Nahverkehr
Das Aus für die Expressbuslinien X4 und X7 ist endgültig

Zum Fahrplanwechsel am 20. Dezember wird der Betrieb der beiden Schnellbuslinien eingestellt. Eine Mitfinanzierung bis September 2027 lehnte der Esslinger Kreistag erneut ab.

Ab dem 20. Dezember fährt sie nicht mehr: Die X7 von Degerloch nach Nürtingen.Foto: Elke Hauptmann
Ab dem 20. Dezember fährt sie nicht mehr: Die X7 von Degerloch nach Nürtingen. Foto: Elke Hauptmann

Die Expressbuslinien X4 von Degerloch über Bernhausen, Sielmingen, Wolfschlugen, Oberensingen nach Nürtingen und X7 von Degerloch über Plattenhardt, Bonlanden nach Harthausen werden nach Angaben der Betreibergesellschaft SSB zum Fahrplanwechsel am Samstag, 20. Dezember, dieses Jahres eingestellt. Die Hoffnung auf einen Weiterbetrieb ist wohl vergebens, denn der Kreis Esslingen wird sich definitiv nicht an den Kosten beteiligen. Der Verwaltungs- und Finanzausschuss des Kreistages hat jetzt auch einen Kompromissvorschlag zur Mitfinanzierung abgeschmettert. Sein Argument: Diese schnellen Verbindungen hat der Kreis nicht bestellt.

Die Initiative dazu ging allein von der Stadt Stuttgart aus. Sie führte die Expressbuslinien 2019/2020 als Bestandteil ihres Luftreinhalteplans ein. Einen Großteil der Betriebskosten übernahm das Land, das jedoch 2024 seinen Anteil um 25 Prozent reduzierte. Die Erwartung im Stuttgarter Rathaus war, das nun der Kreis Esslingen freiwillig in die Bresche springt. Schließlich würden einige Kommunen in seinem Gebiet von dem Schnellbusverkehr profitieren.

Diesen Wunsch nach einer Solidarfinanzierung hatte der Kreistagsausschuss bereits im Sommer zurückgeweiesen. In der jüngsten Sitzung kam nun auch die Absage an den neuen Vorschlag zum vorläufigen Weiterbetrieb beider Linien, den die Esslinger Kreisverwaltung und die Stuttgarter Straßenbahnen AG (SSB) angesichts der von 4687 Menschen unterzeichneten Petition für den Erhalt des X4 und X7 ausgearbeitet hatten.

Demnach sollten die beiden Expressbuslinien bis zum Auslaufen der Landesförderung am 30. September 2027 mit einem in den Abendstunden reduzierten Fahrplan fahren. Die Betriebskosten für die „Light-Varianten“ – rund drei Millionen Euro – würden auf das Land, die Stadt Stuttgart und den Kreis Esslingen aufgeteilt. Letzterer stellte allerdings eine Bedingung: Filderstadt, Nürtingen, Wolfschlugen und Leinfelden-Echterdingen müssen sich an den Kosten des Kreises beteiligen. Diese belaufen sich auf 430.084 Euro. Würden die betroffenen Kommunen geschlossen mitziehen, müsste der Kreis für die kommenden zwei Jahre noch 215. 042 Euro für den X4 und X7 berappen. Filderstadt und Nürtingen signalisierten bereits, ihren Beitrag in Höhe von rund 120.000 Euro und 24.000 Euro leisten zu wollen.

„Das ist Stuttgarts Problem“

Die Mehrheit der Fraktionen im Kreistagsausschuss zeigte sich davon jedoch unbeeindruckt. Denn die Kompromisslösung ändere nichts am Grundproblem: „Die Zuständigkeit für die Expressbuslinien liegt nicht beim Landkreis“, bekräftigte Sieghart Friz (CDU). „Das ist Stuttgarts Problem.“ X4 und X7 seien nicht im Esslinger Nahverkehrsplan enthalten und folglich „nicht unsere Aufgabe“, unterstrich auch Ulrich Fehrlen (FDP).

Für die Freien Wähler gilt nach Worten von Christiane Krieger: „Keine zusätzlichen Belastungen für den Kreishaushalt durch neue freiwillige Leistungen.“ Zumal sich durch den Wegfall der schnellen Verbindungen das ÖPNV-Angebot nicht verschlechtert, so Krieger: Die regulären Buslinien 74 und 77 fahren künftig so häufig wie vor Einführung der Expressbuslinien – nur eben ein paar Minuten länger. „Und wenn die alternativen Buslinien wieder wie früher funktionieren, sehen wir keinen Grund für die Fortführung der Expressbusse“, erklärte Ulrich Deuschle (AfD).

Die Kritiker des Kompromissvorschlags befürchten zudem, dass schon bald erneut über die Zukunft der beiden X-Buslinien gestritten wird – und es richtig teuer werden könnte für den Kreis, würde sich das Land im Herbst 2027 aus seiner Förderung verabschieden. Denn dann könnte er in die Pflicht genommen werden.

„Es darf auf keinen Fall einen Automatismus geben, dass der Kreis den Anteil des Landes übernimmt“, betonte Michael Medla (SPD). Gleichwohl hätte seine Fraktion mit Blick auf die steigenden Fahrgastzahlen einer Fortführung der beiden Buslinien zumindest in den kommenden zwei Jahren zugestimmt. Die vorgeschlagene Finanzierung der „Light-Varianten“ bezeichnete er als „tragfähigen Kompromiss“.

Auch die Grünen haben in dem 215 000-Euro-Anteil des Kreises laut Stephanie Reinhold ein „gutes Verhandlungsergebnis für den Kreisetat“ gesehen. Die Finanzierungszusagen von Filderstadt und Nürtingen wertete sie als „positives Signal“ für den Weiterbetrieb. Mit der Absage des Kreises aber, kritisierte Marc Dreher von der Linkspartei, werde ein „gutes Beispiel für interkommunale Zusammenarbeit“ zunichtegemacht.