Pfarrer Dirk Schmidt in Oberlenningen kann aufatmen: Nach genau zwei Jahren Unterbrechung ist in Unterlenningen endlich wieder ein Kollege da. Nun kann er sich in der Evangelischen Julius-von-Jan-Kirchengemeinde Lenningen wieder auf den eigenen Seelsorgebezirk in Oberlenningen, Gutenberg und Schopfloch konzentrieren, für Unterlenningen und Brucken ist Yannick Schanz da. Wobei es keine strikte Trennung gibt. „Wir beide versuchen, gemeinsam Schwerpunkte zu bilden“, sagt Yannick Schanz.
Von Mitte Januar bis Mitte März ist Pfarrer Schanz nochmals kurz weg – er nimmt zwei Monate Elternzeit, denn Familie Schanz bekommt ihr fünftes Kind. Danach heißt es tief durchatmen, denn wenn Pfarrerin Brigitte Turnacker voraussichtlich im Mai in den Ruhestand geht, wird ihre Pfarrstelle in der Kirchengemeinde Erkenbrechtsweiler-Hochwang laut Pfarrplan 2030 nicht neu besetzt und die Aufgaben fallen an Yannick Schanz. Geplant ist eine spätere Fusion der beiden Kirchengemeinden. Jugendreferent Jürgen Braun ist schon heute in beiden tätig.
Schulwechsel kennt er aus eigener Erfahrung
Der junge Pfarrer kommt direkt aus dem Vikariat. Zur ersten Pfarrstelle wurde er – wie üblich – nach Vorgesprächen für drei Jahre von der Kirchenleitung gesandt. Danach kann er sich dann erstmals selbst bewerben, auch auf seine eigene Stelle, und genau das hat er nach aktuellem Stand vor, um länger in Lenningen zu bleiben.
Ein wenig hat das damit zu tun, dass er als Pfarrerssohn aus eigener Erfahrung weiß, was es bedeutet, mitten in der Schulzeit die Schule wechseln zu müssen, weil der Vater eine andere Pfarrstelle übernimmt. Bei ihm war es von der fünften in die sechste Klasse. Geboren wurde Yannick Schanz in Schwäbisch Hall, es folgten drei Jahre in Gaildorf, die Grundschule besuchte er in Vöhringen bei Sulz im Schwarzwald und dann in Flein bei Heilbronn. Dort ist sein Vater Markus Schanz bis heute Pfarrer und parallel Geschäftsführer des Vereins Kinderheim Nethanja Narsapur/Christliche Mission Indien. Dort arbeitet auch David Bergmann, Pfarrer in Owen, mit, der mit Yannick Schanz im selben Vikarkurs war.
„Ich habe nicht schon mit zehn Jahren gewusst, dass ich Pfarrer werden will, aber das war immer im Hinterkopf“, sagt Yannick Schanz. Der Entschluss wuchs dann während eines Freiwilligen Sozialen Jahres in CVJM und Kirchengemeinde im Bergischen Land. Fürs Studium ging er nach Tübingen, wohnte dort im Albrecht-Bengel-Haus und lernte dort auch seine Ehefrau Theresa kennen. Sie hat ebenfalls ihr Examen gemacht und könnte als Nächstes Vikarin werden. In ihrer Familienphase bietet sie nebenher seelsorgerliche Lebensbegleitung an, dafür hat sie eine Zusatzausbildung.
Zweieinhalb Jahre mit einem Kapitel beschäftigt
Was sich die meisten wohl kaum vorstellen können, hat der Pfarrer für seine Doktorarbeit getan: Zweieinhalb Jahre lang hat er sich mit einem einzigen Kapitel der Bibel beschäftigt, mit Hiob 28. Er hat darin Spuren von Ironie entdeckt, die helfen, den Text rund um Hiobs Leiden besser zu verstehen. „In Deutschland gibt es dazu kaum etwas, deshalb habe ich in der zweiten Hälfte der Doktorarbeit fast nur noch Englisch gelesen.“
Die Kirche neben dem Pfarrhaus soll zum Gemeindezentrum erweitert werden, der Pfarrer spricht von „mutigen Vorausplanungen“. Dann könnten Gottesdienst und Kindergottesdienst direkt nebenan gefeiert werden. Sehr zu seiner Freude, denn einer seiner Schwerpunkte ist die Familienarbeit. Ein zweiter ist die Musik, in vielen verschiedenen Stilen. „Ich komme vom Schlagzeug“, sagt er, er spiele aber auch etwas Gitarre. In den Reliunterricht für die Zweit- und Viertklässler nimmt er gerne das Cajon mit, die Kistentrommel. Der Kirchengemeinde will er auch theologische Fragen näherbringen, etwa mit Themenreihen.
Ein kurzer Seitenblick ins Regal zeigt ein weiteres Interesse: Der Pfarrer baut gerne mit Legosteinen. Außerdem schwimmt er gern und fährt gern Fahrrad. „Das ist im Lenninger Tal sehr praktisch“, sagt er.

