Dettingen. Regina Fährmanns Kunst passt in keine Schublade. Und das ist gut so. Denn Pintora – so Fährmanns Künstlername – schöpft kompromisslos authentische Bildwelten. Den künstlerischen Eigensinn lenkt stets der empathische Blick. Ihre Werke nehmen Bezug auf die Welt und verzeichnen deren Erschütterung. Auch die „Zeitenwende“ hinterlässt ihre Signatur in Fährmanns Schaffen. Die näher rückende Kriegsgefahr prägt die jüngsten Arbeiten: expressive Malereien im kleinen Format, die mit Textmarkern auf fotografischen Hintergründen entstehen. Eine individuelle Technik, die es der Künstlerin erlaubt, grafische Finesse mit malerischem Impetus zu verbinden.
Spannweite menschlicher Empfindung
Doch ihre Bilder erliegen nicht dem politischen Außendruck. Vielmehr betonen sie die Stärke des Menschen, sich existenzieller Bedrohung zu stellen und Bedrängnisse zu überwinden. Indem sie die performative Kraft des Tanzes zu intensiven Gesten gerinnen lässt, bedient sich Pintora eines ästhetischen Brückenschlags. Choreografien der Ballettlegende Maurice Béjart dienen als Inspiration. An der durchgeformten Physis von Béjarts Lieblingstänzer exerziert Fährmann die Spannweite menschlicher Empfindung durch. Angst und Schmerz bekommen ebenso körperliche Gestalt wie Momente der Verinnerlichung und des Triumphs. Ein figurativer Reigen, der Anklänge an die Passion Christi weckt und den Fluchtpunkt der Auferstehung stets im Blick behält.
Fährmanns Empfänglichkeit für den erneut entfachten Krieg mag auch biografische Wurzeln haben. Die 1942 in Wien geborene Künstlerin lebte bis 1950 als Flüchtlingskind in Osttirol. Erinnerungen an die traumatische Flucht in den letzten Kriegsmonaten sind ebenfalls in der Galerie Diez in Dettingen zu sehen. Später wurde ihr Frankfurt am Main zur neuen Heimat. Mit Adorno und anderen Größen der „Frankfurter Schule“ stand sie Ende der 60er-Jahre in persönlichem Kontakt, erlebte die Turbulenzen der Studentenbewegung hautnah. Zu dieser Zeit konnte sie bereits auf ein Studium in der Meisterklasse der Pariser Kunstakademie zurückblicken.
Aufklärungsarbeit in Afrika
Jahrzehnte später führt Fährmanns Weg nach Afrika. In Mali und Burkina Faso leistet sie Aufklärungsarbeit über HIV, engagiert sich im Kampf gegen weibliche Genitalverstümmelung. Und das mit künstlerischen Mitteln. Das Schattentheater macht es möglich, kulturelle Tabus mit der gebotenen Diskretion zu behandeln und Geschichten der indigenen Bevölkerung zu transportieren. Den malerischen Reflexionen ihrer Eindrücke aus Afrika gibt die Ausstellung breiten Raum. Ebenso dem humorvollen, sensiblen Umgang mit der Natur. Fährmanns Bilder sind Ausdruck eines hohen Ethos gegenüber der Schöpfung. Darin sind sie zeitlos und brennend aktuell.
Die Ausstellung „Pintora – Fotografien und Bilder“ ist bis einschließlich Sonntag, 27. Oktober, in der Galerie Diez in Dettingen zu sehen. Die Galerie ist geöffnet samstags und sonntags von 14 bis 18 Uhr.

