Kommunalwahl

Kirchheim: Freie Wähler bleiben an der Spitze

Gemeinderatswahl In Kirchheim bleibt es bei 37 Sitzen – CDU schiebt sich vor die Grünen – SPD ist gänzlich unverändert – AfD holt drei Mandate – Drei Gruppierungen haben je zwei Sitze im Gremium. Von Andreas Volz

Mit großer Spannung erwartet, liegt es nun vor – das Ergebnis der Kirchheimer Gemeinderatswahl. Die Freien Wähler bleiben trotz 2,71 Prozentpunkten Verlust an erster Stelle. Die CDU hat Boden gut gemacht und schiebt sich mit 2,49 Prozentpunkten mehr an die zweite Position. Die Grünen sind nach großen Gewinnen vor fünf Jahren wieder in etwa auf dem Niveau von 2014 angekommen: Ein Verlust von 6,29 Prozentpunkten bedeutet das Ende des Höhenflugs – wie auch bei der Europa-, der Regional- und der Kreistagswahl. Die SPD legt um 1,10 Prozentpunkte zu und rangiert knapp hinter den Grünen.

Vier Listen liegen unter zehn Prozent: Die AfD holt gleich auf Anhieb 9,37 Prozent und setzt sich damit an die Spitze der „unteren Tabellenhälfte“. Der FDP/KiBü-Liste ergeht es ähnlich wie den Grünen: Sie verliert 2,49 Prozentpunkte und liegt damit in etwa bei ihrem Ergebnis von 2014. Die Liste „Kirchheim.Sozial“ (KiSo) ist nicht ganz aus dem Stand gestartet, denn sie ersetzt gewissermaßen die Liste der Linken, die vor fünf Jahren erstmals angetreten war und dabei 4,83 Prozent der Stimmen geholt hatte. Die Christliche Initiative Kirchheim (CIK) verliert 0,96 Prozentpunkte und bildet das Schlusslicht.

Im neuen Kirchheimer Gemeinderat, der Ende Juli zu seiner konstituierenden Sitzung zusammenkommt, bleibt es bei fünf Ausgleichsitzen – bedingt durch die unechte Teilortswahl. Das Gremium hat deshalb wieder 37 Mitglieder, wie seither auch.

Die Freien Wähler geben einen Sitz ab, behalten aber die Mehrheit mit acht Sitzen. Die CDU legt zu und kommt auf sieben statt sechs Sitze. Ebenfalls sieben Vertreter schicken die Grünen in den neuen Rat, zwei weniger als bislang. Die SPD behält ihre Zahl von sechs Sitzen – die außerdem allesamt von denselben sechs Personen besetzt werden, die derzeit schon die Fahne der SPD im Gemeinderat hochhalten. Die AfD erhält drei Sitze und damit den Fraktionsstatus.

Diesen Status verliert die FDP/KiBü, die nur noch über zwei statt drei Sitze verfügt. Das stuft die Liste von einer Fraktion zur Gruppierung herab. Ebenfalls mit zwei Mandaten sind KiSo und CIK vertreten. Beide Listen ergänzen somit die Liberalen zum künftigen Trio der Gruppierungen.

Gewinne und Verluste der Kirchheimer Gemeinderatswahl decken sich zwar mit den Ergebnissen der anderen Wahlen vom Sonntag. Aber es gibt eine Ausnahme: Die SPD gewinnt zumindest Stimmenanteile hinzu, wenn auch keine Sitze. Das Beispiel zeigt, dass es bei einer Gemeinderatswahl nicht nur um Parteipolitik geht, sondern auch um die Persönlichkeiten, die sich um einen Sitz bewerben. Mit Andreas Kenner stellt die SPD wieder einmal den Stimmenkönig, auch wenn er mit 12.167 Stimmen sein Ergebnis von 2019 um 77 Stimmen verfehlt hat. 14,5 Prozent aller SPD-Stimmen gehen auf sein Konto.

Mit geringem Abstand folgt ihm seine Landtagskollegin Natalie Pfau-Weller (CDU, 12.079 Stimmen). Bettina Schmauder (Freie Wähler) reiht sich ebenfalls unter den fünfstelligen Stimmenzahlen ein: 10.603 Stimmen kann sie für sich verbuchen. Die 10.000 knapp verfehlt hat ihr Fraktionskollege Andreas Banzhaf, der als „Wiedereinsteiger“ mit 9.696 Stimmen auf dem vierten Platz liegt.

Bei den Grünen wird der Verlust von Sabine Bur am Orde-Käß auch an den Zahlen deutlich: Die Stadträtin, die vor einem Jahr verstorben ist, hatte 2019 noch 8.862 Stimmen erhalten. Dieses Mal ist es Sabine Lauterwasser, die den ersten Platz bei den Grünen belegt. Mit 8.597 Stimmen fährt sie das insgesamt fünftbeste Ergebnis der Wahl vom Sonntag ein.

Nicht viel anders sieht es bei der FDP/KiBü aus: Vor fünf Jahren war die Bundestagsabgeordnete Renata Alt noch das große „Zugpferd“, das dieses Mal fehlte. Ganz anders ist die Lage bei „Kirchheim.Sozial“: Heinrich Brinker muss sich als Initiator der Liste mit dem dritten Platz zufriedengeben und verfehlt damit den Wiedereinzug ins Gremium. Die CIK stellt mit Tobias Öhrlich und Gerd Mogler dieselben Mandatsträger wie bisher. Für die AfD sitzen künftig Markus Berthold, Siegfried Nöhring und Antonio Zeccola im Gemeinderat.

Die Wahlbeteiligung lag mit 59,66 Prozent um 3,37 Prozentpunkte höher als vor fünf Jahren. 868 Stimmzettel waren ungültig, was einem Anteil von 4,62 Prozent entspricht. Daran zeigt sich die Komplexität der Gemeinderatswahl. Bei der Kreistagswahl waren in Kirchheim 2,88 Prozent der Stimmzettel ungültig, bei der Regionalwahl 1,10 Prozent und bei der Europawahl 0,99 Prozent.

Folgende 37 Bewerber erhalten einen Sitz im Gemeinderat:

Freie Wähler: Bettina Schmauder, Andreas Banzhaf (neu), Ralf Gerber, Ulrich Kübler, Karl Michael Bantlin (neu), Martin Döbler, Reinhold Ambacher (Jesingen) und Rainer Kneile (Nabern).
CDU: Natalie Pfau-Weller, Norbert Smetak (neu), Giancarlo Crescente (neu), Dieter Franz Hoff, Antonia Coppin-Renz (neu), Tobias Unger (neu, Ausgleichsitz) und Michael Haug (Ausgleichsitz).
Grüne: Sabine Lauterwasser, Manfred Machoczek, Michael Attinger, Aline Theodoridis (neu), Jean-Pierre Ries (neu), Martin Gienger (Jesingen) und Gundula Folkerts (Nabern, neu).
SPD: Andreas Kenner, Marc Eisenmann, Andrea Helmer-Denzel, Michael Faulhaber, Stefan Gölz und Marianne Gmelin (Jesingen).
AfD: Markus Berthold (neu), Siegfried Nöhring (neu) und Antonio Zeccola (neu, Ausgleichsitz).
FDP/KiBü: Hans Kahle und Jens Hildebrandt.
KiSo: Simone ­Selck (neu) und Sandra Eickelmann (neu, Ausgleichsitz).
CIK: Tobias Öhrlich und Gerd Mogler (Ausgleichsitz).