Mit Schwung hat Neckartailfingens Bürgermeister Wolfgang Gogel den ersten gelben Sack in den Container geworfen. Michael Potthast, Geschäftsführer des Abfallwirtschaftsbetriebs des Landkreises Esslingen (AWB), hatte zuvor den Deckel geöffnet. Ob da auch nur die richtigen Dinge drin waren? „Den habe ich selbst sortiert“, sagt Potthast lachend. Wenn man so will, war der Bürgermeister der erste Kunde des neuen Recyclinghofs an der Straße im Hägleskies 11 in Neckartailfingen vor dem ersten Öffnungstag am 13. Dezember.
Die Station zeichnet eine Besonderheit aus. Sie ist der erste autarke Recyclinghof im Landkreis Esslingen. Die Anlage produziert die benötigte Energie über vier Solarmodule selbst. Zwei davon befinden sich auf einem Bauwagen, zwei weitere sind an Stangen montiert. Mit dem daraus gewonnenen Strom werden unter anderem der Wagen und die danebenstehende Toilette beheizt. „Wir können hier höchst ressourcenschonend arbeiten, weil wir mit der Photovoltaikanlage die benötigte Energie für den autarken Recyclinghof selbst erzeugen können“, sagt Landrat Marcel Musolf. Den offiziellen Start hatte – wie so oft – das Durchschneiden eines roten Bands markiert. Das stand gleich zweimal auf der Agenda. Erst durften unter anderem Musolf, Gogel und Potthast ran, später dann die Neckartailfinger Gemeinderäte.
Projekt schnell umgesetzt
Der alte Recyclingplatz ist nur rund 100 Meter entfernt. Doch der war nicht eingezäunt und schon gar nicht autark und hatte natürlich einen ganz anderen Standard als sein Nachfolger. Bürgermeister Gogel sprach daher auch von einem „Stück Zukunft“, das eröffnet werde. Er machte in seiner kurzen Rede deutlich, was alles nicht nötig gewesen sei, um die Anlage zu realisieren: „Es gab keine aufgerissenen Straßen, keine Sperrungen und keine monatelangen Einschränkungen für die Bevölkerung.“ Planung und Umsetzung seien schnell und effizient gewesen.
Mittwoch und Samstag geöffnet
Das bestätigt auch AWB-Abteilungsleiter Gerald Damsch: „Wir sind da mega zufrieden.“ Kein Wunder, schließlich fand der Spatenstich für das Bauprojekt erst im September statt. Worte, die auch Matthias Knecht von der gleichnamigen Tief- und Straßenbaufirma und Planer Dominic Walter gern hörten.
Die Kosten für das Bauvorhaben liegen laut Landrat Marcel Musolf bei rund 300.000 Euro. Der Recyclinghof hat immer mittwochs von 17 bis 18 Uhr geöffnet sowie samstags von 9 bis 12 Uhr. Ein Mitarbeiter oder eine Mitarbeiterin wird dann vor Ort sein. „Sollte der Recyclinghof stark frequentiert sein, können wir natürlich noch aufstocken“, erklärt Damsch. Vor Ort steht auch Grünschnittkompost zur Verfügung. Wenn der Umbau des Kompostwerks in Kirchheim im Sommer 2026 abgeschlossen ist, soll auch noch Biokompost angeboten werden, ergänzt der AWB-Mitarbeiter.
Abgegeben werden kann Schrott und sogenannte „weiße Ware“ wie Waschmaschinen und Kühlschränke. Container stehen auch für Papier und alle Leichtverpackungen, die im gelben Sack landen, zur Verfügung. Einwurfbehälter für Glasflaschen sind ebenfalls vorhanden. „Auch Styropor und Korken werden angenommen“, ergänzt Damsch.
Fangzäune für fliegendes Papier
Und was hat es mit den Rinnen im Boden mitten auf der Fläche auf sich? „Das sind Ablassrinnen für das Wasser“, sagt der AWB-Mitarbeiter. Darunter befinde sich eine Wasserrückhaltung, das Wasser fließe anschließend in den Kanal ab. Die Fläche für den Recyclinghof hat die Gemeinde zur Verfügung gestellt. Im Zuge des Bauvorhabens wurde das Gelände vergrößert und eingefasst. Ein Fangzaun wurde ebenfalls errichtet, damit beispielsweise umherfliegende Folien oder auch Papierstücke nicht die Autofahrer auf der unmittelbar daneben liegenden Bundesstraße gefährden. Der Abstand habe aber auch so gewählt werden müssen, dass die Laster genug Platz haben, um rückwärts an die Container bei der Abholung heranfahren zu können, erzählt Damsch.
Man vollziehe hier einen wichtigen Schritt „weg von der Wegwerfgesellschaft hin zu einer Kreislaufwirtschaft“, hatte es Gogel auf den Punkt gebracht. Der Ressourcenschutz nehme heute eine andere Rolle als vor 50 Jahren ein, sagte Musolf. Neckartailfingen werde sicherlich nicht die letzte autarke Recyclingstation sein, ergänzte der Landrat. Man sei beim AWB sehr innovativ unterwegs und liege trotzdem bei den Gebühren im Vergleich mit anderen Landkreisen im unteren Feld.

