Eigentlich, sagt Ulrich Zimmermann und lacht, sei das ja „nicht unser Kerngeschäft“. Aber mit Wasser habe es immerhin zu tun. Seit fast 40 Jahren gehört der 63-Jährige der Tauchgruppe Teck an, ist Tauchlehrer, Ausbilder und Trainer. Inzwischen bringt er jedoch nicht nur Menschen unter Wasser, sondern vor allem Kinder erst einmal dazu, sich darüber sicher zu bewegen. Für ihr Projekt „Seepferdchen für Nichtschwimmer“ ist die in Kirchheim ansässige Tauchgruppe Teck am Mittwoch im Rahmen des Mitgliederforums der VR-Bank Mittlerer Neckar in Weilheim mit dem „Großen Stern des Sports“ in Bronze ausgezeichnet worden.

„Die Jury zeichnet dieses Engagement aus, weil es Kindern bereits in frühen Jahren eine entscheidende, wenn nicht gar lebenswichtige Kompetenz auf besondere Art und Weise vermittelt: sicher schwimmen zu können“, begründete Vorstandssprecher Markus Schaaf die Entscheidung in seiner Laudatio in der Weilheimer Limburghalle. Besonders überzeugt habe die Jury zudem, dass die Eltern aktiv in die Kurse einbezogen werden und praktische Übungen erhalten, um das Erlernte gemeinsam mit ihren Kindern zu festigen. Das ehrenamtliche Angebot stärke damit nicht nur die Sicherheit im Wasser, sondern auch Selbstvertrauen und Teilhabe. Es leiste, so Schaaf, „einen wertvollen Beitrag für unsere Gemeinschaft“.
Begeisterung über Fortschritte
Die Idee dazu reifte bei Ulrich Zimmermann nach der Corona-Pandemie. Berichte über mangelnde Schwimmfähigkeit bei Kindern und Badeunfälle beschäftigten ihn. Gleichzeitig erreichten den wassersporttreibenden Verein immer wieder Anfragen, ob er bei der Schwimmausbildung von Kindern unterstützen könne. „Die erste Motivation war, dass ich es schade finde, wenn die Leute keinen Bezug zum Wasser bekommen oder sogar Angst davor haben und nicht schwimmen können“, sagt Zimmermann. Gerade bei kleinen Kindern begeistere ihn, „wie schnell die Fortschritte machen und wie toll sie es umsetzen“.
Dass Bedarf vorhanden ist, zeigen auch bundesweite Zahlen. Laut einer repräsentativen Forsa-Umfrage im Auftrag der DLRG konnte 2022 jedes fünfte Kind im Grundschulalter nicht schwimmen. Mehr als die Hälfte galt beim Verlassen der Grundschule nicht als sicherer Schwimmer.

Ulrich Zimmermann selbst hatte mit der Ausbildung von Nichtschwimmern zunächst keine Erfahrung. 2024 absolvierte er deshalb bei den Schwimmmeisterinnen des Kirchheimer Freibads gewissermaßen eine Ausbildung in der Ausbildung: Zwei Kurse begleitete er als Praktikant. Weil nun zusätzliches Personal vorhanden war, konnten gleichzeitig mehr Kinder teilnehmen. Statt maximal fünf waren es meist acht, zeitweise sogar zehn. 2025 folgten weitere Kurse, einer davon im Rahmen der VfL-Initiative „Kirchheim lernt schwimmen“.
Aus der Unterstützung für andere wurde schließlich ein eigenes Vereinsprojekt. Im Januar dieses Jahres startete die Tauchgruppe ihren ersten regulären Anfängerschwimmkurs im Dettinger Hallenbad. Dafür trat die Vereinsjugend einen Teil ihrer Wasserzeit ab. Das Konzept unterscheidet sich von den kompakten Freibadkursen: Zwölf Wochen lang üben die Kinder jeweils 45 Minuten im Wasser, ergänzt durch Trockenübungen. Die meisten Teilnehmer sind fünf oder sechs Jahre alt. Das Ziel ist klar: das Seepferdchen. Dafür müssen die Kinder unter anderem nach einem Sprung ins Wasser 25 Meter schwimmen, einen Ring aus schultertiefem Wasser heraufholen und die Baderegeln kennen. Wie viele es schaffen, hängt laut Ulrich Zimmermann stark vom Entwicklungsstand und auch davon ab, wie viel mit den Kindern zusätzlich geübt wird. Bei seinem ersten eigenen Kurs waren vier der fünf Teilnehmer am Ende erfolgreich.
Ziel: Team aufbauen
An mangelnder Nachfrage dürfte eine Fortsetzung jedenfalls nicht scheitern. Der nächste Kurs ist noch gar nicht öffentlich ausgeschrieben, über Mund-zu-MundPropaganda aber bereits ausgebucht. Die größeren Probleme liegen woanders: Wasserzeiten sind vor allem im Winter mangels Hallenbad knapp, außerdem braucht es neben Zimmermann weitere qualifizierte Trainer. Sein Ziel ist deshalb, in den kommenden Jahren ein Team aufzubauen, das die Schwimmkurse dauerhaft trägt. Fortbildungsmöglichkeiten dafür hat der Verein inzwischen beim Schwimmverband gefunden.
Die Auszeichnung kommt für dieses Vorhaben zur rechten Zeit. Mit den 1500 Euro Preisgeld will die Tauchgruppe die Ausbildung weiterer Trainer finanzieren sowie Schwimmbretter und variable Schwimmflügel anschaffen. Langfristig erhofft sich der Verein um die Vorsitzende Marian Buchholz -Kupferschmid noch einen weiteren Effekt: Wer als Kind schwimmen lernt und Gefallen am Wasser findet, könnte später auch beim Tauchen bleiben. Nachwuchs zu gewinnen und langfristig an den Verein zu binden, sei „unsere große Hoffnung“, betont Ulrich Zimmermann.

