Weilheim und Umgebung

Von Montevideo bis nach Montreal

Motorradreise Der Weilheimer Unternehmer Rolf Rilling hat mit dem Motorrad Süd- und Nordamerika bereist. Bei seinem Abenteuer legte er 44 000 Kilometer zurück. Von Daniela Haußmann

Pazifikküste in Oregon, USA
Pazifikküste in Oregon, USA

Ausgetretene Pfade zu beschreiten ist nicht Rolf Rillings Sache. Wenn es den Weilheimer in ferne Länder zieht, tun sich nicht nur atemberaubende Landschaften vor ihm auf. Der 57-Jährige taucht abseits bekannter Touristenrouten in fremde Kulturen und Lebenswelten ein. Auf Rillings Abenteuerreisen darf seine BMW R1200 GS nicht fehlen. Das Motorrad baut Brücken. „Wer selbst Biker ist, weiß, dass sich mit kaum einem anderen Fahrzeug so schnell Kontakte knüpfen lassen“, berichtet der Weltenbummler. So auch auf seiner rund 44 000 Kilometer langen Tour von Feuerland nach Kanada, die er 2016 in zwei Etappen absolvierte.

Als Rolf Rilling seine Maschine Mitte Januar beim Zoll in Montevideo, der Hauptstadt von Uruguay, abholt, erwartet ihn eine Reise voll spannender Gegensätze. Einsame Pistenwege, Wüstenlandschaften, steile Gebirgspässe, schroffe Gletscher, raue Flussbetten und Regenwälder – Lateinamerika lässt das Herz des passionierten Motorradfahrers höher schlagen. „Was andere als waghalsig oder extrem empfinden, ist für mich ein tolles Erlebnis, bei dem ich Entspannung finde und Energie tanke.“ Tangotänzer, Straßenmusikanten, bunte Häuserfassaden und pulsierendes Leben in abgelegenen Gassen – die argentinische Metropole Buenos Aires fasziniert den Weilheimer, der schon 80 Länder bereist hat.

Die alten Traditionen der Region spürt Rilling in dem Ort Cholila auf. Alljährlich findet dort das nationale Grillfest, die „Fiesta Nacional del Asado“ statt. Zigtausend Einheimische lockt das Spektakel an, bei dem Unmengen an Fleisch auf einem 250 Meter langen Grill gegart werden. Musik, Tanz, Rodeo, Gauchos und die Wahl der Grillkönigin – für den Weilheimer ein Erlebnis, bei dem er Sitten, Gebräuche und Menschen kennenlernt.

„Das Fest genießt einen hohen Bekanntheitsgrad. Trotzdem begegnete ich keinem einzigen Touristen“, erzählt Rolf Rilling, der es sich nicht nehmen ließ, mit seinem Motorrad einen Abstecher in die Atacama-Wüste zu machen, den trockensten Ort der Welt. Imposant war für den Weltenbummler auch der Besuch der mit 10 000 Quadratkilometern größten Salzpfanne der Erde. Sie liegt rund 80 Kilometer von der bolivianischen Stadt Uyuni entfernt. Die Salzmenge des Salar de Uyuni wird auf zehn Milliarden Tonnen geschätzt, von denen jährlich etwa 25 000 Tonnen abgebaut werden.

Wer Machu Picchu sehen und abseits der Touristenmassen erleben will, dem rät Rolf Rilling, einen Tag vorher anzureisen und sich ein Zimmer in einem der Hostels zu nehmen. „Die Inka-Rail, ein Zug, der Besucher in die sagenumwobene Bergstadt fährt, ist nichts für arme Schüler, Studenten und Schwaben“, weiß der Abenteurer. „Wem 300 Euro für Hin- und Rückfahrt zu viel sind, der hat die Möglichkeit, mit einem Kleinbus für 25 Euro inklusive Mittagessen ans Ziel zu kommen.“ Allerdings beinhaltet diese Variante laut Rolf Rilling noch einen rund zwölf Kilometer langen Fußmarsch. „Um 5 Uhr wird der Eingang geöffnet. Der große Andrang beginnt erst um 9 Uhr“, so der Unternehmer.

In Cartagena parkte Rilling seine BMW, flog über Kuba zurück nach Deutschland. Wochen später setzte er seine Reise fort. Von Kolumbien ging es mit einem 110 Jahre alten Zweimaster und der Maschine im Laderaum nach Panama. „Eine andere Möglichkeit, die Grenze zu überqueren, gibt es nicht“, berichtet Rolf Rilling. „Es besteht keine Straßenverbindung zwischen den Ländern, und wer sich durch den Busch schlägt, riskiert, von Rebellen entführt zu werden.“

Den Kanal und die atemberaubende Altstadt von Panama City hinter sich lassend, führte Rillings Weg weiter über Costa Rica, Nicaragua, Honduras, El Salvador, Guatemala, Belize und Mexiko in die USA, wo er Las Vegas und San Francisco besuchte. Hauptattraktion der von Frisco nach Norden führenden Straße entlang der Pazifikküste sind, aus Sicht des Bikers, die Sequoia Nationalparks mit ihren riesigen und uralten Mammutbäumen.

Auf der 4 000 Kilometer langen Strecke nach Fairbanks in Alaska wandelten sich nicht nur Vegetation und Klima. „Kurven sucht man dort vergebens. 100 bis 200 Kilometer geht es geradeaus“, bilanziert der Weilheimer, der in Alaska für ein Bier und eine Pizza rund 35 Dollar bezahlte. Ein Kontrastprogramm zu südamerikanischen Preisen.

Auf seiner Tour traf Rilling einen echten Goldgräber, der von April bis September mit Erfolg nach dem Edelmetall sucht und den Winter in Florida verbringt. Davon inspiriert, belegte der Schwabe gleich einen Goldwaschkurs am Bonanza Creek. Auf Mähnenrobben, Gürteltiere und Magellan-Pinguine wie in Lateinamerika stieß Rolf Rilling hier zwar nicht, dafür aber auf Bisonherden, die die Straße kreuzten. Seine Mammuttour endete im August 2016 in Montreal. „Doch das nächste Abenteuer ist schon in Planung“, versichert Rolf Rilling lächelnd.

Marktfrau in Cartagena, Kolumbien
Marktfrau in Cartagena, Kolumbien
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Echsen in Guayaquil, Ecuador
Echsen in Guayaquil, Ecuador
Goldschwimmbagger in    Dawson, Kanada
Goldschwimmbagger in Dawson, Kanada
Asado-Fest  in Cholila, Argentinien
Asado-Fest in Cholila, Argentinien
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Pipeline bei Fairbanks, Alaska
Pipeline bei Fairbanks, Alaska
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