Kirchheim

Keine Altlasten - und erst recht kein Gift

Steingau-Quartier Für den Boden auf dem ehemaligen EZA-Gelände besteht eine Entsorgungsrelevanz. Das macht zwar die Erschließung teurer, stellt aber keine Gefahr für spätere Bewohner dar. Von Andreas Volz

Noch ist der Boden im Steingau-Quartier mit vielen Steinen übersät. Ende April soll aber bereits der Baubeschluss zur Erschließu
Noch ist der Boden im Steingau-Quartier mit vielen Steinen übersät. Ende April soll aber bereits der Baubeschluss zur Erschließung gefasst werden.Foto: Markus Brändli

Der Boden im Kirchheimer Steingau-Quartier - also auf dem ehemaligen EZA-Gelände - gilt als „entsorgungsrelevant“. Das ist aber nicht zu verwechseln mit „Altlasten“, wie Oberbürgermeisterin Angelika Matt-Heidecker betont. Sicherheitshalber fügt sie hinzu: „Das ist nicht giftig.“ Es gebe zwar eine Belastung durch PAK - Polycyclische aromatische Kohlenwasserstoffe, die bei der Verbrennung von organischem Material entstehen können. Aber die Entsorgung des Erdmaterials werde dadurch allenfalls teurer. Bauwillige müssten keineswegs mit Giften rechnen.

Die Entsorgungsrelevanz des Aushubs könne insgesamt zu Mehrkosten von bis zu 500 000 Euro bei der Erschließung führen: „Wir müssen noch überlegen, wie wir mit diesen Mehrkosten umgehen - ob die Stadt sie schultert oder ob wir sie an die künftigen Erwerber weiterreichen.“ Das hänge auch von der tatsächlichen Höhe der Mehrkosten ab, über die sich zum jetzigen Zeitpunkt noch nichts Konkretes beziffern lasse.

Formal aber gibt es auf dem Gelände keine Altlasten mehr: „Es wurde uns altlastenfrei übergeben. Im Gespräch mit dem Landratsamt hieß es, dass mit dem Abriss des EZA-Gebäudes alles als vollständig saniert gilt.“ So weit, so gut - doch zur noch größeren Verwirrung gibt es eine weitere Besonderheit. Angelika Matt-Heidecker: „Das gesamte Gelände bleibt trotzdem im Altlastenkataster.“ Der Grund dafür ist zwar einfach, aber angesichts der gesamten Thematik für Laien doch nur schwer nachvollziehbar: „Das Kataster unterscheidet nicht zwischen Altlast und Entsorgungsrelevanz.“

Was bedeutet das alles nun für diejenigen, die auf dem Gelände gerne bauen oder später einmal wohnen wollen? Zum aktuellen Boden sagt die Oberbürgermeisterin: „Man wird dort keine Radieschen anpflanzen können.“ Nicht, dass die Radieschen nicht gedeihen würden, aber ihr Verzehr wäre nicht sonderlich gedeihlich.

Also alles doch ganz schlimm, auch ohne Gift? Angelika Matt-Heidecker winkt ab: „Wenn der Boden abgetragen ist, kann man hinterher auf dem Gelände trotzdem sein Gemüse züchten.“ Schließlich wird dann ja neuer Boden herangekarrt, der in jeder Hinsicht unbelastet ist.

Der entsorgungsrelevant belastete bisherige Boden wird ohnehin entfernt und entsorgt. Auch in diesem Fall ist der Grund dafür recht simpel: „Die Ankernutzer bauen unter alle Quartiere Tiefgaragen.“ Es wird also genügend Boden abgetragen, bevor dort irgendetwas Neues entstehen kann.

Fazit der Oberbürgermeisterin: „Wir kriegen das alles in den Griff. Lange bevor Menschen dort hinziehen, ist das erledigt.“

Allerdings ist die Entsorgungsrelevanz des Bodens ein weiteres Glied in der langen Kette, die zu Verzögerungen auf dem Areal geführt hat. Vorausgegangen waren die langen Verhandlungen der Stadt mit dem vorherigen Eigentümer sowie die Problematik der Grunddienstbarkeiten, die noch nicht gelöscht waren.

So entstand in der Öffentlichkeit der durchaus zutreffende Eindruck, dass sich auf dem Steingau-Areal rein gar nichts tut. Auf dem Areal hat sich tatsächlich nichts getan, weil das aus unterschiedlichen Gründen nicht möglich war. Selbst die Bodenbelastung hätte sich zu keinem früheren Zeitpunkt erkennen lassen, wie die Oberbürgermeisterin bereits im Gemeinderat erläutert hatte: „Die Besitzübergabe ist zum 1. Januar 2017 erfolgt. Vorher durften wir gar nicht auf das Gelände - auch nicht, um Bodenproben zu ziehen.“

Dennoch geht die Arbeit im Hintergrund unvermindert fort, auch wenn nichts davon deutlich sichtbar ist: „Wir arbeiten intensiv an diesem Quartier. Die Nachfrage ist groß - von Unternehmern, die als Ankernutzer auftreten wollen, bis hin zu Bürgern, die dort einmal wohnen wollen.“

Letzteres bestätigte der zuständige Bürgermeister Günter Riemer im Gemeinderat: „Das größte Interesse besteht an Wohnungen zum Kauf. Da haben wir 222 Interessenten.“ Wann die ersten Wohnungen sich beziehen lassen, ist bis jetzt noch nicht eindeutig vorauszusagen. Aber die nächste Planung der Stadt sieht vor, dass der Technik- und Umweltausschuss am 26. April den Baubeschluss zur Erschließung des Geländes fasst.

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