Selbstversuch
Mit dem Motorgleitschirm über die Teck: Wir haben’s getestet

Die Region von oben erleben: Das macht die Oberlenninger Firma „Black Sheep Paramotor“ möglich. Ich habe mich die Lüfte gewagt und das Angebot ausprobiert.

Aus der Luft sind die markanten Strukturen der Landschaft klar erkennbar. Foto: Fiona Peter

Durch den Himmel schweben, den Alltag weit unter sich lassen und vertraute Landschaften aus einer ganz neuen Perspektive betrachten: Das verspricht die Flugschule „Black Sheep Paramotor“ von ihren Rundflügen mit dem Motorgleitschirm, die seit diesem Monat in Kooperation mit dem Heidengrabenzentrum angeboten werden. Marco Gotterbarm-Dangel (oder wie er es bevorzugt: einfach Marco) hat die Flugschule 2023 gegründet. Insgesamt hat er aber schon mehr als 15 Jahre Flugerfahrung auf dem Buckel – mit dem normalen Gleitschirm, dem Motorgleitschirm sowie leichten Flugzeugen. Warum er vom Fliegen nicht genug bekommen kann? Das merke man spätestens, wenn man selbst einmal „da oben“ war, sagt Marco verschmitzt.

Davon möchte ich mich selbst überzeugen. Als Person mit moderater Flug- und Höhenangst bin ich natürlich das ideale Testsubjekt für den Aufstieg in schwindelerregende Höhen.

Die Vorbereitung

Ich treffe Marco am Abend auf dem Flugplatz Grabenstetten. Bevor es in die Luft geht, muss ich mich allerdings noch einer kleinen Einweisung unterziehen. Marco erklärt mir die Einzelteile der Maschine, der ich gleich mein Leben anvertraue. Dann gibt es noch ein paar kleine Hinweise für den Flug: Wo ich mich festhalten darf und wo bitte nicht (die Steuer- und Bremsleinen sind tabu, Marcos Hals auch); warum man nicht auf die Tasche mit dem Rettungsschirm treten sollte und was in Notfallsituationen zu tun ist. „Das brauchen wir mit Sicherheit nicht“, versichert mir Marco. Ist halt Protokoll. Ein bisschen mulmig wird mir bei dem Gedanken trotzdem.

Mit dem Motorgleitschirm ist man tendenziell ruhiger unterwegs als mit einem "klassischen" Gleitschirm. Foto: pr

Wenige Minuten später sitzt meine Signatur auf dem DINA4-Zettel, den ich vor dem Flug ausfüllen muss. Jetzt wird es ernst. Um zum Anfang der Piste zu kommen, tuckern wir zunächst ein paar Minuten mit dem Trike – das ist die Variante des Motorgleitschirms, bei dem Pilot und Passagier in einem dreirädrigen Fahrgestell sitzen –  über den Rasen. Ganz schön holprig. Ob das in der Luft auch so ist?

Am Ziel angekommen habe ich noch ein bisschen Zeit zum Durchatmen, denn es fehlt noch der wichtigste Part: der Gleitschirm. Den legt Marco sorgfältig hinter unserem fliegenden Dreirad aus und sortiert die bunten Leinen. Wie er erklärt, hat jede von ihnen eine Tragkraft von beinahe 200 Kilogramm. Die Schirmkappe aus reißfestem Gewebe misst ganze 39 Quadratmeter – in etwa so viel wie die durchschnittliche Einzimmerwohnung.

Gleitschirm, Leinen, Trike und Marco sind bereit. Ob ich bereit bin, kann ich nicht sagen. Wir nehmen unsere Plätze ein – ich hinten, er vorne –, der Motor beginnt zu knattern, und wir rollen los. Beinahe augenblicklich erhebt sich hinter uns der Gleitschirm wie ein Vogel, der lautlos zum Flug ansetzt. Bei einer Geschwindigkeit von rund 35 Kilometern pro Stunde sagen wir und die Maschine dem Boden Ade. Der Start ist angenehm. Besser als im Flugzeug.

Der Himmel ist klar und beinahe wolkenlos. Es geht lediglich ein leichter Wind. Die Flugbedingungen könnten besser nicht sein. Foto: Fiona Peter

Ein (Aus)Flug durch die Geschichte

Das Trike steigt zügig aufwärts. In kürzester Zeit verwandeln sich die Wälder in eine moosartige Decke; die Äcker verschmelzen in ein Puzzle aus verschiedenfarbigen Rechtecken. „Siehst du den Wall da drüben?“, fragt Marco und deutet nach unten. Durch die Mikros und Kopfhörer an unseren Helmen können wir uns unterhalten. Wie er erklärt, war das Plateau, auf dem sich heute Erkenbrechtsweiler und Grabenstetten befinden, während der Keltenzeit eine riesige Siedlung, in der rund 10.000 Menschen beheimatet waren. Das macht den historischen Heidengraben zum ehemals größten keltischen Oppidum in ganz Europa. „Der ganze Rest außen rum – das war alles nur Sumpfgegend“, verrät mir Marco mit einem Wink auf das Tal. Ich male mir aus, wie es hier früher wohl ausgesehen hat, als oben im Heidengraben das keltische Leben blühte und unten nur die Natur regierte.

Wir schweben weiter durch den wolkenlosen Himmel. Unter uns zieht Owen vorbei. Ameisengroße Autos bewegen sich scheinbar kriechend über die schmalen Straßen. Der Motor brüllt, doch ich nehme ihn kaum wahr. Ich fühle mich überraschenderweise vollkommen sicher und genieße die Aussicht. „Wie hoch sind wir jetzt?“, will ich wissen. „700 Meter“, antwortet Marco nach einem Blick auf eins seiner Geräte, dessen Namen ich nicht kenne. Krass.

Aus dem Berg ragt die Burg Teck. Aus der Luft sieht sie beinahe klein aus. Foto: Fiona Peter

Schließlich nähert sich der Star des Abends: Wie ein stummer Wächter thront die Burg Teck über dem Tal. Marco fragt, ob ich drumherum fliegen will. Klar will ich das. Gesagt getan: In einem geschmeidigen Bogen umkreisen wir die Landmarke. Dabei kommen wir sogar ziemlich nah dran. Ein paar der Männchen, die unten Stück für Stück erkennbar werden, winken uns enthusiastisch zu. Wir winken natürlich zurück.

Langsam senkt sich die Sonne über dem Tal und tränkt die Landschaft in rotgoldenes Licht. Wir drehen noch eine Runde um die Burg und machen uns langsam auf den Rückweg. Die Zeit ist wie im Flug vergangen. Zum krönenden Abschluss demonstriert Marco noch ein paar Tricks mit dem Schirm, dann manövriert er uns in Richtung Landebahn, wo die Segelflieger bereits den Feierabend eingeleitet haben. Sanfter als erwartet setzt das Trike auf dem Boden auf. Bis auf den Wackelpudding in den Beinen fühle ich mich fantastisch. „Und?“, fragt Marco. „Musst du noch fragen, warum ich so gerne fliege?“ Muss ich nicht.

Von mir bekommt das Angebot einen klaren Daumen nach oben. Foto: Fiona Peter

Interesse geweckt? Der Rundflug dauert rund 45 Minuten, kostet 150 Euro und erfordert keinerlei vorherige Flugerfahrung. Die Buchung ist exklusiv im Heidengraben unter info@region-heidengraben.de möglich. Mehr Infos gibt es unter https://www.region-heidengraben.de/projekte/blacksheep.