Der Name des Chores ist ebenso ungewöhnlich wie fantasiereich: Im Liederkranz Owen nimmt „chiliCHORcarne“, der Erwachsenenchor des Vereins, eine besondere Stellung ein. Welch hohe Qualität dieses kleine, aber feine Vokalensemble mittlerweile erreicht hat, zeigte die Matinee in der Owener Bernhardskapelle am Sonntag eindrucksvoll.
„Unter verschiedenen Dirigenten hat unser Chor in den vergangenen 25 Jahren schon manche stilistische Wendung vollzogen“, erzählt die Vereinsvorsitzende Miriam Schmidt. Auch Christian Vogt, der „chiliCHORcarne“ seit drei Jahren leitet, setzt klare eigene Akzente: Er möchte die Chorliteratur nicht als buntes Sammelsurium querbeet singen, sondern sein Gesangsensemble kammermusikalisch ausrichten.
In neuer Besetzung
Der frische musikalische Wind und die Arbeit von Christian Vogt haben die Besetzung des Chors verändert. „Einige wollten den neuen Weg nicht mitgehen“, berichtet Miriam Schmidt, „wir haben jedoch auch viel Zulauf, teilweise von außerhalb Owens.“ Die Herbstmatinee in der kürzlich renovierten Bernhardskapelle soll zu einem festen Termin im Vereinskalender werden. Ein lobenswertes Ziel, denn die Kapelle im Ortskern Owens, deren Wurzeln bis ins Mittelalter zurückreichen, bietet neben dem stilvollen historischen Rahmen eine hervorragende Akustik. Zwar ist der Raum nicht besonders groß, doch im schmucken Ambiente entfalteten sich die eingangs a cappella gesungenen Lieder „In einem kühlen Grunde“ von Friedrich Silcher und der aus Schweden stammende „Sommarpsalm“ herrlich frei schwingend.
Schon in den ersten Takten wurde deutlich: Christian Vogt, der das Programm auswendig dirigierte, ist nicht zufrieden, wenn die Töne bloß heruntergesungen werden. Er fordert von „chiliCHORcarne“ eine dem Text angemessene, ausdrucksstarke Gestaltung, chorische Disziplin und klare Textverständlichkeit. Mit seinem engagierten Dirigat gab er energische Impulse und motivierte seine Choristen zu leidenschaftlichem Gesang.
Der Qualitätsbogen riss nie ab. Ob bei den von Martin Straub am Klavier souverän begleiteten Liedern „Am Donaustrande“ oder dem heiteren „Nein, es ist nicht auszukommen“ aus dem Zyklus „Liebeslieder-Walzer“ von Johannes Brahms – stets blieb der Chorklang auf hohem Niveau: spannungsvoll in der Phrasierung und mit differenziert ausgearbeiteten dynamischen Abläufen.
Besondere Farbtupfer setzten die „Happy Voices Ingstetten“ im Programm. Der mehrfach preisgekrönte Mädchenchor, der ebenfalls von Christian Vogt geleitet wird, demonstrierte hohe Chorkunst und stilistische Vielseitigkeit. Hell und klar in der Klangfarbe schwebte in der Bernhardskapelle der wunderschöne Chorsatz „Höret, wie die Engel singen“ aus Felix Mendelssohn Bartholdys Oratorium „Elias“, und auch Lieder wie das afrikanische „Kyrie na Sanctus“ oder Hubert von Goiserns „Weit, weit weg“ zeugten von hervorragender Chorschulung.
Als sich „chiliCHORcarne“ und der Mädchenchor zusammenschlossen, um ein breites Spektrum unterschiedlichster Chorwerke zu präsentieren, waren die Zuhörer restlos begeistert. Im Pippi-Langstrumpf-Song „Faulsein ist wunderschön“ und dem Elvis-Presley-Hit „Can’t help falling in Love“ verschmolzen sie zu einer homogenen Einheit. Mit einem ausdrucksstarken Solo im „Les Misérables“-Medley setzte Marlin Blankenhorn einen bewegenden Schlusspunkt.
Es gab viel Applaus, und als Zugabe erklang das mitreißende „The Rhythm of Life“ aus dem Broadway-Musical „Sweet Charity“.

