Keltenfans haben auf der Schwäbischen Alb seit vergangenem Jahr eine neue Anlaufstelle: Im Dreieck zwischen Erkenbrechtsweiler, Hülben und Grabenstetten ist im Juni das Heidengrabenzentrum eröffnet worden. Das interaktive Museum informiert die Besucher über den Alltag der Menschen, die hier vor über 2000 Jahren lebten. Das sogenannte Oppidum Heidengraben war einst mit fast 17 Quadratkilometern eine der größten befestigten spätkeltischen
Das kann sich wirklich sehen lassen.
Winfried Kretschmann. Der Ministerpräsident zeigte sich begeistert von der Anlage.
Siedlungen Europas mit wahrhaft beeindruckenden Wallanlagen und Toren.
An diesem „besonders historischen Ort“ wurde ein kleines, feines Museum errichtet, das auf 350 Quadratmetern „die Welt der Kelten emotional erfahrbar macht“, sagte Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann bei der Einweihung. Was hier auf der Albhochfläche zwischen den Landkreisen Esslingen und Reutlingen entstanden sei, „das kann sich wirklich sehen lassen“, schwärmte der bekennende Keltenfan nach dem Rundgang durch den 5,2 Millionen Euro teuren Neubau, dessen preisgekrönte Architektur einem keltischen Hügelgrab nachempfunden ist.
Kelten-Avatare weisen den Weg
Obwohl der Heidengraben zu den bedeutendsten archäologischen Fundstellen Deutschlands zählt, werden in dem Informationszentrum beim Burrenhof keine originalen Relikte aus der Ära der Kelten präsentiert. Vielmehr lädt die Ausstellung mit zahlreichen 3-D-Animationen, Filmen und Mitmachaktionen zu einer virtuellen Reise in die Zeit vor 2500 Jahren ein. Sechs Avatare von Kelten an Bildschirmen erzählen Begebenheiten aus ihrem Alltag. Der Rundgang führt unter anderem vorbei an Marktständen, einem Vorratshaus, Handwerkergerätschaften und einem Streitwagen.
Die neue Attraktion kommt gut an. Der aus den drei Gemeinden bestehende Zweckverband Region am Heidengraben, der Träger der Einrichtung, zieht zufrieden eine erste Bilanz: Rund 17.000 Besucher, vor allem Familien aus einem Umkreis von gut 50 Kilometern, haben das Museum inzwischen besucht, berichtet Tanja Breitenbücher von der Geschäftsstelle Heidengrabenzentrum. Die Rückmeldungen der Gäste seien überwiegend positiv: „Wenn sie nach dem Besuch sagen, sie sehen jetzt viel mehr als bloße Landschaft und Alb-Natur, das ist für uns das schönste Lob.“
Lob und Kritik von Besuchern
Vereinzelt sei von den Gästen aber auch Kritik geäußert worden, räumt sie ein. Etwa über die Akustik im Museum: Es sei doch recht laut in dem Gebäude. „Wir prüfen derzeit, welche Verbesserungen technisch möglich sind und wirtschaftlich Sinn machen.“ Ein Ärgernis für so manchen Gast seien die fünf Euro Parkgebühren, räumt sie offen ein und versichert: „Wir nehmen die Kritik sehr ernst.“
Für das Jahr 2025 seien verschiedene Themenführungen in Vorbereitung, informiert Breitenbücher. Zudem werde die ortsansässige Living-History-Gruppe Riusiava die Besucher an mehreren Terminen in keltisches Handwerk und Leben entführen. Auch Vorträge stehen an: Dieter Hagmann, der die Avatare umsetzte, wird am 25. März erläutern, wie es zu den digitalen Rekonstruktionen in der Ausstellung kam. Andrea Häussler, die unter anderem den Totenwagen rekonstruierte, der im Heidengrabenzentrum zu sehen ist, wird am 27. März über ihre Handwerks- und Recherchearbeit berichten. Andrea Zeeb-Lanz stellt am 10. April ihr Projekt „Keltisches Oppidum auf dem Donnersberg in der Nordpfalz“ vor.
Das Heidengrabenzentrum ist ein Pilotprojekt der 2019 von der Landesregierung beschlossenen Keltenland-Konzeption, mit der Baden-Württemberg sein reichhaltiges keltisches Erbe sichtbar und erlebbar machen möchte. Für den Neubau bei Erkenbrechtsweiler stellte das Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst 1,75 Millionen Euro bereit, weitere zwei Millionen Euro steuerte der Bund bei.
Erlebniszentrum Heidengraben
Heidengrabenzentrum: Das Museum am Burrenhof ist donnerstags bis sonntags jeweils von 11 bis 17 Uhr geöffnet.
Heidengrabenturm: Von der Plattform des 18 Meter hohen Aussichtsturms können Besucher das gesamte Areal überblicken.
Kelten-Erlebnis-Pfad: Der sechs Kilometer lange, barrierefreie Rundgang führt mit einer kostenfreien, multimedialen App entlang durch das spätkeltische Oppidum.
Kelten-Museum: Das Museum in der Ortsmitte von Grabenstetten kann von Mai bis September sonntags zwischen 14 und 17 Uhr besichtigt werden.

