Ortsgeschichte
Ein historisches Werk mit Überraschungen

Köngen hat zum 950-jährigen Bestehen ein hochwertiges Buch herausgegeben.

Zum Buch "950 Jahre Köngen – Neue Beiträge zur Ortsgeschichte“ haben viele beigetragen, von links: Ulrich Gottlieb (GO Druck Media Verlag), Martin Luik (Autor), Thomas Schorradt (Autor), Tilmann Marstaller (Autor), Ina Ludwig (Satz und Layout), Manfred Waßner (Autor und Herausgeber), Bürgermeister Ronald Scholz – nicht im Bild die Autoren Steffen Seischab und Gerhard Hergenröder.

Dieses Buch ist unvollständig, und das ist gut so. Es will auf 240 Seiten keine lückenlose Aufreihung aller Daten, Zahlen, Personen und Ereignisse aus 950 Jahren Köngener Ortsgeschichte bieten, sondern es setzt bewusst Schwerpunkte. Zu ihnen gehören auch das archäologische Erbe von Köngen und Adel, Herrschaft und Kirche im Mittelalter. Gleich drei der acht Beiträge widmen sich der Zeit von 1918 bis heute. So ist eine eingehende Beschäftigung möglich – ist die eigentliche Frage der Geschichte doch nie das Wer und Wann, sondern das Warum. Geschichte sei kein fernes, abstraktes Erbe, sagte Bürgermeister Ronald Scholz bei der Buchpräsentation in der Zehntscheuer. Mit seiner Sammlung geschichtlicher Epochenbilder lade das Buch ein, Köngen neu zu begegnen.

Kreisarchivar Manfred Waßner hat das Buch im Auftrag der Gemeinde Köngen herausgegeben und zwei der acht Beiträge verfasst. Warum ein neues Buch, wo es doch schon zur 900-Jahr-Feier eine Festschrift und zehn Jahre später ein Köngener Heimatbuch gab? Es gebe neue historische Quellen, sagte Waßner, und die Geschichtsforschung habe Fortschritte gemacht. Auch das neue Buch stelle die Köngener Geschichte nicht für alle Zeiten abschließend dar. Dass es neben Bekanntem auch zuvor nie Gesehenes zeigt, liegt auch an Michael Schweizer und Dieter Fischer, die für das Buch ihre Bildsammlungen zugänglich machten.

„Köngen ist für Überraschungen gut“, sagte Tilmann Marstaller, dessen Beitrag sich mit historischen Gebäuden beschäftigt. Er berichtet, dass das Köngener Rathaus 183 Jahre älter ist als bisher gedacht. Besonders intensiv hat er sich mit der Baugeschichte der Peter- und Paulskirche beschäftigt und hat auch dort Überraschungen entdeckt.

Warum hat Steffen Seischab seinen Beitrag über Köngen in den Jahren 1918/19 bis 1948/49 mit „Der Große Graben“ überschrieben, wie bei Asterix? Er ist auf einen Brandmauerbericht von Pfarrer Eugen Stöffler zur Lage in der Gemeinde Köngen aus dem Jahr 1931 gestoßen. Das gesellschaftliche Leben, hatte dieser an den Esslinger Dekan geschrieben, spiele sich einerseits in der Arbeiterschaft und andererseits im Bürgerturm ab, „die durch einen Zaun von solcher Höhe getrennt sind, dass es nur schwer zu einem Herüber und Hinüber kommt“.

Dass der Name „Köngen“ auf einem Missverständnis beruht, weiß Gerhard Hergenröder in seinem Beitrag zu Sagen und Mythen zu berichten. Wie Köngen bei der Gemeindereform den Fängen Wendlingens entkam, stellt Manfred Waßner dar. Den Bogen in die Gegenwart zu schlagen, war die Aufgabe von Thomas Schorradt, er ging mit insgesamt 14 Zeitzeugen ins Gespräch – unter ihnen die „Frau in Rot“ Sonja Spohn, der ehemalige Bürgermeister Hans Weil und mit Gerhard Zaiser ein Naturschützer der ersten Stunde.

Das Buch ist rundum aus „regionalem Anbau“ – das Layout ist das Werk der Stuttgarter Grafikerin Ina Ludwig, den Druck übernahm der GO Druck Media in Kirchheim. „Wir machen seit 1832 Bücher, wir haben Erfahrung“, sagte Geschäftsführer Ulrich Gottlieb. Das Papier ist hochwertig, ein Lesebändchen gibt es auch. Zu jedem Bild gibt es umfassende Informationen.

„Nur wer die Vergangenheit kennt, hat eine Zukunft“, zitierte Manfred Waßner Wilhelm von Humboldt. Als künftiges Standardwerk kann das neue Buch noch in Jahrzehnten Einblicke in die Köngener Geschichte erlauben – wenn das Internet vieles längst völlig vergessen hat. Das Buch kostet 25 Euro und ist in Köngen im Rathaus und in Wendlingen im Buchladen im Langhaus zu kaufen.