Leuchtende Tomaten, knackige Möhren, exotische Edamame, saftige Gelbe Bete – all das wächst morgens noch auf dem Feld und liegt am Nachmittag zur Abholung bereit. Im Hochsommer können Solawi-Mitglieder aus dem Vollen schöpfen. Zum Beispiel in der „Solawi“ am Kreuthof zwischen Heiningen und Göppingen. Sie ist eine der ältesten – nach dem Nürtinger Hopfenhof – in der Region. Außerdem gehört sie zu den kleinsten: Sie versorgt etwas über 60 Haushalte. Viele kommen aus dem Weilheimer Raum.
Was sie an diesem Tag einpacken dürfen, hat Gärtnerin Annemieke Lauber fein säuberlich auf einer Schiefertafel aufgelistet. Schließlich handelt es sich um „solidarische Landwirtschaft“. Zur Solidarität gehört, dass jeder nimmt, was ihm zusteht, und dabei nicht nur die allerschönsten Stücke abgreift. Das ist für die Solawi-Mitglieder selbstverständlich. Sie sind „Überzeugungstäter“, wie Bäuerin Dorle Kümmel-Ivulans schmunzelnd meint. Etwa ein Drittel ist seit 2017 dabei.
Das macht Spaß und man lernt jedes Mal was dazu.
Christl Paech freut sich über gelegentliche Pflanzaktionen.
Beim Abholnachmittag herrscht familiäre Stimmung. Man teilt nicht nur die Ernte, sondern auch die Weltanschauung: „Hier kauft man wirklich regional“, bringt es Christl Paech auf den Punkt, die seit der ersten Stunde dabei ist. Annemieke Lauber nennt das politische Ziel: kleinbäuerliche Strukturen erhalten. Zwar arbeitet die Solawi nicht gewinnbringend für den Hof, dennoch sorgt sie für Frequenz im Hofladen und trägt vor allem den Bioland-Gedanken in die Welt.

Die Kundschaft freut sich auch auf wöchentliche Überraschungen bei der Abholung. Denn was genau gewachsen und den Schnecken entgangen ist, weiß man im Voraus nie. So ist die Solawi auch ein Rezeptumschlagplatz. „Heut gibt’s wieder Rote Melde, toll“, ruft Christl Paech beim Betreten des Lagers. „Ja, das schmeckt auch wild direkt vom Acker“, ergänzt Dorle Kümmel-Ivulans, und Annemieke Lauber lacht: „Früher hat man das als Unkraut bezeichnet!“
Aus Unkraut sind längst Beikräuter geworden, und immer wieder führen Experimente zu tollen Ergebnissen. Schwarzkohl beispielsweise hat die Solawi schon angebaut, als man das in den Supermärkten noch gar nicht kannte. Und seit Kurzem kann man unter dem Schlagwort „Rent-a-hen“ auch Eier zukaufen.

Was übers Jahr wachsen darf, wird akribisch geplant. „Im Winterhalbjahr gibt’s natürlich weniger, vor allem Lagergemüse und Wintersalate“, erklärt die Gärtnerin. Am Ende des Abholnachmittags ist alles weg – jede Woche eine logistische Herausforderung.
Das Konzept geht auf, das Solawi-Team ist gut eingespielt. Davon profitieren auch die Pflanzaktionen. Denn die Mitglieder sind dem Solidaritätsgedanken nicht nur übers Geld verbunden, sondern auch durch Mithilfe. Eine ganze Reihe ist mit von der Partie, wenn eine Mail zum gemeinsamen Pflanzen aufruft. „Das macht Spaß – und man lernt jedes Mal was dazu“, freut sich Christl Paech.
Infos über Solawis in der Nähe findet man im Internet beispielsweise unter www.solidarische-landwirtschaft.org. Wer sich konkret für den Kreuthof interessiert, schaut am besten donnerstags ab 15 Uhr im Hofladen vorbei.
Gesund ernähren, Bewährtes stützen
Solawi steht für solidarische Landwirtschaft. Eine Solawi ist eine Gruppe von Bürgern, die die Ausgaben eines bäuerlichen Betriebs im Voraus finanziert und im Gegenzug die Ernte erhält. So wird die Existenz der Höfe gestützt und regionale Ernährung zuverlässig ermöglicht. Gelegentliche Mitarbeit ist bei den Solawis erwünscht.
Die erste Solawi in Deutschland entstand 1988 in Schleswig-Holstein, bundesweit gibt es mittlerweile über 500. Die Solawi am Kreuthof, der schon lange biologisch-organischen Landbau betreibt, gehört in der Region zu den ältesten. Der Jahresbeitrag liegt bei 1080 Euro, wobei dahinter auch oft zwei Familien stecken.
„Solawi – was ist das?“ ist eine Veranstaltung des Arbeitskreises Ökonomie Esslingen am Donnerstag, 25. September, von 18 bis 19.30 Uhr auf dem Nürtinger Hopfenhof, Oberensinger Höhe 11, betitelt. Biolandwirt David Traub erläutert das Konzept. Der Eintritt ist frei, anmelden sollte man sich unter info@ebiwes.de.

