Ausstellung
Kunst gegen die Weihnachtsroutine

Die Weihnachtsausstellung der Galerie Diez spielt mit Tradition und Kritik. Humorvolle Interventionen und ernsthafte Bildwelten ergänzen sich zu einer vielschichtigen Schau. 

Das Foto zeigt Galerist Wolfgang Diez neben seinem Gemälde „Heilige Familie“, das er nach einem berühmten Vorbild aus dem 18. Ja
Das Foto zeigt Galerist Wolfgang Diez neben seinem Gemälde „Heilige Familie“, das er nach einem berühmten Vorbild aus dem 18. Jahrhundert gemalt hat. Foto: Florian Stegmaier

Pünktlich zur Adventszeit lädt die Galerie Diez zu ihrer traditionellen Weihnachtsausstellung – und wie stets erschöpft sich das Motto „O Weihnachten!“ nicht in dekorativer Feststimmung. Galerist Wolfgang Diez setzt auf eine kritische, zugleich respektvolle Auseinandersetzung mit dem Fest der Feste. Nach der letzten Ausstellung vor zwei Jahren, die den weihnachtlichen Friedensbotschaften die Realität von Krieg und Zerstörung entgegengestellt hatte, lenkt Diez den Fokus nun auf den grassierenden Konsum und auf das, was jenseits glitzernder Oberflächen vom geistigen Kern des Weihnachtsfestes bleibt.

Dazu setzt er ein deutliches Zeichen: An der Stirnseite der Galerie prangt seine in Öl gemalte „Heilige Familie“. Als Vorlage diente ihm ein Meisterwerk des 18. Jahrhunderts von Pompeo Batoni – einst gefeierter Porträtist europäischer Herrscher. Diez interessiert die Haltung des Bildes: eine intime, ungekünstelte Szene zwischen Maria, dem Jesuskind und einem mild lächelnden Josef. „Kein Kitsch“, betont der Galerist – und genau diese unprätentiöse Zärtlichkeit wirkt wie ein stilles Gegenbild zur Überladung der Weihnachtszeit.

Dass Diez auch Ironie zu inszenieren weiß, zeigt das Pendant an der gegenüberliegenden Wand. Dort entreißt er eine kindliche Krippenfigur ihres stereo­typen Umfeldes und erhebt in einem großformatigen Gemälde den Jesusknaben zum segnenden Weltenherrscher – umrahmt von bunten Glühbirnen. Eine spielerische Brechung, die weniger den religiösen Gehalt als dessen kommerzielle Überformung hinterfragt. Moralischer Zeigefinger? Fehlanzeige. Vielmehr arbeitet Diez mit dem Repertoire der Kunstgeschichte, um dem geistigen Kern des Festes ein zeitgemäßes Bild zu schaffen.

Flankiert werden die Arbeiten des Galeristen von einer Vielzahl weiterer Positionen, die den thematischen Bogen unterschiedlich weit spannen. Manche nähern sich dem Fest der Liebe ehrfürchtig, andere setzen schräge Akzente. So der Kirchheimer Künstler Ishan Schempp. Sein „potenter Weihnachtsstern“ besteht aus Kondomen und konfrontiert die biblische Empfängnis mit moderner Empfängnisverhütung. Auch seine Werke „Zipfelmützenzeit“ und „behütete Weihnacht“ liegen ganz auf dieser Linie.

Der Dettinger Künstler Jürgen Roesner bleibt seinem Markenzeichen treu: der Brezel. Ihr „Antlitz“ variiert er seit Jahren in immer neuen Variationen. Für „O Weihnachten!“ hat er eine Nikolaus­brezel geschaffen und subversive Interventionen in die Galerie geschmuggelt – kleine Eingriffe, die dem aufmerksamen Blick ein Lächeln entlocken. Ein eindrückliches Statement setzt die Kirchheimer Künstlerin Birgitta Goerke. Ihre Nussknacker, traditionell soldatische Weihnachtsfiguren, sind entwaffnet und stehen aufrecht, aber als versehrte Wächter da. „Sie sind jetzt Botschafter des Friedens“, sagt Diez – ein Kommentar, der in der aktuellen Weltlage kaum deutlicher ausfallen könnte. Die Ausstellung ist reich bestückt und lädt zur Erkundung ein. Diez’ kuratorische Linie verbindet die Beiträge zu einem Parcours, der zum Schmunzeln wie zum Nachdenken einlädt. Wer bereit ist, hinter das Gewusel der Jahreszeit zu blicken, findet hier zahlreiche Impulse, die den Blick auf Weihnachten neu kalibrieren können. 

Besucher können bis Dienstag, 23. Dezember, auf Entdeckungstour gehen. Geöffnet ist die Galerie Diez in Dettingen täglich von 15 bis 19 Uhr.