch ein Provisorium war. Ab da gab sie auch Gesangsunterricht. Nach einem Bewerbungsverfahren und einem Vortrag über ihre pädagogischen Ziele wählte das Kuratorium des Volksbildungswerks am 23. März 1974 Astrid Steinbrenner zur ersten Leiterin.

Ab dem 1. April 1974 gestaltete die ausgebildete Opernsängerin die pädagogische Arbeit der neuen Kirchheimer Institution. Die geschäftsführende Leitung oblag dem Leiter der Volkshochschule, Dr. Peter Klöcker.

Astrid Sawilla wuchs in Geislingen an der Steige auf. „Ich hatte schon sehr früh Kontakt mit kirchenmusikalischer Chorliteratur und Oratorien“, erinnert sie sich. Sie sang als jüngstes Chormitglied im Oratorienchor und wurde oft mit solistischen Aufgaben betraut. Bald erhielt sie private Gesangsstunden. Ab dem Jahr 1963 studierte sie an der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst in Stuttgart Gesang und schloss ihr Studium 1971 mit der Opernreifeprüfung ab. Schon während ihres Studiums war sie eine gefragte Solistin, und nahtlos engagierte sie das Stadttheater Passau für die verschiedensten Rollen. „Nach zwei Jahren ist mir aber klar geworden, dass ich diese musikalische Tätigkeit nicht weiterführen will“, erklärt die Sängerin. „Ich wollte unterrichten und meine Kenntnisse in Gesang weitergeben.“

Deshalb besuchte sie während ihrer spielfreien Zeit an der Stuttgarter Musikschule bei Lucie Steiner das Programm für musikalische Früherziehung und unterrichtete selbst Kindergruppen. So gelangte die Bühnensängerin auf die 1973 ausgeschriebene Stelle für Früherziehung, Rhythmik und Gesang nach Kirchheim. Unter ihrer Leitung entwickelte sich die Musikschule kontinuierlich. In Nabern und Jesingen befanden sich Außenstellen. „Ich habe ortsansässige Privatmusiklehrerinnen und -lehrer in die Musikschule integriert.“ Dabei waren ihr die Freude am Unterrichten und die pädagogische Eignung die wichtigsten Auswahlkriterien.

Wunsch nach Beständigkeit

Ihr erster Eindruck von der ganzen Stadt war positiv. „Ich fand Kirchheim sehr modern und gemütlich zugleich. Besonders beeindruckt haben mich der Wochenmarkt und die tolle Altstadt mit den faszinierenden Fachwerkbauten. Ich habe gestaunt über den alten Bahnhof, der noch mitten in der Stadt war. Es wurden neue Gebäude errichtet, die für die Bevölkerung wichtig waren, wie Turnhallen und ein Hallenbad.“

1980 zog sie sich in die Familienphase zurück. Ab 1991 konnte sie wieder an der Musikschule Stimmbildung und Gesang – auch für Erwachsene – geben. Bis heute hängt ihr Herz an der Musikschule. „Ich wünsche der Musikschule Beständigkeit, gute Pädagogen und weiterhin das große Interesse der Bürger an dieser Einrichtung. Sie ist unentbehrlich und eine große Bereicherung für das kulturelle Leben der Stadt Kirchheim.“ Der Leitspruch von Astrid Sawilla lautet: „Der Wert der Musik in all ihrer Vielfalt ist für den Menschen durch nichts zu ersetzen.“