Zwischen Neckar und Alb

„LesART“ lockt mit großen Namen

Literatur Deniz Yücel kommt zu den 25. Esslinger Literaturtagen. Nobelpreisträgerin Herta Müller eröffnet die Veranstaltungsreihe. Von Alexander Maier

Foto: dpa
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Die „LesART“ darf im November feiern: Zum 25. Mal wird Esslingen zu einem Kristallisationspunkt des literarischen Lebens - und wie es sich für ein Festival dieser Qualität gehört, haben sich illustre Gäste angesagt. Gleich zum Auftakt am 7. November begrüßen Stadtbücherei und Eßlinger Zeitung, die die Literaturtage gemeinsam veranstalten, mit Herta Müller eine Nobelpreisträgerin. Und mit dem Journalisten Deniz Yücel kommt am 16. November ein Autor ins Druck- und Verlagshaus der Eßlinger Zeitung, der ein Jahr lang in der Türkei inhaftiert war und zur Symbolfigur für kritischen Journalismus und dessen wachsende Bedrohung in vielen Ländern dieser Welt wurde. Gäste wie Deniz Yücel unterstreichen den zunehmenden politischen Anspruch vieler Autoren, der sich auch im Profil der „LesART“ niederschlägt.

25 Mal Esslinger „LesART“ sind ein außergewöhnlicher Anlass. Der damalige Esslinger Kulturreferent Peter Kastner und die einstige Bücherei-Leiterin Sibylle Weit hatten das Festival einst in die Stadt geholt.

Anfangs war der Bertelsmann-Buchclub der Initiator, doch als der nach wenigen Jahren seinen Rückzug verkündete, beschlossen Stadt und Esslinger Zeitung die „LesART“ alleine weiterzuführen. War man anfangs aufs Frühjahr und die Nähe zur Leipziger Buchmesse abonniert, so wechselte das Festival wenig später in den Herbst und damit in die Zeit nach der Frankfurter Buchmesse.

Schiefe Märchen mit Paul Maar

„Wenn wir schon unsere 25. ,LesART‘ erleben, dann wollen wir mit unserem treuen Publikum auch angemessen feiern“, verspricht Bücherei-Leiterin Gudrun Fuchs. Deshalb wurde für den 8. und 9. November das Alte Rathaus reserviert - an beiden Tagen soll es ein abwechslungsreiches Angebot geben. Allzu tief lassen sich die Programmplanerinnen noch nicht in die Karten schauen. „Schließlich wollen wir unser Publikum ja auch ein bisschen neugierig machen“, meint Gudrun Fuchs augenzwinkernd.

Das eine oder andere Appetit- häppchen wird jedoch bereits serviert: Der Nachwuchs darf sich auf den Kinderbuchautor und „Sams“-Schöpfer Paul Maar freuen, der in einer musikalischen Lesung „Schiefe Märchen und schräge Geschichten“ präsentieren wird. Fürs literarisch versierte Publikum wird es eine hochkarätig besetzte Gesprächsrunde geben. Und an einem der Geburtstagsabende möchte die „LesART“ Brücken zwischen Literatur und Musik schlagen. „Und wir haben noch einiges in Planung“, verspricht Renate Luxemburger.

Das gilt auch fürs weitere „LesART“-Programm, das freilich schon jetzt allerhand verspricht. Kinderbücherei-Leiterin Bettina Langenheim hat neben Paul Maar noch zwei weitere Trümpfe fürs junge Publikum im Ärmel: Manfred Theisen, einer der gefragtesten Jugendbuchautoren, gibt am 12. November Auskunft über „Medienkompetenz in Zeiten von Fake News“. Und mit Kevin Brooks kommt ein englischer Schriftsteller, der sich hierzulande eher rar macht. Zur „LesART“ bringt er seine „Deathland Dogs“ mit.

Das Programm für Erwachsene hat’s ebenfalls in sich: Vielen ist der Autor Raoul Schrott in bester Erinnerung - am 12. November hat er sich erneut bei den Literaturtagen angesagt, wo er „Eine Geschichte des Windes“ vorstellen wird - ein abenteuerliches Buch über Stürme, Schiffbruch und Kannibalen. Marlene Streeruwitz, ebenfalls ein gern gesehener Gast, liest am 13. November aus ihrem Roman „Flammenwand“. Mit Navid Kermani kommt einer der großen Denker und Humanisten der Gegenwart nach Esslingen, um aus seinem Buch „Morgen ist da“ zu lesen. Rafik Schami, der die Kunst des Fabulierens wie nur wenige beherrscht, bereichert das Programm am 17. November mit seinem meisterlichen Roman „Die geheime Mission des Kardinals“.

Anke Stelling hat sich mit ihrem hochaktuellen Roman „Schäfchen im Trockenen“ angesagt, mit dem sie in diesem Frühjahr den Preis der Leipziger Buchmesse gewonnen hat. Terézia Mora, ebenfalls ein dem Esslinger „LesART“-Publikum vertrauter Name, geht am 21. November mit ihrem Roman „Auf dem Seil“ der Frage nach, ob das Leben ein ewiger Balanceakt ist. Und mit dem Blogger und Journalisten Sascha Lobo kommt ein Autor, der in seinem Buch „Realitätsschock“ erläutert, wie unsere Welt aus den Fugen geraten ist und was zu tun ist, damit wir wieder handlungsfähig werden.

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