Rennsport
Diese Rennfahrer-Legenden kommen zum Bergpreis 2025 nach Neuffen

Die Starterliste für die Schauveranstaltung am 7. September in Neuffen ist komplett. Auf ihr finden sich viele historische Rennwägen. Auch einige Promis haben sich angekündigt.

Warben bei den Retro Classics in Stuttgart für den Bergpreis in Neuffen (von links): Leopold Prinz von Bayern, Gundbert Schall, Michael Söhngen (beide Bergpreis Schwäbische Alb) und Neuffens Bürgermeister Matthias Bäcker. Foto: Bergpreis Schwäbische Alb

Es ist eine Rückkehr nach vielen, vielen Jahren: Leopold Prinz von Bayern kommt zum diesjährigen Bergpreis am 7. September nach Neuffen. „Er ist in den 60er-Jahren dreimal hintereinander gestartet“, erzählt Gundbert Schall. Er gehört zum Team der Interessengemeinschaft „Bergpreis Schwäbische Alb“, die das Schaufahren durch Neuffen und die Neuffener Steige hinauf organisiert.

Der Unterstützerkreis wächst und wächst, und auch die Veranstaltung, die in dieser Form 2025 zum dritten Mal stattfindet, hat sich längst weit über Neuffen hinaus einen Namen gemacht. So kam man auch in Kontakt mit dem Ur-Ur-Urenkel von König Ludwig I. „Er hat sofort zugesagt und freut sich“, sagt Schall. Der Adelige kann auf eine Rennfahrerkarriere mit mehr als 120 Siegen zurückblicken. Er ist internationaler Markenbotschafter von BMW und hat mit „Poldi“ ein eigenes Markenlabel. In Neuffen ist er sein erstes Rennen gefahren. Dort ging er 1965, 1966 und 1967 an den Start – mit drei unterschiedlichen Fahrzeugen (Opel Kadett S, BMW 1800 TISA, Austin Cooper S).

Auf den alten Starterlisten findet sich einmal auch Ferfried Prinz von Hohenzollern, der ebenfalls auf den Rennstrecken für Furore sorgte. Er ist 2022 verstorben. Doch Leopold Prinz von Bayern, immerhin 82 Jahre alt, ist nach wie vor topfit. Das zeigte er erst kürzlich wieder beim Rennklassiker am Norisring, und zwar in einem besonderen Auto, mit dem er auch in Neuffen fahren wird: einem BMW E9 3.0 CSL. Der historische Rennwagen wird komplett mit E-Fuel angetrieben.

Mister DTM kommt mit einer „Kirsche“

In Rennfahrerkreisen bestens bekannt ist auch Bernd Schneider. Schließlich hat „Mister DTM“ die Rekordzahl von fünf Meistertiteln bei den Deutschen Tourenwagen-Meisterschaften gewonnen. Er kommt mit einem Prototyp P/908 auf Mercedes CLK AMG Black Series Basis. Ralf Sporr, der für die historische AMG-Flotte verantwortlich ist, hat dazu in einem Interview Folgendes gesagt: „Die Black Series Modelle sind meiner Ansicht nach immer die Kirsche auf der Torte.“ Ganz außergewöhnlich ist auch der Mercedes-Benz 300 SEL 6.8, im Volksmund „Rote Sau“ genannt. Es war das Fahrzeug, mit dem der noch kleine Tuner AMG in den 70er-Jahren Weltruhm erlangte. Das Original von 1971 ist wohl in den 80er-Jahren verschrottet worden. Sporr kommt nun mit einer Replika. „Der AMG-Nachbau ist ganz nah am Original dran“, sagt Schall.

Der Promi-Faktor beim diesjährigen Bergpreis wird noch um den Schauspieler Richy Müller erhöht. Bestens bekannt aus den Stuttgart-Tatorten, wo er den Kriminalhauptkommissar Thorsten Lannert spielt, wird er sich unter die Bergpreis-Fahrer mischen. „Er bekommt einen Wagen vom Porschemuseum gestellt“, erklärt Schall. Auch hier hat ein Unterstützer beim Mallorca-Trip den Kontakt geknüpft. „Schön, dass die Leute sogar im Urlaub an uns denken“, sagt Schall lachend.

