Jugendhilfe
Gleich zwei Nachfolger übernehmen

Hendrik van Woudenberg verabschiedet sich als Heim- und Schulleiter der Ziegelhütte am Randecker Maar nach einer zweimonatigen Übergangsphase endgültig in den Ruhestand.

Das Bild steht für zwei wesentliche Projekte, die Hendrik van Woudenberg an der Ziegelhütte umgesetzt hat: Zum Kunst- und Aktionspfad 2019 gehörte auch eine Performance am Eröffnungstag, deren Schauplatz die Fundamente des abgebrannten Alten Schafstalls waren.      Archiv-Foto: Carsten Riedl

An der Ziegelhütte in Ochsenwang geht am 31. Oktober eine Ära zu Ende: Hendrik van Woudenberg, der langjährige Geschäftsführer, Heimleiter und Schulleiter, verabschiedet sich endgültig in den Ruhestand.

Gedacht war das alles für ein Jahr.

Hendrik van Woudenberg über den Beginn seines Engagements an Ziegelhütte und Michaelshof

Bis Ende Oktober sollte die Übergangs- und Einarbeitungsphase für seine beiden Nachfolger dauern. Danach ist also tatsächlich Schluss mit dem beruflichen Engagement Hendrik van Woudenbergs am Randecker Maar.

1980 war er erstmals an den Albtrauf gekommen – an den Michaelshof, der auch organisatorisch eng mit der benachbarten Ziegelhütte verbunden ist: „Ich wollte damals ins Ausland gehen, und vor allem wollte ich die Sonderschule der Waldorfschule kennenlernen“, berichtet der Niederländer 44 Jahre später im Rückblick und fügt hinzu: „Gedacht war das alles für ein Jahr.“

Andere Etappen kamen hinzu – ein Jahr in Dornach in der Schweiz, einige Jahre als Lehrer an der Waldorfschule in Göppingen sowie eine Zeit als selbständiger Heilpädagoge in Bad Boll. Aber immer wieder zog es ihn an den Michaelshof oder auch an die Ziegelhütte zurück. Seit November 2002 war Hendrik van Woudenberg schließlich durchgehend an der Ziegelhütte tätig.

Auch dabei gab es verschlungene Pfade, die sicherlich nicht von vornherein so geplant waren. Innerhalb kürzester Zeit hat er zunächst die pädagogische Leitung übernommen, ist dann Heimleiter, Geschäftsführer sowie Vorstandsmitglied im Trägerverein geworden. Kurz danach hat er erstmals die Schulleitung übernommen, zunächst einmal nur kommissarisch. Der Grund war ganz einfach: „Zu dem Zeitpunkt war ich der einzige mit einer Sonderschulqualifikation.“ Seit 2012 war er dann dauerhaft auch als Schulleiter tätig, aber ausschließlich an der Ziegelhütte.

„Zwei Hundert-Prozent-Jobs“

„Heimleiter und Schulleiter, das sind ja eigentlich zwei Hundert-Prozent-Jobs“, sagt der Neu-Ruheständler. Aus diesem Grund hat er auch gleich zwei Nachfolger: Ferenc Kovacs als Heimleiter der Ziegelhütte und Simone de Picciotto als Schulleiterin. Sie übernimmt diese Position allerdings zugleich für die Ziegelhütte und den Michaelshof.

Simone de Picciotto ist an beiden Einrichtungen keine Unbekannte: 1997 war sie erstmals hier, um dann einige Jahre später nach Namibia zu gehen. Dort, in Windhoek, hat sie gemeinsam mit ihrem Mann die Oberstufe der bestehenden Waldorfschule aufgebaut. Seit 2012 ist sie wieder am Randecker Maar tätig – als Lehrerin. Eine Verwaltungstätigkeit hatte sie eigentlich nicht mehr angestrebt. Aber dann hat sie doch zugesagt, die Schulleitung zu übernehmen.

Hendrik van Woudenberg (Mitte) und seine beiden Nachfolger: Simone de Picciotto und Ferenc Kovacs. Foto: Andreas Volz

Sie kennt die unterschiedlichen Konzepte an der Ziegelhütte und am Michaelshof, sie ist sich aber auch der gemeinsamen Herausforderung bewusst: „Jetzt kommt eine Generation Jugendlicher zu uns, die Corona mit acht oder neun Jahren erlebt hat.“ Manche seien deshalb gar keine Regeln mehr gewohnt. Für Simone de Picciotto steht aber gerade deshalb fest: „Das wird eine spannende Zeit.“

Ferenc Kovacs hat – obwohl er im September sein Büro im Alten Schafstall bezogen hat – keinerlei „Stallgeruch“. Er kommt von außen: „Ich kannte die Gegend bisher nur als Tourist. Aber ich bin schwer beeindruckt von dem, was hier an der Ziegelhütte geschaffen wurde. Da steckt so viel Potential drin.“ Wichtig ist ihm die Öffnung nach außen.

Bestes Beispiel ist für ihn der Landschaftspflegetag am Randecker Maar: „Für die Jugendlichen ist es selbstverständlich, dass sie da mithelfen. Das ist auch ­enorm wichtig für sie selbst – weil sie sehen, dass sie in der Gesellschaft gebraucht werden.“ Beeindruckt ist er von der Kultur, die auf der Ziegelhütte vorhanden sein muss, wenn es gar nicht nötig ist, die jungen Menschen irgendwie zu überreden, dass sie sich am Landschaftspflegetag beteiligen. Diese Kultur will er auf jeden Fall fortführen, aber eben auf seine Art und Weise: „In die Fußstapfen meines Vorgängers treten zu wollen, das fange ich besser gleich gar nicht an.“

Tatsächlich wären diese Fußstapfen, die Hendrik van Woudenberg hinterlässt, enorm groß. Das Schafstall-Projekt wollte er nach dem verheerenden Brand vor sieben Jahren unbedingt noch zu Ende bringen, bevor er sich in den Ruhestand verabschiedet. Der neue Alte Schafstall ist denn auch sein sichtbares „Erbe“ am Randecker Maar. Ebenso wichtig in der Erinnerung der zahlreichen Besucher sind die „Kunst- und Aktionspfade“, die Hendrik van Woudenberg initiiert hatte – 2012, 2015 und 2019. Auch dabei war es darum gegangen, sich der Öffentlichkeit zu präsentieren und die Jugendlichen aktiv mit einzubinden.

Mit der Kunst aktiv bleiben

Die Kunst – genauer gesagt das bildhauerische Arbeiten mit Stein – ist eine Sache, der sich Hendrik van Woudenberg jetzt im Ruhestand widmen möchte. „Ich habe eine Liste mit vielen Dingen, die ich gerne machen würde. Ich habe auch schon viele Anfragen für neue Aufgaben bekommen. Bisher habe ich aber alles abgelehnt, weil ich nicht gleich wieder in neue Verpflichtungen starten möchte.“ Ob es ihm gelingt, von Hundert auf Null zu kommen, wird sich zeigen. Vermutlich nicht – schon allein deshalb, weil er ja von der Zweihundert herkommt.