Zwischen Neckar und Alb

Die Abfall-App kommt gut an

Müll In Deutschland wird getrennt und gesammelt, aussortiert und wiederverwertet. Da kann schon mal der Überblick verloren gehen, welcher Müll wann wohin gehört. Eine App weist erfolgreich den Weg. Von Uwe Gottwald

An den Glascontainern wird oft Müll abgestellt, der dort gar nicht hingehört - oder es passt nicht alles rein. Foto: Dieter Ruof
An den Glascontainern wird oft Müll abgestellt, der dort gar nicht hingehört - oder es passt nicht alles rein. Foto: Dieter Ruoff

Die Abfall-App als die neueste Errungenschaft der Servicestelle des kreiseigenen Abfallwirtschaftsbetriebs (AWB) kommt offenbar gut an: Ende 2015 eingeführt, verzeichnete das Angebot einen stetigen Anstieg auf 28 000 Benutzer Ende vergangenen Jahres. Denn die App ist mehr als die digitale Version des jährlich auf Papier gedruckten Müllkalenders. Der kostenlose mobile Internetservice zeigt zum Beispiel vom jeweiligen Standort aus die nächstgelegene Entsorgungsstation für verschiedene Abfallarten auf. Auch hat er eine Erinnerungsfunktion, die den Nutzer nach vorheriger Eingabe darauf aufmerksam macht, wann welcher Müll zu entsorgen ist, und An- und Abmeldeformulare können aufgerufen werden.

Im monatlichen Verschenkmarkt, der im letzten Jahr von 221 000 Kundinnen und Kunden besucht wurde, wird mancher fündig an Artikeln, die für andere keinen Nutzen mehr haben. Schließlich wird die App ständig um neue oder geänderte Angebote zur Müllentsorgung aktualisiert.

„Mittelfristig entlastet das bei uns Personal, das dann mehr Zeit hat, telefonisch oder per E-Mail Fragen zu beantworten“, so der AWB-Geschäftsführer Manfred Kopp. Noch immer registriere die Kundenberatung im vergangenen Jahr rund 15 000 Anrufe, rund 1 000 Anfragen wurden online schriftlich beantwortet. Ob des großen Erfolgs der App wurde jetzt auch noch eine Version fürs Windows-Phone geschaffen - zuvor gab es sie nur für iOS und Android.

Nicht immer jedoch ist der AWB der richtige Adressat, wie letztes Jahr zum Beispiel auf den Fildern deutlich wurde, als haufenweise gelbe Säcke am Straßenrand stehen blieben. „Das fiel nicht in unsere Zuständigkeit“, so Kopp. Das System zur Erfassung von Leichtverpackungen wurde von der Industrie und dem Handel zusätzlich zur Abfallentsorgung der öffentlich-rechtlichen Träger aufgebaut, um die Vorgaben umzusetzen. Die Entsorgung wird privaten Firmen, in diesem Fall der Remondis SE & Co. KG übertragen. „Beschwerden landen dennoch meist bei uns“, weiß Kopp.

Nicht für jeden Müll zuständig zu sein und dennoch in die Verantwortung genommen zu werden, kennt man auch bei der Stadt Nürtingen. Dort schlagen immer wieder Beschwerden auf, dass es um die Glascontainer herum alles andere als ordentlich aussehe. Das weiß auch Michael Haußmann, der Leiter des Nürtinger Bauhofs: „Da werden sperrige Dinge wie große Wandspiegel, die nichts bei Glascontainern zu suchen haben, entsorgt.“ Das ärgert ihn und seine Mitarbeiter, die um ein sauberes Stadtbild bemüht sind. Für die Container sei jedoch der Kreis zuständig. AWB-Geschäftsführer Kopp bestätigt das: „Früher wurde so etwas auch mal von Bauhöfen entsorgt, wofür wir dann finanziell aufkamen.“ Das zeigte sich aber als organisatorisch aufwendig, sowohl für die Gemeinden als auch für den AWB. Deshalb lässt dieser nun einmal wöchentlich alle Glascontainer-Standorte anfahren, um sauber zu machen.

Damit die Zuständigkeiten klar bleiben, hält sich die Stadt zurück, doch das heißt nicht, dass die Bauhofmitarbeiter nichts mit Müll zu tun haben, der eigentlich den Kreis betrifft. „Sperrmüll steht öfters tagelang auf Gehwegen, weil sich die Leute nicht an die Abholtermine halten“, so Bauhofleiter Haußmann. Von Sammlern zerpflückt, kann der Müll verkehrsgefährdend werden, dann müssen die Leute vom Bauhof doch ausrücken.

Bei den öffentlichen Mülleimern, die vom Bauhof geleert werden und die eigentlich für Kleinstabfälle gedacht sind, sei es nicht anders. „Häufig stehen dort Tüten mit Windeln und allerlei Hausmüll“, so Haußmann. Die Verursacher seien meist nicht auszumachen, dennoch habe das Ordnungsamt der Stadt weiter ein Auge darauf. Wenn jemand ertappt wird, kommt es auch vor, dass die Stadt das zur Anzeige bringt.

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