Doch auf der Starterliste finden sich noch weitere Rennfahrergrößen. Dieter Röscheisen zum Beispiel. Für Schall ist er schlicht ein „Hidden Champion“, also ein Meister, der sich eher im Hintergrund gehalten hat. In Neuffen war er in den 70er-Jahren im ONS-Sicherheitsfahrzeug dabei. ONS steht für Oberste Nationale Sportkommission für den Automobilsport in Deutschland. Röscheisen hat sich viele Meriten erworben. Er war Versuchsfahrer und -techniker. Röscheisen fuhr selbst Rallyes und arbeitete sich als Lehrling bis in die Porsche-Testabteilung hoch. Für die Rennfahrer-Legende Walter Röhrl baute er gar einen besonderen Porsche. In Neuffen wird der Rennsport-Kenner mit einem Porsche 953 Dakar erwartet. Oder auch Christian Geistdörfer, der zum ersten Mal zum Bergpreis kommt. Der Co-Pilot von Walter Röhrl, mit dem er 1980 und 1982 Weltmeister wurde, ist eine echte Rennsportlegende. Geistdörfer wird sich beim Bergpreis hinter das Steuer eines Porsche 910 setzen.

Sehr gespannt ist Schall auch auf den Rennwagen, den die Motorsportschmiede Momo Gebhardt mitbringt. „Der Porsche 962 hängt im Porschemuseum an der Decke“, sagt Schall. In Neuffen wird er erstmals zu sehen sein. Eine schillernde Figur und bei allen Rennsport-Events ein gern gesehener Gast ist Manfred Nord. Er kommt mit seinem Crossle F 15. „Der Kurpfälzer ist ein echtes Original“, sagt Schall.

Es gäbe noch viele Fahrer und Autos aufzuzählen. „Insgesamt werden es rund 100 Fahrzeuge sein“, sagt Ralf Stöckler, der ebenfalls im Organisationsteam ist. Gestartet wird in vier Gruppen, die letzte hat als „Anhängsel“ Vorkriegsfahrzeuge. In Neuffen wird also wieder Rennsport-Geschichte lebendig. Dazu zählen auch die Lokalmatadoren und Brüder Helmut und Manfred Henzler. In diesem Jahr wird die Rennfahrer-Familie erstmals komplett an den Start gehen. Denn auch Wolf Henzler hat für das Schaufahren gemeldet. Er ist der Sohn von Manfred und Neffe von Helmut.

Insgesamt hatte die Interessengemeinschaft die Qual der Wahl bei der Auswahl. „215 Anmeldungen gab es“, nennt Michael Stöcker die genaue Zahl. Er gehört ebenfalls dem Organisationsteam an. Ganz klar liegt der Fokus wieder auf den historischen Rennfahrzeugen. Wer nicht dabei sein kann, dem bleibt zumindest ein Trostpflaster. „Wir haben direkt an der Rennstrecke eine Wiese für Oldtimer“, sagt Stephan Allgöwer, der für die Pressarbeit des Bergpreis-Teams verantwortlich ist. Diese wolle man ansprechend gestalten. Der Eingang soll ein Zirkuszelt sein. „Wir würden uns freuen, wenn die Fahrer auch mit ihrer passenden Kleidung zu ihrem Fahrzeug kämen“, ergänzt Allgöwer.

190 Helferinnen und Helfer sind am Start

Was ist sonst noch geboten beim Bergpreis? Zeitgleich findet ja am Wochenende, 6. und 7. September, der Eselhock in der Stadtmitte statt. Es wird eine Spielstraße für Kinder geben, und auf dem Schulhof der Grundschule werden Seifenkistentestfahrten angeboten. Generell sei der Bergpreis nicht ohne die rund 190 Helferinnen und Helfer, die zahlreichen Vereine, die die Gäste bewirten, und die rund 80 Sponsoren und Gönner zu stemmen, sagt Schall. Die Gemeinde stehe ebenfalls voll hinter der Veranstaltung, für die auch ein Sicherheitskonzept entwickelt worden ist.

Die Vorfreude auf das Rennsport-Event, bei dem es nicht um Zeiten und Platzierungen geht, ist jedenfalls bei der Interessengemeinschaft groß. Schall hat dafür zwei Wünsche: „Der Wettergott muss mitspielen, und wir appellieren an die Vernunft der Zuschauer und Fahrer.“ Dann könne nichts passieren. „Den Rest kriegen wir hin“, ist sich Schall sicher.