Musik
Die Faszination des königlichen Instruments

Bereits als Kind hat sich Hannah Mattes für das Harfenspiel begeistert. Heute hat die 18-Jährige Unterricht an der Musikschule.

Die Kirchheimerin Hannah Mattes ist begeistert vom Harfenspiel, das sie an der Musikschule Köngen/Wendlingen lernt. Foto: Rainer Kellmayer

Die Harfe ist ein imposantes Instrument. Nicht nur ihr gewaltiger Korpus mit einer Höhe von 1,80 Metern und einem Gewicht von bis zu 42 Kilogramm ist beeindruckend. Was besonders fasziniert, ist der filigrane, silbrig-fein perlende Klang des königlichen Instruments.

Diese bezaubernde Aura nobler Töne zog Hannah Mattes, die in Ötlingen wohnt und die Waldorfschule in Kirchheim besucht, bereits seit frühester Kindheit in ihren Bann. „Auf dem Schoß sitzend erlebte ich die Harfe, als meine Mutter zuhause übte“, erinnert sich die 18-Jährige. Da das Instrument im heimischen Wohnzimmer stand, zupfte sie immer mal wieder an den Saiten. Schnell entstand der Wunsch: Ich möchte einmal Harfe spielen.

Es war eine tolle Erfahrung, in einem Sinfonieorchester zu spielen.

Hannah Mattes über die Abwechslung beim Neujahrskonzert ihrer Musikschule im Januar

Im Jahr 2016 erfüllte sich dieser Traum: Hannah Mattes begann an der Musikschule Köngen/Wendlingen mit dem Harfenspiel. Seither wird sie von Henrietta Fryer in der Kunst des Saitenspiels unterwiesen. „Da es kleine Harfen für den Unterricht gibt, können bereits Kinder das Instrument erlernen. Deshalb ist die Nachfrage nach Harfenunterricht an den Musikschulen in den letzten Jahren gestiegen“, sagt die erfahrene Konzertharfenistin und Musiklehrerin und ergänzt: „Anfangs tun zwar nach dem Üben die Fingerkuppen weh. Doch das ist kein Problem, da sich schon bald Hornhaut bildet.“ Und wenn nach starker Beanspruchung mit einem lauten Knall mal eine Saite reißt, ist auch das kein Beinbruch: Mit Unterstützung durch die Lehrerin ist das Malheur schnell behoben und Ersatz aufgezogen.

Spezielle Handhaltung

Einzelne der 47 Harfensaiten sind zur Orientierung für den Spieler farbig markiert. An das Ziehen der Saiten mit den Fingerkuppen hat sich Hannah Mattes schnell gewöhnt. „Wir Harfenspieler müssen eine spezielle Handhaltung einüben, und damit wir stets die richtigen Töne treffen, schreiben wir den Fingersatz in die Noten“, gibt die junge Saitenkünstlerin einen Einblick in die musikalische Werkstatt.

Auch das Bedienen der zwölf Pedale am Fuß der Harfe, mit denen durch eine Erhöhung um jeweils einen halben Ton die verschiedenen Tonarten eingestellt werden, will geübt sein. Überdies erfordert die Rechts-Links-Koordination der Hände neben großem manuellem Geschick ein Vorausdenken der musikalischen Abläufe.

Das alles ist für Hannah Mattes heute kein Problem mehr. Sie liebt das Instrument und übt sich täglich fast eine Stunde in der Kunst der flirrenden Läufe und perlenden Arpeggien. „Sehr gerne spiele ich anspruchsvolle Sololiteratur, doch besonderen Spaß habe ich beim Zusammenspiel mit anderen Instrumentalisten“, erzählt Hannah Mattes.

Oft musiziert sie im Duo mit ihrer Mutter, und auch in verschiedenen Ensembles ist sie aktiv. Das kammermusikalische Spiel sei eine gute Ergänzung zum Einzelüben, da man dabei lernt, auf andere zu hören und sich in den Gesamtklang einzufügen, sagt die junge Musikerin.

Gerne denkt Hannah Mattes an das Neujahrskonzert der Musikschule Köngen/Wendlingen im Januar zurück: „Es war eine tolle Erfahrung, in einem Sinfonieorchester zu spielen.“ Zusammen mit ihrer Lehrerin hatte sie im Musikschulorchester den anspruchsvollen Harfenpart übernommen. Dabei lernte sie spannende Orchesterwerke – von Jacques Offenbachs Ouvertüre zu „Orpheus in der Unterwelt“ über verschiedene Opernarien bis hin zu Johann Strauß‘ berühmtem „Radetzky-Marsch“ – sozusagen spielerisch kennen.

Stellt der Transport des gewaltigen Instruments die Harfenisten nicht vor besondere Herausforderungen? „Nur bedingt, denn es gibt den ,Harpo’, einen speziellen Transportwagen, der ähnlich einer Sackkarre funktioniert“, berichtet Henrietta Fryer. Trotzdem ist ein großes Auto von Vorteil, und beim Ein- und Ausladen müssen mindestens zwei Personen zupacken.

„Musik tut der Seele gut“

Derlei Mühen nimmt Hannah Mattes, die an der Waldorfschule Kirchheim die Mittlere Reife abgelegt hat und im Herbst im Waldorfseminar in Stuttgart eine Ausbildung zur Erzieherin beginnt, gerne in Kauf: „Die Musik tut der Seele gut und ist ein guter Ausgleich zu den alltäglichen Herausforderungen.“

Zur Entspannung tragen auch ihre weiteren Hobbys bei. Sie nimmt an der Musikschule Köngen/Wendlingen Gesangsunterricht, und wenn dann noch Freizeit bleibt, schwingt sich Hannah Mattes gerne auf den Rücken von Pferden.