Wenn eine Kirche 60 Jahre alt wird, ist dies kein großes Jubiläum. Aber es ist allemal Grund genug, zu feiern. Das 60-jährige Bestehen des 1965 in der Kirchheimer Tannenbergstraße gebauten modernen Kirchengebäudes mit dem vom damaligen Rottenburger Diözesanbischof Leiprecht verliehenen Namen „Unserer lieben Frau Maria Königin“ ist insbesondere mit Musik gewürdigt worden. Nach einer Matinee im Oktober wurde nun in einer besonderen Stunde der Kirchenmusik am Abend des dritten Advents des Weihejubiläums gedacht.
Zum feierlichen Anlass hatte Kirchenmusikdirektor Thomas Specker ein harmonisches Programm zusammengestellt, in dem weihnachtliche Musik, besinnliche Texte und der stimmungsvoll beleuchtete Kirchenraum eine gelungene Symbiose eingingen. Seinen besonderen Reiz bezog das facettenreiche Programm aus der vokalen und instrumentalen Vielfalt, bei der sich die hellen Stimmen des Kinder- und Jugendchors der katholischen Gesamtkirchengemeinde mit den mehrstimmigen Gesängen des Kirchenchors aufs Beste ergänzten.
Ein weiteres Plus war die räumliche Aufstellung der Chorgruppen: Durch die Platzierung der Kinder und Jugendlichen im Altarraum und die Aufstellung des Erwachsenenchors vor der Orgel entstand in Maria Königin eine faszinierende Stereowirkung. Eine weitere Dimension bildete der Gemeindegesang, der immer wieder in die Lieder eingebunden wurde. Besonders eindrucksvoll war der Moment, als die ganze Kirche eins wurde und Chöre und Gemeinde gemeinsam Strophen des Adventslieds „Macht hoch die Tür“ oder den Refrain von „Wir sagen euch an den lieben Advent“ anstimmten.
Nach dem stimmungsvollen, von Kerzen begleiteten Einzug mit dem Taizé-Chor „Wait for the Lord“ begeisterten zunächst die frischen Stimmen des Kinder- und Jugendchors mit dem Lied „Goldnes Licht“ in der Vertonung von Martin Gotthard Schneider. Hier, wie auch in „Wieder naht der heilige Stern“, war deutlich zu spüren, dass die Nachwuchssängerinnen und -sänger von Thomas Specker bestens vorbereitet worden waren.
Die stützende Instrumentalbegleitung lag bei Kirchenmusikdirektor Thomas Gindele an Orgel und Keyboard, Agnes Gindele an der Querflöte und der Geigerin Irina Hornung in besten Händen. Auf diesem sicheren Fundament schwang sich der Jugendchor im Spiritual „This little light of mine“ zu einer schwungvollen Wiedergabe empor. Im Satz „Behutsam will ich dir begegnen“ von Thomas Quast sorgten die tonschön intonierten, den Chorklang umspielenden Girlanden der Soloflöte für besonderen bläserischen Glanz.
In den mit moderner Tonsprache gewürzten Sequenzen „Bereitet dem Herrn den Weg“ aus einer Adventskantate von Johannes Matthias Michel überraschte der Kirchenchor mit Präzision und Klangfülle. Kontrastierend dazu schlug der von Flöte und Violine umspielte, gemeinsam mit dem Jugendchor gesungene Satz „Die Erde ist des Herrn“ in seiner Gesanglichkeit den Bogen zurück zur meditativ betonten, weit ausschwingenden Melodik.
Zwischen die musikalischen Beiträge Textblöcke einzuschieben, erwies sich als gelungene Idee. Dadurch erhielt das Programm eine stimmige Gliederung, zugleich unterstrichen die von Andrea Großmann vorgetragenen Gedanken den weihnachtlichen Gehalt der Abendmusik. Die Textzeilen bezogen sich dabei nicht nur auf die biblische Botschaft von der Geburt Jesu, sondern benannten mit aktuellen Bezügen auch die großen Probleme der Welt und riefen zum Frieden auf.
Mit optimistischen Klängen endete die Stunde der Kirchenmusik. Zur wunderbaren Melodie des Barockmeisters Georg Friedrich Händel setzte „Tochter Zion“ im volltönenden Gesang aller Chöre und der Gemeinde einen fulminanten Schlusspunkt, der den Blick auf das bevorstehende Weihnachtsfest weitete.

